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073·03. Mai 2026·1 Std 28 Min·mit Andre Volkmann

500 Milliarden Euro Verschwendung: wie das Gesundheitssystem versagt mit Andre

Gesundheitswissenschaftler & FIZI-Co-Founder Andre Volkmann über das 500-Mrd-Reaktivsystem, Fake-Ballaststoffe und warum Mönchsfrucht das Süßstoff-Spiel kippt.

Lesen

Worum es geht

In dieser Folge sitzt der Bremer Gesundheitswissenschaftler Andre Volkmann zwischen Eric und Christian — Co-Founder von FIZI, Typ-1-Diabetiker seit dem 6. Lebensjahr, ehemaliger Bundesliga-Ernährungsberater bei Werder Bremen und Osnabrück. Er führt durch die brutale Mathematik des deutschen Gesundheitssystems: 500 Mrd€ pro Jahr für Reaktion, ein winziger Bruchteil für Vorbeugung — bei gleichzeitig 10 Mio Typ-2-Diabetikern und 20 % Prädiabetes. Plus: Krankenkassen-Hacks, die kaum jemand kennt (RV-Fitness, Paragraph-20-Topf), die 8-Jahre-Lebenserwartungs-Differenz zwischen Bremer Stadtteilen, der „Gummibärchen-Skandal" um Fake-Ballaststoffe (IMOS), und die volle FIZI-Origin-Story von der Werder-Bremen-Halbzeit-Mixtur über das Energy-Drink-Setup Better-G bis zur Übernahme durch The Quality Group. Wer Long-Gevity ohne Brian-Johnson-Asketismus will, bekommt das pragmatischste Stacking-Modell der bisherigen 73 Folgen: Protein + Ballaststoff aus 4 Quellen, low-FODMAP, Mönchsfrucht statt Synthetik.

Was dich erwartet

  1. 01Warum Deutschlands 500-Mrd-Gesundheitssystem fast nichts in Prävention investiert
  2. 02Krankenkassen-Hacks: RV-Fitness, Paragraph-20-Topf und Stempel-Programme
  3. 038 Jahre Lebenserwartungs-Differenz zwischen Bremer Stadtteilen
  4. 04Tirzepatid-Preise im Vergleich: 500€ in DE vs. $50/Monat in Indien
  5. 05Sarkopenie als Pflegeheim-Vorhof — und warum 2 % Lebenszeit reichen
  6. 06Der IMOS-Skandal: warum „zuckerfreie“ Gummibärchen oft Verarsche sind
  7. 07Wie aus Werder-Bremen-Halbzeit-Mixturen das FIZI-Drink wurde
  8. 08Long-Gevity-Stack: Protein + Ballaststoffe als Doppelhebel
Learnings

Was du mitnehmen kannst.

65 Gedanken · 13 Kapitel

Der Gesundheitswissenschaftler-Lens

  1. 01·Andre & Christian

    Gesundheitswissenschaftler ≠ Arzt — Prävention ist „besser als normal", nicht „zurück zu normal"

    „Ich gucke mir auf übergeordneter Ebene an, was funktioniert — Bewegung, Stressmanagement, Ernährung.”

    Andre über die Trennlinie zwischen Arzt und Gesundheitswissenschaftler

    Andre's Definition seiner Disziplin: Ärzte arbeiten auf zellulärer Ebene und holen Krankheitszustände in den Normalbereich zurück. Gesundheitswissenschaftler beschäftigen sich auf übergeordneter Ebene damit, was funktioniert — Bewegung, Stressmanagement, Ernährung, Rahmenbedingungen. Es gibt zwei Sub-Disziplinen: am Individuum (Andre's Schwerpunkt: Ernährung & Psychologie) und am System (Krankenkassen, Gesundheitsökonomie). Christian's Zuspitzung: Die meisten „normalen Leute" sind nicht gesund — sie sind Normalzustand. Prävention ist die Brücke vom Normalzustand zum gesunden Zustand, nicht zurück.

  2. 02·Andre

    Andre's Origin: Typ-1-Diabetes mit 6 als Karriere-Trigger

    Mit sechs Jahren bekam Andre Typ-1-Diabetes („Schweinsdiabetes"-Diagnose). Der Coping-Mechanismus war Sport — Sportgymnasium, Studioleiter in der Fitnessbranche, Bodybuilding-Wettkämpfe ab 2010 als einer der ersten Typ-1er (zu dem Zeitpunkt gab es kaum Infos zur Kombination). Eigenes Studio mit ~2.500 Mitgliedern, vor Corona verkauft. Bundesliga-Ernährungsberatung. Doktorarbeit zu Prävention. Der rote Faden ist konsistent: eigene Krankheit → Wissenschaft → Produkt. Wer als Founder im Health-Space arbeiten will, profitiert massiv von einem persönlichen Stake — das verändert das Gespür für Patient-Bedürfnisse fundamental.

500 Milliarden für Reaktion

  1. 03·Andre & Christian

    Deutschland gibt 500 Mrd€/Jahr für Gesundheit aus — fast ein ganzer Bundeshaushalt

    „Ich find es gut, dass wir mehr für Gesundheits- oder Krankheitssystem ausgeben als für Verteidigung — aber wir haben noch eine zweite Front, im Kontext Verteidigung reaktiv.”

    Andre über das eigentlich übersehene Front-Problem im System

    Die deutschen Gesundheitsausgaben liegen aktuell bei knapp über 500 Mrd€ pro Jahr — das entspricht etwa der Größe des gesamten Bundeshaushalts. Zum Vergleich: Verteidigungs-Etat regulär 50–60 Mrd€, mit dem 2022er-Sondervermögen-Boost auf einmalig 100 Mrd€. Davon fließen je nach Definition nur 10–20 Mrd€ in echte Prävention. Christian's Pointe: Diese 500 Mrd€ sind keine Investition, sondern Reparatur — sie verbessern den Status der Bevölkerung gerade nicht. „Krankheits-Verteidigung", nicht Gesundheits-Investition.

  2. 04·Andre

    200 Mrd€ Produktionsausfälle on top — 30–40 % der Erkrankungen wären präventiv vermeidbar

    Zusätzlich zu den 500 Mrd€ Behandlungskosten kommen rund 200 Mrd€ wirtschaftlicher Schaden durch Produktionsausfälle und Krankschreibungen pro Jahr. Etwa 30–40 % aller Erkrankungen wären laut Andre durch Prävention und bessere Rahmenbedingungen vermeidbar. Diese Zahl ist die ökonomische Begründung dafür, warum Prävention nicht „nice to have" ist, sondern der größte ungehobene Hebel im System. Selbst eine Halbierung dieser vermeidbaren Kosten würde mehr freisetzen als jedes politische Spar-Paket der letzten 20 Jahre.

  3. 05·Andre & Christian

    Platz 3 weltweit bei Gesundheitsausgaben — und nur Mittelmaß bei Lebenserwartung

    Pro Person geben wir in Deutschland über 6.000€ pro Jahr für Gesundheit aus — Platz 3 weltweit hinter den USA. Aber bei der Lebenserwartung ist Deutschland in Europa nur Mittelmaß, bei der Prävention sogar einer der letzten Plätze (vorletzter im EU-Vergleich). Christian's Beobachtung: Es gibt Länder auf der Liste, die ein Deutscher als „Drittwelt-Land Europas" bezeichnen würde, die eine bessere Gesundheitserwartung haben. Geld allein kauft keinen Gesundheits-Outcome — System-Logik tut es. Wer reaktiv strukturiert, behandelt teurer und bekommt schlechtere Ergebnisse.

  4. 06·Andre & Eric

    Frauen 80+ Jahre Lebenserwartung — aber 20+ Jahre davon „krank"

    Eine durchschnittliche deutsche Frau wird über 80 Jahre alt. Ihre Krankheitserwartung — die Zeit, in der sie chronisch krank ist — beträgt aber über 20 Jahre. Heißt: ~60 Jahre Gesundheitserwartung, dann 20+ Jahre chronische Phase. Über 50 % der deutschen Bevölkerung gelten als chronisch krank (mind. einmal pro Quartal aus dauerhaftem Grund beim Arzt). Männer leben kürzer. Long-Gevity bedeutet praktisch nicht „länger leben", sondern „später krank werden" — die zentrale Metrik ist Healthspan, nicht Lifespan.

  5. 07·Christian & Andre

    Zuckersteuer wieder gescheitert — Lobby-Beleg statt „Bevormundung"

    Die deutsche Zuckersteuer-Initiative ist wieder gescheitert — mit dem Politiker-Argument „Bevormundung". Andre: „Wahrscheinlich hat die Lobby einen gewissen Einfluss." Lehrstück Großbritannien: Hersteller haben Zucker durch Süßstoffe ersetzt, machten nicht weniger Gewinn, der Konsum-Pattern blieb gleich, die Kalorienlast sank. Industrie reagiert auf Anreize, nicht auf Appelle. Christian's Ironie-Beobachtung: Eine selbst sichtbar übergewichtige Politikerin verteidigte den Status quo unter Verweis auf Wirtschafts-Interessen — wenn man der Erklärung der „Bevormundung" mit dem Ergebnis abgleicht, wirkt sie hohl.

Krankenkassen-Hacks, die kaum einer kennt

  1. 08·Andre

    Paragraph-20-Topf — 600 Mio€/Jahr für Unternehmens-Prävention

    Krankenkassen haben in Deutschland einen Paragraph-20-Topf von rund 600 Mio€ pro Jahr für betriebliche Gesundheits-Maßnahmen — Stress, Bewegung, Ernährung. Wer einen Arbeitgeber hat, kann sich an die Krankenkasse wenden und Maßnahmen im Unternehmen anstoßen lassen. Andre macht solche Tage seit 10+ Jahren — der größte Hebel ist nicht das Geld, sondern die Aufmerksamkeit. Wenig genutzt, weil weder HR noch Mitarbeiter darüber Bescheid wissen.

  2. 09·Andre

    Vorsorge-Topf — 5–8 Mrd€ für Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen

    Zusätzlich gibt es einen Vorsorge-Topf in der Größenordnung von 5–8 Mrd€ pro Jahr (Impfungen, U-Untersuchungen, Krebs-Screenings). Das ist quasi das, was bei den meisten als „Krankenkassen-Prävention" überhaupt ankommt. Auch hier ist der Switch von Reaktion auf Vorbeugung unvollständig — vieles davon sind späte Erkennungs-Maßnahmen, nicht echte Lifestyle-Intervention.

  3. 10·Andre

    Du kannst dich präventiv an die Krankenkasse wenden — kaum jemand weiß

    Krankenkassen haben den gesetzlichen Auftrag, Versicherte beim „gesünder werden" zu unterstützen, nicht nur beim „krank zurückwerden". Wer Übergewicht, Essstörungen oder psychische Themen früh anspricht, bekommt häufig Bewegungs- oder Ernährungskurse übernommen. Andre's Hinweis: Selbst wenn keine Diagnose vorliegt, sondern nur erhöhtes Risiko (BMI, Stress, Familie-Anamnese), kann das Tor schon offen sein. Der Antrag ist meist eine Ausnahme — die Mehrheit kennt ihn nicht.

  4. 11·Andre & Eric

    RV-Fitness — Rentenversicherungs-Präventionsprogramm alle 2 Jahre

    „Aber ein geiles deutsches Wort.”

    Eric über „Rentenversicherungs-Präventions-Fitness"

    Über die Deutsche Rentenversicherung gibt es ein Präventionsprogramm („RV-Fitness"), das jeder Arbeitnehmer in Deutschland alle zwei Jahre durchlaufen kann. „Macht fast keiner — kennt fast keiner." Direkter Zugang zu mehrwöchiger Reha-/Präventions-Phase, finanziert von der Rentenversicherung. Wer chronischen Stress, Bandscheiben-Probleme oder Übergewicht hat: nachfragen. Eric's spontaner Kommentar zum Wort selbst: ein Lehrstück für deutsche Verwaltungs-Sprache.

  5. 12·Andre

    Stempel-Programme — 12 Maßnahmen → 100€ Bonus

    Manche Krankenkassen bieten Stempel-Programme an: Wer ins Fitnessstudio geht, holt sich einen Stempel ab, kombiniert mit 12 weiteren Präventionsmaßnahmen → 100€/Jahr Bonus. Niedriger absoluter Hebel, aber für Jüngere praktisch — viele Kassen mittlerweile per App. Wer das mehrere Jahre konsequent durchzieht, bekommt seine Studio-Mitgliedschaft de facto refinanziert.

  6. 13·Christian, Eric & Andre

    Krankenkassen dürfen kein Fitnessstudio direkt bezahlen — bürokratisches Eigentor

    Selbst wenn es objektiv das wirksamste Mittel wäre — Krankenkassen dürfen den Mitgliedsbeitrag eines Fitnessstudios nicht direkt übernehmen. Begründung: „Förderung von Privatwirtschaft." Stattdessen werden teurere, schlechter funktionierende Bewegungskurse subventioniert. Eric/Christian: ein bürokratisches Eigentor — die Maßnahme mit der höchsten realen Compliance ist von der direkten Förderung ausgeschlossen, was wiederum die Stempel-Hilfsprogramme erst nötig macht.

Postleitzahl-Lotterie

  1. 14·Andre & Christian

    Bremen: 8 Jahre Lebenserwartung trennen Stadtteile

    Andre forscht in Bremen — und in derselben Stadt liegen 8 Jahre Lebenserwartungs-Differenz zwischen sozial schwachen und höher-einkommen-Stadtteilen. Vor ein paar Jahren waren es noch ~10, aktuell 8. Mechanismus: Ernährung, Bewegung, Bildungs-Zugang, chronischer Stress — alles korreliert mit Postleitzahl. Konsequenz für Prävention: Aktuelle Maßnahmen erreichen meistens die, die eh schon gesünder sind. Wer wirklich Impact will, muss in die Stadtteile gehen, in denen sich keiner für „BGM" interessiert.

  2. 15·Andre

    20 % Prädiabetes + 10 Mio Typ-2-Diabetiker — die meisten wissen es nicht

    Knapp 20 % der deutschen Bevölkerung haben Prädiabetes (zusätzlich zu manifesten Erkrankungen), 10 Mio Deutsche haben bereits Typ-2-Diabetes. Die meisten Prädiabetiker wissen es nicht — bis Folgeerkrankungen das Thema selbst auf den Tisch bringen. Andre saß vor zwei Jahren bei einem Krankenkassen-Vorstand in Bremen, der konkret bat: „Bringt uns irgendwas, wir sind verzweifelt mit den Folgeerkrankungen." Das ist der Stand, von dem aus Prävention startet.

Lifestyle-Spritze, Patente, Pharma

  1. 16·Andre, Christian & Eric

    Ozempic-Paradox — Lifestyle-Medikament für Übergewichtige, normal für Diabetiker

    Krankenkassen dürfen Abnehmspritzen (GLP-1-Agonisten wie Semaglutid/Ozempic, Tirzepatid/Mounjaro) für Übergewichtige nicht bezahlen — sie gelten als „Lifestyle-Medikament". Aber für Typ-2-Diabetiker zahlen sie. Andre: „So dämlich, ja." Konsequenz: Eine Behandlung, die langfristig billiger wäre als die Folgekosten von Adipositas (Gelenke, Herz-Kreislauf, der Diabetes selbst), wird vom System abgelehnt, das die Folgekosten dann selbst trägt. Eric's pragmatischer Vorschlag: BMI-Schwelle als Kriterium. Christian: selbst ein „falscher" Einsatz ist günstiger als gar keiner.

  2. 17·Christian

    Tirzepatid-Preis-Vergleich — 500€ in DE vs. $300 für 1.200 mg aus Asien

    „Wenn da mal Patente auslaufen, wird das ein Apple-und-Knight.”

    Christian über die kommende Generika-Welle

    Christian's Recherche zu Direct-Manufacturing-Endkundenpreisen aus Asien: Tirzepatid 7,5 mg (Markenname Mounjaro/Zepbound) kostet in Deutschland 500–700€ pro Spritze. Der Endkundenpreis aus einem asiatischen Direkt-Hersteller liegt bei rund $300 für 1.200 mg — also ungefähr 160-fache Wirkstoff-Menge zu einem geringeren Preis. Patentschutz erklärt fast die gesamte Differenz; Pharma-Regulierung den Rest. Wer den Markt verstanden hat, kann ungefähr ausrechnen, wann die Spritze für die Allgemeinmedizin wirtschaftlich freigegeben wird.

  3. 18·Andre & Christian

    Indien — $50/Monat seit Patent-Ablauf, EU folgt 2030/31

    In Indien ist das Tirzepatid-Patent dieses Jahr (2026) ausgelaufen — der Monatspreis liegt dort bei rund $50, im Vergleich zu noch ~300€ in Deutschland. In Europa laufen die Patente ab 2030/31 sukzessive aus. Andre's Schwellen-Schätzung: Ab 100–140€/Monat würden deutsche Krankenkassen vermutlich kombinierte Therapien (Spritze + Lebensintervention) übernehmen — das ist der Preis-Punkt, ab dem die Pharmakologie für die Allgemeinmedizin freigegeben wird. Wer in der Branche operiert, sollte 2030 als wahrscheinlichen Inflection-Point markieren.

  4. 19·Christian & Andre

    Selbst der „dumme Einsatz" der Spritze ist besser als kein Einsatz

    Christians Position: Selbst wer Tirzepatid/Semaglutid „falsch" einsetzt — also ohne Krafttraining, ohne Ernährungsumstellung — ist bei vorhandener Adipositas immer noch besser dran als ohne Spritze. Mit Krafttraining + Protein + Ballaststoffen kommst du mit deutlich kleineren Dosen aus → weniger Nebenwirkungen, weniger Muskelverlust. Wirkmechanismus ist Sättigung, nicht Fettabbau — wer auf der reduzierten Kalorie keine Bausteine liefert (Eiweiß), verliert systematisch Muskelmasse. Die Spritze ist ein Hebel, kein Programm.

Sarkopenie & der Sarg

  1. 20·Andre & Christian

    Muskelverlust ab 30 ist kein natürlicher Automatismus, sondern Routinen-Effekt

    Andre's Pointe: Der typische Muskelverlust ab 30 ist nicht „die Natur" — sondern eine Folge veränderter Routinen. Letzte Schulsportstunde ist 10+ Jahre her, beruflicher Stress dominiert, Sport fällt raus. Wer ab 30 keine Bewegungs-Routine hat, verfällt — nicht weil der Körper das so will, sondern weil keine Reize mehr ankommen. „Ab 30 sinkt mein Stoffwechsel" stimmt — aber die Ursache ist Verhaltens-Switch, nicht Biologie.

  2. 21·Andre

    Hauptgrund Pflegeheim: zu schwache Beinmuskulatur

    Andre: Einer der Hauptgründe, warum Menschen ins Pflegeheim kommen, ist nicht Demenz oder Multimorbidität — sondern dass sie nicht mehr selbständig auf die Toilette gehen können. Konkrete Ursache: zu starker Muskelverlust in den Beinen, Sarkopenie. Im Wort steckt nicht zufällig „Sarg". Krafttraining für die untere Körperhälfte (Kniebeuge, Stuhl-Aufstehen, Gewichts-Treppen) ist Pflegeheim-Versicherung — direkter und billiger als jede Police.

  3. 22·Andre

    2 % der verfügbaren Lebenszeit reichen für massiven Compound-Effekt

    3–4 Stunden Sport pro Woche entsprechen rund 2 % der verfügbaren Lebenszeit. Über 30+ Jahre kumuliert ist der Effekt nicht mehr vergleichbar mit anderen Lebensstil-Hebeln. Andre aus 2.500 Studio-Kunden plus Diagnostik-Erfahrung: Die 50–60-Jährigen, die ihr Leben lang mindestens „bisschen Sport plus Kräftigungs-Übungen" gemacht haben, wirken im Raum jünger als der 40-Jährige, der zwei Stunden vorher kam, aber nichts macht. Der visuelle Eindruck folgt der Statistik.

  4. 23·Christian

    Auch alte Damen können Knochendichte aufbauen — Pull-Bar-Drop-Studien

    Selbst spät einzusteigen ist nicht aussichtslos: Es gibt Studien, in denen ältere Frauen sich von einer Pull-up-Bar einfach fallen lassen — der kleine Aufprall reicht aus, um Knochendichte und Muskel-Strukturen wieder aufzubauen. Spätestens dort, wo das Leben eingeschränkt ist, ist Sport nicht mehr optional. Der Effekt-Vergleich zu früherem Eingreifen ist drastisch schlechter, aber er ist nie null. Niemals zu spät, immer zu unbequem.

  5. 24·Andre & Christian

    Auszubildende sind die formbarste Präventions-Zielgruppe

    Krankenkassen machen einen großen Teil ihrer Maßnahmen bei Auszubildenden — weil dort die Routinen am formbarsten sind. Wer mit 23 gute Routinen hat, baut die Basis fürs ganze Leben. Andre: „Heißt nicht, dass du nicht mehr zu Fast-Food-Restaurants darfst." Christian's Ergänzung: Mehr gute Routinen = mehr Shit-Erlaubnis. Hohe Floors, große Decken. Deshalb investieren Kassen hier am meisten Hebel — der ROI über 50+ Berufsjahre ist astronomisch.

Drastigkeit & Routinen

  1. 25·Andre

    Soziale Faktoren sind Gesundheitsfaktoren — Sport mit Freunden = Doppelhebel

    Andre's Beobachtung aus 2.500 Studio-Kunden: Soziale Faktoren sind eigenständige Gesundheits-Faktoren — Familie, Freunde, fremde Begegnungen. Wer mit jemandem zum Sport geht, kombiniert zwei Hebel und erhöht die Compliance dramatisch. Auch außerhalb des Studios gilt: Jede Routine, die einen sozialen Knoten hat, hält länger. Solo-Sport funktioniert für die hochmotivierten 10 % — für die anderen 90 % ist die Verabredung der Multiplikator.

  2. 26·Eric

    Eric's Hardline-Reframe: Im Rentenalter ist der Körper die Hauptaufgabe

    „Du musst es jetzt mal sehen wie Arbeit — von 9 bis 12 bin ich nicht erreichbar.”

    Eric's Reframe für die Eltern-Generation

    Eric an die Eltern-Generation: Im Rentenalter mit massiv freier Zeit ist die einzige verbleibende „Pflicht-Aufgabe" der Körper. Wer nicht mehr arbeiten muss, hat keine Ausrede. Konkretes Modell: 3 Stunden Mo–Fr für Bewegung & Gesundheit, behandelt wie Arbeitszeit. Termine wie Friseur richten sich danach — nicht andersrum. Sein Wut-Auslöser: Eltern bekommen alles gebacken, aber den eigenen Körper wieder verschieben — als wäre das verhandelbar. Es ist nicht.

  3. 27·Christian

    Hardline-Kommunikation funktioniert — Christian's Vater-Story

    Christian's Vater (Ex-McKinsey-Konditioniert) fragte ihn irgendwann: „Was soll ich tun?" Antwort in einem Satz: „Iss weniger, iss mehr Protein, iss mehr Obst und Gemüse, mach Krafttraining." Vater fragt nach, wie Krafttraining funktioniert → erklärt → seitdem regelmäßig. Lehre: Es muss nur einmal sauber, klar und ohne Hedging erklärt werden — die ehrliche Variante in einem Satz schlägt jede Doku, die der Vater nie schauen wird. Hochkomplexe Antworten sind in der Eltern-Kommunikation die schlechteren.

  4. 28·Christian

    Hardline-Kommunikation Teil 2 — die Mutter-Konsequenz

    „Wenn du nicht in 5 Jahren willst, dass du Mama auf die Toilette bringen musst und sie hochheben wieder musst — dann kümmer dich jetzt fucking drum.”

    Christian's harter Realitäts-Anker für seinen Vater

    Bei Christian's Mutter, die das Starten nicht hinkriegt, geht er hart auf den Vater zu. Der Hardline-Spiegel ist nicht Kühle — es ist Verantwortung. Höfliche Andeutungen funktionieren bei Eltern oft nicht. Das Werkzeug ist die wahrscheinliche Zukunft als konkretes Bild — nicht „du solltest mehr machen", sondern „in 5 Jahren wirst du Mama heben müssen". Das ist keine Drohung, sondern Statistik in lesbarer Form.

  5. 29·Eric

    Whoop & Oura für Eltern — Targets ersetzen Motivation

    Eric's pragmatischer Setup: Eltern bekommen Whoop und Oura-Ring — eine Zahl reicht, an der sie sich orientieren können (10.000 Schritte/Tag). Handy lassen sie eh liegen, also tracked das nicht. Die externe Validierung („sehe ich abends meine Zahl?") ersetzt teilweise die fehlende intrinsische Motivation. Gerade in der Generation, die mit Arbeits-Targets sozialisiert wurde, funktionieren Targets wieder. Hard-Wired Reward statt Selbst-Erkenntnis.

  6. 30·Eric & Christian

    Long-Gevity ≠ Brian Johnson — das Spektrum dazwischen ist riesig

    Eric's Antwort auf die Lanz-Brecht-Kritik („Long-Gevity macht asozial"): Falsches Schwarz-Weiß. Zwischen Brian-Johnson-Asketismus und reinem Junkfood liegt ein riesiges Spektrum — wer abends Eis mag, kann das mit anderen Hebeln kompensieren. Christian: „Selbst wer jeden Abend trinken möchte, ist auf jeden Fall besser dran, wenn er dreimal die Woche Krafttraining macht." Long-Gevity ist nicht „alles oder nichts" — es ist ein Schieberegler.

  7. 31·Andre

    Das Dreieck der Gesundheit — mindestens 2 von 3 stark

    Andre's pragmatisches Modell: Bewegung — Ernährung — Stressmanagement & Schlaf. Mindestens zwei dieser drei Säulen sollten stark sein, die dritte sollte nicht stark vernachlässigt werden. Christian's eigene Realität ist Beweis: Schlaf mit 5 Stunden grenzwertig, chronischer Stress hoch — kompensiert durch konsequentes Training und Ernährung. Wer in zwei Säulen stark ist, kann eine vorübergehend ruhen lassen. Wer in null bis einer stark ist, baut ab.

  8. 32·Christian & Eric

    Krafttraining hat sein „Vollidioten-Image" verloren

    Christian's Vater-Side-Story: „Voll krass, ich hab durch dich gemerkt, dass Leute die trainieren nicht automatisch Vollidioten sind." Das Image hat sich gedreht — heute trainieren Politiker, Moderatoren, Gründer öffentlich. Das senkt die Eintrittsbarriere für die Generation, die mit „Pumper"-Klischees aufgewachsen ist. Wer in seinem Umfeld Eltern oder Großeltern hat, die noch das alte Bild im Kopf tragen: aktiv das neue Bild liefern, nicht argumentieren.

  9. 33·Andre

    BIA-Analyse als Schock-Tool — Körperfett-Wert bricht Verdrängung

    Andre über Bio-Impedanz-Analysen (BIA) in Unternehmen: Übergewichtige Menschen sehen die Kilogramm-Zahl auf der Waage, aber nicht den Körperfett-Anteil. Wenn der bei 40 % steht, ist der Schock so massiv, dass die Verdrängung bricht — „Boah, häufig besteht zu 40 % aus Fett, jetzt muss ich mal was machen." Herz-Kreislauf-Erkrankungen tun im Vorfeld nicht weh, Arteriosklerose ist still. Diagnostik muss visualisieren, was der Körper nicht warnt. BIA ist günstig und in 5 Minuten gemacht.

  10. 34·Andre & Christian

    Epigenetische Uhren als Marketing-Hebel der Prävention

    Andre's Doktorarbeit-Setup: 3-Monats-Intervention in einem Unternehmen mit Bewegung + Ernährung + Stressmanagement, gemessen mit mehreren epigenetischen Uhren (DNA-Methylierungs-Marker für biologisches Alter — Horvath, Hannum, GrimAge etc.) plus klinischen Parametern. Marketing-Brücke zur konservativen Branche: „Du wirst gesünder" zieht weniger als „deine biologische Uhr läuft 2 Jahre zurück". Long-Gevity-Sprache ist verkaufsstärker als Prävention-Sprache — selbst inhaltlich gleich. Wer in dem Feld kommuniziert: Vokabeln wechseln.

Ballaststoffe — der unsexy Name

  1. 35·Andre & Christian

    Definition: Wir verdauen sie nicht — und profitieren genau deshalb

    Wissenschaftliche Definition: Ballaststoffe können wir selbst nicht verdauen — der menschliche Magen-Darm-Trakt hat keine passenden Enzyme. Aber: Fermentierbare Ballaststoffe haben trotzdem Energiegehalt (~2 kcal/g), weil unsere Darmbakterien sie zerlegen und kurzkettige Fettsäuren produzieren (SCFA: Acetat, Propionat, Butyrat). Die Bakterien essen, wir gewinnen die Stoffwechsel-Produkte. Symbiose pur. Christian's Marketing-Vorschlag: „Stell dir vor, Ballaststoffe würden Bio-Fuel heißen — Fuel für dein Mikrobiom. Das wäre ein viel besseres Brand."

  2. 36·Andre & Christian

    DGE-Empfehlung: mindestens 30 g/Tag

    Die deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt mindestens 30 g Ballaststoffe pro Tag — Mindest-Empfehlung quer durch alle deutschen Leitinstitutionen. Selbst die DGE, die in vielen Themen konservativ ist (Beispiel Protein bei 0,8 g/kg, was nach moderner Forschung deutlich zu niedrig ist), ist beim Thema Ballaststoffe progressiv. Heißt: Wenn sogar das konservativste Gremium 30 g empfiehlt, ist das die untere Bodenschwelle, nicht der Optimalwert.

  3. 37·Andre

    10 % weniger Sterblichkeitsrisiko pro 10 g mehr Ballaststoffe

    Die epidemiologische Studienlage: Pro 10 g zusätzlicher Ballaststoffe pro Tag sinkt das Risiko, an einer beliebigen Ursache vorzeitig zu versterben, um etwa 10 %. Andre betont: Das skaliert nicht linear bis ins Unendliche, der Effekt-Bereich liegt etwa zwischen 30–50 g/Tag in den Studien. Der präventive Hebel zieht über fast alle Volkskrankheiten — Herz-Kreislauf, Krebs, Adipositas, Typ-2-Diabetes. Selbst die DGE, die normalerweise vorsichtig formuliert, nennt explizit ein „geringeres Sterblichkeitsrisiko".

  4. 38·Andre

    Fiber Gap — Männer 19 g, Frauen 18 g pro Tag

    Aktuelle deutsche Realität: Männer essen durchschnittlich 19 g Ballaststoffe pro Tag, Frauen 18 g. Bei 30 g Mindest-Empfehlung ist das eine Lücke von ~10 g. Männer essen relativ zu ihrem Kalorienverbrauch sogar noch schlechter — Frauen führen bei fast allen Gesundheits-Verhaltensmetriken. Diese Lücke ist die Designgrundlage für FIZI: ein Drink, der genau diese 10 g schließt — ohne dass Verhaltens-Switch gefordert wird, nur eine Drink-Substitution.

  5. 39·Andre

    Vier Arten: löslich/unlöslich, fermentierbar/nicht-fermentierbar

    Ballaststoff ≠ Ballaststoff. Vier Achsen: löslich (lösen sich in Wasser) vs. unlöslich; fermentierbar (Bakterien können es zerlegen) vs. nicht-fermentierbar. Die fermentierbaren liefern den SCFA-Effekt, die unlöslichen liefern Stuhlvolumen und Verdauungs-Mechanik. Wer divers konsumiert, deckt mehrere Bakterien-Stämme im Darm — die fressen unterschiedliches Lieblingsessen, „wohnen" in unterschiedlichen Teilen des Dickdarms (vorne vs. hinten).

  6. 40·Andre

    65 % der Bevölkerung haben regelmäßig Verdauungsprobleme

    Verdauung ist tabuisiert, aber die Prävalenz brutal: rund 65 % der deutschen Bevölkerung haben regelmäßig Verdauungsprobleme. Der Reflex ist Magenmittel — der eigentliche Hebel ist Ernährung. Anti-entzündliche Effekte einer ballaststoffreichen Ernährung sind laut Andre „das Mit-Beste, was du machen kannst" — gerade auch in Kontext chronisch-entzündlicher Erkrankungen, Hauterkrankungen, Reizdarm.

Mikrobiom — die 40 Billionen

  1. 41·Andre & Eric

    40 Billionen Bakterien als Symbiont

    „Du hast 40 Billionen kleine Tiere im Bauch — die fütterst du über das, was du selber isst.”

    Andre's Mikrobiom-Erklärung für Laien

    Aktueller wissenschaftlicher Stand: rund 40 Billionen Bakterien im Darm (früher 100 Billionen geschätzt, durch genauere Methoden korrigiert). Andre's Analogie: „Die haben kein Smartphone, können sich keinen Burger bestellen — du fütterst sie über das, was du isst." Lieblingsessen: Ballaststoffe. Wenn die zufrieden sind, produzieren sie SCFA und andere Stoffwechsel-Produkte, die für Darmbarriere, Anti-Entzündung und sogar Hauteffekte essentiell sind. Eric's Bitcoin-Witz dazu: 40 Billionen ist auch der Kontostand, wenn der Bitcoin auf 200.000 steht.

  2. 42·Andre & Christian

    Hadza in Tansania — 150 g Ballaststoffe pro Tag, vollständig adaptiert

    Die Hadza in Tansania, eine der letzten Jäger-Sammler-Gesellschaften, essen saisonal teilweise 150 g Ballaststoffe pro Tag. Keine Verstopfung, weil das Mikrobiom über Jahre adaptiert ist. Wer aber von 10 auf 150 in Wochen springt, wird Blähungen und Durchfall haben — die Steigerung muss langsam erfolgen. Der Korridor zwischen „aktuelle Realität in Deutschland" (18–19 g) und „evolutionär möglich" (150 g) ist riesig — und zeigt, dass selbst ambitionierte Empfehlungen wie 50 g für unseren Verdauungsapparat eigentlich konservativ sind.

  3. 43·Andre & Eric

    Antibiotikum schmeißt eine Bombe ins Mikrobiom

    Antibiotikum zerstört das Mikrobiom temporär massiv — bei den 10–20 % der Bevölkerung, die Reizdarm haben, sind die Folgen gravierender. Empfehlung: nach Antibiotikum so schnell wie möglich ballaststoffreich essen, um die guten Stämme wieder anzufüttern. Vier Quellen Pflanzen-Faser schlagen 1 Kapsel Probiotikum — die meisten Probiotika überleben den Magen sowieso nur fragmentarisch. Der zuverlässigere Weg ist, das vorhandene gesunde Bakterien-Subset präbiotisch zu fördern, statt fremde Stämme einzuschleusen.

  4. 44·Christian & Andre

    Prä- vs. Probiotisch — Nahrung vs. Bakterien

    Begriffsklärung: Präbiotisch = Nahrung für Bakterien (= Ballaststoffe). Probiotisch = lebende Bakterien selbst (in Joghurt, Kefir, Supplementen). Rechtlich darf man in Deutschland Lebensmittel kaum als „präbiotisch" oder „probiotisch" werben — anders als in den USA, wo „präbiotische Limo" auf dem Etikett zugelassen ist. Definitions-Politik bremst Kommunikation auch bei guten Produkten. Wer die Wirkmechanismen versteht, sieht das Marketing-Limit als Sprach-Hürde, nicht als Substanz-Mangel.

  5. 45·Andre & Christian

    Mikrobiom & Übergewicht — Henne-Ei oder beides parallel

    Übergewichtige Menschen haben verändertes Mikrobiom — die Forschung weiß bisher nicht abschließend, was zuerst war. Wahrscheinlich: gemeinsames Co-Auftreten, das sich gegenseitig verstärkt. Christian's Analogie: Depression → Isolation → Jobverlust → vertieft Depression. Genauso bei Übergewicht & Darmbakterien. Mikrobiom-Verbesserung ist also paralleler Hebel zur Gewichts-Veränderung, nicht „erst Gewicht, dann Mikrobiom" — beide gleichzeitig anpacken, sonst arbeiten sie gegeneinander.

Der Gummibärchen-Skandal

  1. 46·Andre & Christian

    IMOS — der Fake-Ballaststoff in „zuckerfreien" Gummibärchen

    Isomalto-Oligosaccharide (IMOS) werden vielen zuckerfreien Gummibärchen als Ballaststoff zugesetzt. Das Problem: Sie haben zu 60–80 % eine 1,6-Bindung statt der typischen 1,4-Bindung, die wir nicht spalten können — und genau diese 1,6-Bindung kann der menschliche Verdauungsapparat sehr wohl spalten. Im Klartext: Ein Großteil der „Ballaststoffe" wird zu Zucker. Andre als Typ-1-Diabetiker testete das einmal isoliert: Blutzucker stieg auf 300 mg/dl — das Dreifache des Normalwerts. Für Diabetiker und alle, die auf Glykämie achten: konkrete Gefährdung.

  2. 47·Andre

    2014 USA-Sammelklage → FDA dezertifiziert IMOS

    2014 wurde ein US-Riegel-Hersteller, der IMOS als Ballaststoff deklarierte, in einer Sammelklage verklagt — vorgeworfen wurde 50–1000 % zu hoch deklarierter Ballaststoff-Gehalt. Außergerichtliche Einigung; der Hersteller änderte „aus Qualitätsgründen" die Rezeptur. Später hat die FDA die Eigenschaften regulatorisch geprüft und IMOS aus der Ballaststoff-Definition gestrichen. In den USA seit dem kein Ballaststoff mehr — in der EU rechtlich noch akzeptiert, anderer Ballaststoff-Begriff. Wer ein US-Launch plant, muss umformulieren — oder die Rezeptur ändern.

  3. 48·Christian

    Maltit-Variante — Flitzekacke ab 30–40 g

    Die andere typische Variante in zuckerfreien Süßigkeiten: Maltit. Funktioniert in Proteinriegeln, weil man dort selten 4 isst. Bei Gummibärchen ist das anders — wer 100 g Gummibärchen isst, kommt schnell auf 30–40 g Maltit, das im Darm Wasser zieht und prompt für „Flitzekacke" sorgt. Beide gängigen Ansätze für „zuckerfreie Gummibärchen" sind problematisch — entweder Verdauungsproblem (Maltit) oder Zucker im Darm (IMOS). Mhre macht aus genau diesem Grund keine zuckerfreien Gummibärchen.

  4. 49·Christian & Andre

    „Zuckerfreie" Gummibärchen sind oft Geld-Verbrennen — und für Diabetiker gefährlich

    „Das ist halt nicht nur schlechtes Marketing, sondern auch gefährlich.”

    Christian über die Diabetiker-Konsequenz

    Wer für teure „zuckerfreie" Gummibärchen einen Aufpreis zahlt, in deren Inhaltsstoffen aber im Darm wieder Zucker wird (IMOS-Variante), zahlt für Marketing — das Endprodukt ist sensorisch und glykämisch nicht weit entfernt von einer normalen Tüte zu einem Zehntel des Preises. Christian: für Normalgewichtige nur ökonomische Verarsche. Für Diabetiker und alle, die auf Glykämie achten: gesundheitliche Gefährdung. Hersteller, die das wissentlich weiterführen, kommen in eine moralische Frage — wenn die Information jetzt in der Bubble ist, sollte sie binnen Monaten breit ankommen.

So entstand FIZI

  1. 50·Christian

    Olipop-/Poppy-Hype als US-Auslöser des Ballaststoff-Soda-Markts

    2–3 Jahre vor dieser Folge starteten Olipop und Poppy in den USA den Ballaststoff-Soda-Hype — beide mit eher simplen Ansätzen (Inulin als alleinige Ballaststoff-Quelle, gesüßt mit reduziertem Zucker). Erste große Exits machten den Markt für Investoren attraktiv. Der erste deutsche Copycat folgte schnell, blieb aber inhaltlich nahe am US-Vorbild (gleicher Name in deutscher Schreibweise, gleiches Profil). Christian's Lesart: kein gestaltender Player, sondern Replikat — Marktöffnung ohne neue Substanz.

  2. 51·Andre

    Andre's Bundesliga-Halbzeit-Mixturen — Origin und Spitzname „Miraculix"

    „Du hast natürlich gefurzt vor dem Fußballspiel — und in der Halbzeit kannst du nicht sagen: ey, futter hier 10 Bananen.”

    Andre über den Konstruktionszwang von Halbzeit-Drinks

    Andre's Origin liegt im Spitzensport: Als Ernährungsberater bei Werder Bremen und Osnabrück mixte er halbzeitspezifische Getränke — Spieler hatten vor dem Spiel gegessen, in der Halbzeit blieben 15 Minuten. Aus diesen Mixturen entstand der Vereins-Spitzname „Miraculix" — und die Erkenntnis, dass Getränke der höchste Hebel sind, weil sie alle Routinen bereits ersetzen können. Im Hintergrund hielt Andre parallel hunderte Vorträge bei Krankenkassen — die immer wiederkehrende Hörer-Frage „Was soll ich trinken?" wurde zur Produkt-Hypothese.

  3. 52·Andre

    Better-G-Pivot — von Energy zu Ballaststoff

    2021 gründete Andre Better-G (Better Energy) — Energy-Drink aus der Bundesliga-Rezeptur, sehr sport-affin. Schon damals war das eigentliche Ziel ein anderer Effekt: ein Getränk mit „Impact auf deine Gesundheit", das sich in Bestandsroutinen einfügt (du tauschst nichts Neues, du tauschst aus). Die Ballaststoff-Variante entwickelte er parallel ab 2021. Ende 2024, als der US-Hype kam, pivotierte er konsequent — und nahm die Better-G-Marke nicht mit, weil die Marken-Story neu sein musste.

  4. 53·Andre & Christian

    Übernahme durch The Quality Group — die Gespräche überspringen die Aufklärungs-Phase

    Ende 2024 schrieb Andre Christian an. Eine alte Beef-Geschichte hatte der Annäherung im Weg gelegen — Christian's typisches „Beef → Freundschaft"-Pattern. Im ersten Gespräch mit Christian und den Folgegesprächen mit Nicolas Lothar (Produktentwicklungs-Chef ESN/More) brauchte Andre die Vision nicht zu erklären. „Das Thema finden wir super geil, lass uns das zusammen groß machen." Wenige Wochen später Exit-Signing. Die FIZI-These im Kern: Die Fitnessbranche kennt Ballaststoffe schon — Mainstream nicht. Diese Asymmetrie ist die Marktchance.

  5. 54·Andre

    Mongfood/Mönchsfrucht — neu in der EU 2024 zugelassen

    FIZI nutzt als Hauptsüßungsquelle Mogroside aus der Mönchsfrucht (Siraitia grosvenorii) — eine Frucht, die im 12./13. Jahrhundert von chinesischen Mönchen als Medizin gegen Erkältung und Husten kultiviert wurde. In der EU ist sie seit 2024 als Süßungsmittel zugelassen, FIZI ist einer der ersten europäischen Anwender. Stevia ergänzt sekundär. Begründung: Wer synthetische Süßstoffe ablehnt (oft die kaufkräftigste Premium-Zielgruppe), bekommt eine pflanzliche, kalorienfreie Alternative — ohne sensorische Kompromisse.

  6. 55·Andre

    10 g Ballaststoffe aus 4 Quellen, Low-FODMAP, Reizdarm-tauglich

    FIZI liefert 10 g Ballaststoffe pro Dose aus 4 verschiedenen Quellen — bewusst diversifiziert, weil unterschiedliche Bakterien-Stämme im Darm unterschiedliches Lieblingsessen haben (vorne vs. hinten im Dickdarm). Low-FODMAP-Profil bedeutet: auch Reizdarm-Patienten (10–20 % der Bevölkerung) vertragen das Getränk, anders als reines Inulin in den meisten US-Produkten, das bei dieser Gruppe Blähungen und Durchfall auslöst.

  7. 56·Andre & Christian

    70 % Frauen-Anteil bei FIZI — Frauen führen bei Gesundheits-Verhalten

    Aktuelle Kunden-Demografie bei FIZI: rund 70 % Frauen. Erklärung: Frauen führen historisch bei fast allen Gesundheits-Verhaltensmetriken — Andre: „Wir Männer führen einmal in einem Thema, weil wir mehr essen und damit eine größere Fiber Gap haben." Männer holen aktuell auf, sind aber noch klar in der Minderheit. Wer ein Health-Konsumprodukt baut: Default-Annahme, dass Frauen die Erstkäuferinnen sind, ist statistisch belastbar.

Long-Gevity-Stack

  1. 57·Andre

    Mehrwerte der Ballaststoffe — Calcium, Blutzucker, Stuhl, SCFA

    Übergeordnete Mehrwerte einer ballaststoffreichen Routine: bessere Mineralstoff-Aufnahme (insbesondere Calcium), stabilere Blutzuckerwerte (geringere Schwankungen), erhöhtes Stuhlvolumen (eine spezifische der vier Ballaststoff-Quellen), und vor allem die Fermentations-Wirkung — kurzkettige Fettsäuren erhöhen, Darmbarriere stärken, anti-entzündliche Prozesse, in manchen Studien sogar Hauteffekte. Andre: „Da fängt die Magie eigentlich an." Es ist nicht ein Effekt, sondern eine Kaskade.

  2. 58·Andre

    Blutzucker-Stabilisierung drückt Hunger — neue 2026-Studie

    Eine sehr gute neue Studie (2026) zeigt: Stabile Blutzuckerwerte → geringerer Hunger. Mechanismus über mehrere Sättigungs-Hormone (u.a. PYY und endogen ausgelöstes GLP-1). Wer auf der Spritze ist und zusätzlich Ballaststoffe isst, drückt den Hunger doppelt — einmal pharmakologisch, einmal über das Mikrobiom-System. Auch ohne Spritze: Wer Blutzuckerschwankungen reduziert, isst messbar weniger.

  3. 59·Andre

    Long-Gevity-Optimum — Protein + Ballaststoff als Doppelhebel

    Andre's Take auf das Long-Gevity-Stacking: High Protein (für Muskel-Erhalt, thermischen Effekt, Sättigung) + High Ballaststoff (für Mikrobiom, präventiven Effekt auf Volkserkrankungen, Sättigung über andere Mechanismen) ist die natürlichste Kombination. Hohe Protein-Mengen verschieben das Mikrobiom in Richtung weniger Diversität — Ballaststoffe gleichen das aus. Der Stoffwechsel-Stack, der dem Long-Gevity-Ideal am nächsten kommt.

  4. 60·Andre

    Sättigung über zwei verschiedene Mechanismen

    Protein sättigt über thermischen Effekt (Verdauung kostet selbst Energie) und Aminosäuren-Sensorik im Hypothalamus. Ballaststoffe sättigen über verzögerte Magenentleerung, Volumeneffekt und SCFA-induzierte Hormone (PYY, GLP-1 endogen). Beide Mechanismen unabhängig — wer beide stackt, hat den größten Sättigungs-Hebel ohne Kalorien-Kompensation an anderer Stelle. Genau die Architektur, die FIZI versucht in den Mainstream-Drink zu bringen.

Pragmatische Staples

  1. 61·Christian

    Christian's Daily-Stack — Beeren, Hülsenfrüchte, 4–5 TL Flohsamenschalen

    Christian's konkreter täglicher Ballaststoff-Stack: Himbeeren + Blaubeeren (Anthocyane in Blaubeeren als zusätzlicher Mehrwert), eine Hülsenfrucht (Erbsen oder ähnlich), 4–5 Teelöffel Flohsamenschalen. Brombeeren wären äquivalent zu Himbeeren, mag er aber nicht. Mit dieser Kombination kommt er „mit hohem wahrgenommenem Impact" durch den Tag — ohne dass es kalorisch oder zeitlich aufwendig ist. Plus FIZI.

  2. 62·Christian & Andre

    Flohsamenschalen — überall einsetzbar, höchster wahrgenommener Output

    Flohsamenschalen sind für Christian der Ballaststoff-King: Pizzasoße zu flüssig → 2 TL Flohsamenschalen rein → kein Soßenbinder mehr nötig. Ins Joghurt/Quark, in Porridge, in Smoothies — überall einsetzbar, ohne Geschmacks-Kompromiss. Hohes Stuhlvolumen → spürbarer Effekt am nächsten Morgen. Andre witzig: „Konzentriert euch bei der nächsten Corona-Welle auf Flohsamenschalen, nicht auf Toilettenpapier — Toilettenpapier-Verbrauch geht nach oben weg, weil Verdauung sauberer wird."

  3. 63·Andre

    Vollkorn — gut, aber Kaloriendichte beachten

    Vollkornprodukte sind eine starke Ballaststoff-Quelle, vor allem Körnerbrot. Aber: hohe Kaloriendichte schreckt viele ab. Wer in Kaloriendefizit ist (Abnehmphase), priorisiert eher Beeren, Gemüse, Hülsenfrüchte und Samen. Wer nicht in Defizit ist, kann Vollkorn voll nutzen — das Mikrobiom liebt es. Nach längerem Aussetzen: schrittweise wieder einführen, sonst Blähungen.

  4. 64·Andre & Christian

    Samen-Booster — Lein, Chia, Flohsamen als unkomplizierter Hebel

    Lein-, Chia- und Flohsamenschalen sind die einfachsten Ballaststoff-Booster. Ein Esslöffel auf den Salat, ein Esslöffel ins Sojoghurt, ein Esslöffel in den Eiweißshake — du holst dir 5–10 g pro Mahlzeit ohne Geschmacks-Veränderung. Andre's Pointe: Diversität ist wichtiger als Menge — verschiedene Quellen füttern verschiedene Bakterien. Wer immer nur Inulin nimmt, fördert nur eine Untergruppe.

  5. 65·Christian & Andre

    50 g vs. 10 g Tag — der Unterschied liegt in 4 kleinen Switches

    Christian's Pragmatismus-Pointe: Es ist absurd, wie einfach es ist, einen Tag mit 50 g Ballaststoffen vs. einen mit 10 g zu konstruieren. Der Unterschied liegt fast komplett in 4–5 kleinen Bewusstseins-Switches: 1 Beeren-Portion, 1 Hülsenfrucht-Portion, 1 Esslöffel Samen, 1 FIZI, 1 Stück Vollkornbrot. Ballaststoffe-Erhöhen heißt nicht Kalorien sparen — es heißt, an 4 Stellen aktiver auszuwählen.

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