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071·26. April 2026·1 Std 3 Min·mit Laura Koch

Über 1 Milliarde Umsatz mit Creatorn: Laura von MORE & ESN gibt Insights

Christians langjährige rechte Hand über Recruiting ohne Lebenslauf, Skalierung durch Chaos und den Founder-Mode-Kampf gegen Konzern-Reflexe.

Lesen

Worum es geht

Laura Koch, VP Influencer Marketing bei The Quality Group (MORE / ESN), war seit den Vier-Personen-Tagen Christians rechte Hand. In dieser Folge erzählt sie aus erster Hand, wie sie ohne Vorstellungsgespräch und wochenlang ohne Arbeitsvertrag eingestiegen ist, wie aus 1:1-WhatsApp-Chats mit hunderten Influencern professionelle Systeme wurden, warum intrinsische Motivation jeden Master schlägt — und warum man manchmal auf die CI scheißen muss, um die Brand zu schützen. Plus: Founder Mode gegen Konzern-Reflexe, Gehalt nach Leistung gegen Tarif-Sozialismus und der konkrete Spielplan für Mitarbeiter, die sich selbst sichtbar machen wollen.

Was dich erwartet

  1. 01Wie Laura ohne Vorstellungsgespräch eingestellt wurde
  2. 02Vom 1:1-WhatsApp-Chat zum Membershop für Influencer
  3. 03Warum intrinsische Motivation jeden Master-Abschluss schlägt
  4. 04Wann man auf die CI scheißen sollte, um die Brand zu schützen
Learnings

Was du mitnehmen kannst.

45 Gedanken · 12 Kapitel

Recruiting ohne Lebenslauf — die Laura-Story

  1. 01·Christian

    Top-Hiring kommt über Reference, nicht über Bewerbungsportal

    Christian fragte einen Freund nach „jemandem, der mit Team und Marketing unterstützen kann". Dessen Antwort: „Boah, die Schwester von einem guten Kumpel von mir macht irgendwas mit Marketing." So fand er Laura. Kein Lebenslauf, kein Portal, kein Recruiting-Funnel — eine warme Reference durch zwei Hops. Die wertvollsten Hires kommen fast nie über klassische Kanäle, sondern über Vertrauensketten, die sich nicht skalieren lassen — aber bei jedem Hire fragen lassen sich.

  2. 02·Christian & Laura

    Der Samstagnachmittags-WhatsApp-Call durch den Englischen Garten

    Lauras erstes Gespräch mit Christian war ein WhatsApp-Anruf an einem Samstag — er ging durch den Englischen Garten in München, der Empfang ständig weg. Christian hatte damals nur Aldi Talk mit E-Sim und nutzte WhatsApp, um keine Telefongebühren zu zahlen. Laura war aus dem Hosenanzug-Konzern, in dem sie morgens stempeln musste — die Asymmetrie hätte abschreckender nicht sein können. Genau diese Asymmetrie war der eigentliche Pitch.

  3. 03·Christian

    Niedrige Erwartungshaltungen produzieren die besten Hires

    „Die besten Situationen sind beide — weil die Erwartungshaltungen niedrig sind.”

    Christian Wolf

    Christians eigene Beobachtung: er konnte Laura im Gespräch nicht mal sagen, was sie eigentlich machen sollte — nur „ob sie Lust hätte, bei der Firma zu arbeiten". Erics Kommentar: „Entweder bist du der charmanteste Interviewer aller Zeiten oder Laura war sehr verzweifelt vor ihrem vorherigen Job." Christians Antwort: „Beides — die besten Situationen, weil die Erwartungshaltungen niedrig sind." Wer mit Vorab-Erwartungen reingeht, blendet alles aus, was nicht ins Schema passt. Wer offen reingeht, sieht den Menschen.

  4. 04·Laura

    Warum Laura zusagte: Kreativität, die im Konzern unmöglich war

    Im vorherigen Konzern war Laura frustriert: zu viele Ebenen, keine Entscheidungsfreiheit, offensichtliche Probleme blieben ungelöst, weil zehn Hierarchie-Stufen darüber lagen. Bei MORE: Remote-Arbeit, flexible Zeiten, morgens mit dem Hund, dann Call von unterwegs. Plus: kreative Arbeit — jedes Social-Video selbst geschrieben. Wer Konzern-Müdigkeit hat, braucht keine Gehaltserhöhung — er braucht Wirksamkeit. Das ist der vorhersehbare Pull-Faktor für High-Performer aus großen Häusern.

Trial by Chaos — die ersten Wochen ohne Vertrag

  1. 05·Laura

    Erste E-Mail an den Mitgründer: „Sehr geehrter Herr Weigel..."

    Laura kündigte ihren Konzern-Job nach der zweiwöchigen Probe — und Christian war kurz darauf nicht erreichbar (eine toxische Beziehungsphase, „vom Erdboden verschwunden für Tage"). Sie hatte keinen Arbeitsvertrag und kannte sonst niemanden in der Firma. Also schrieb sie an Mitgründer Mick Weigel, dessen Adresse sie hatte: „Sehr geehrter Herr Weigel, der Herr Wolf hat mich eingestellt." Mick: „Typisch Christian, regeln wir." Lehre: ein Co-Founder-Team mit komplementären Verlässlichkeiten ist eine Versicherung — wenn einer ausfällt, fängt der andere die Strukturen auf.

  2. 06·Laura

    Verantwortung, ohne dass man weiß, wofür man verantwortlich ist

    Laura kannte zu der Zeit keinen einzigen Influencer, hatte keinen Vertrag, hatte ihren Vorgesetzten seit Tagen nicht erreicht — und hielt trotzdem die wöchentlichen Sonntags-Aktionen am Laufen. Aus reiner Pflichtverbundenheit gegenüber einem Chef, dem sie zutraute, dass es ihm gerade wirklich schlecht ging. Diese Mentalität — Verantwortung übernehmen ohne formale Legitimation — ist genau das Hire-Signal, das man im Lebenslauf nie sieht. Es zeigt sich erst im Chaos.

  3. 07·Christian & Laura

    Warum die Influencer von damals geblieben sind

    In der frühen MORE-Phase wollten nur Influencer mit echtem Brand-Glauben mitmachen — die Brand war noch Nische, keine offene Türe. Konsequenz: Versandzeiten von 7–8 Wochen, Shop-Offline-Phasen nach der ersten Black Week (2022), wochenlange Lieferverzögerungen — und sie blieben trotzdem. Wer eine Community in der Frühphase aufbaut, bekommt Loyalität, die später kein Marketing-Budget mehr kaufen kann. Genau diese Loyalitäts-Reserve trägt durch jede Wachstumsphase.

Vom Persönlich-WhatsApp zum skalierbaren System

  1. 08·Laura

    Mandy's Kündigungs-Drohung war der Hebel für den Membershop

    Bis zu einem bestimmten Punkt schickten Laura und ihr Team Aktion-Infos einzeln per WhatsApp an 300–400 Influencer, beantworteten Produktfragen 24/7 manuell, legten Pakete händisch im System an. Erst als Mandy (langjährige Mitarbeiterin) sagte „ich kann nicht mehr", baute man den Membershop nur für Influencer. Lehre: gute Mitarbeiter, die ankündigen aufzugeben, sind oft das schärfste Strukturierungs-Signal — schärfer als jeder OKR-Review. Wenn du wartest, bis sie wirklich gehen, ist es zu spät.

  2. 09·Laura

    Aktion-Gruppen, FAQ-Gruppen, Mail-Adressen — One-to-Many statt 1:1

    Statt jeden Influencer einzeln zu pingen: dedizierte Gruppen, in denen nur das Team postet (keine Spam-Antworten möglich). FAQ-Gruppen, in denen sich Influencer gegenseitig helfen — das schafft Teamgefühl. Mail-Adressen für persönliche Fragen. „So sehr Christian WhatsApp liebt — ab einer gewissen Größe ist es nicht mehr handlebar." Die Übergangsphase von „persönlich" zu „strukturiert" ist die schwierigste in jeder Operations-Skalierung.

  3. 10·Christian & Laura

    Black Week 2022 — wenn Skalierung schmerzhaft sichtbar wird

    Nach der ersten Black Week brach das Versand-System: 7–8 Wochen Lieferzeit, Shop musste komplett offline genommen werden („wir sind nicht in der Lage zu versenden"). Mitarbeiter aus Bennis Smart Jims wurden nach Regensburg gekarrt, um beim Versand zu helfen. Wer heute 1 Woche auf ein Paket wartet, ist enttäuscht — damals war 2 Wochen Luxus. Wachstum offenbart Bottlenecks, die im Steady-State nie aufgefallen wären — und der Versand ist immer der erste, der bricht.

Was Top-Influencer wirklich ausmacht

  1. 11·Laura

    Arbeitsmoral schlägt Reichweite — über Jahre

    Lauras Diagnose der Top 5: alle haben eine Arbeitsmoral, die sich sehen lassen kann. Wer das nicht über Jahre durchhalten kann, fällt raus. Reichweite ist ein Lag-Indicator von Arbeitsmoral plus Konsistenz, nicht ihre Ursache. Wer nur „den Dreh raushat" und nicht die Disziplin, verschwindet beim ersten Plattform-Wechsel.

  2. 12·Laura

    Sensibilität ist Skill, nicht Schwäche

    Top-Influencer sind alle sehr sensibel — im positiven Sinne: sie nehmen Follower-Meinungen ernst und können dadurch besser auf jeden einzelnen eingehen. Genau diese Empathie ist der Treiber für hohe Engagement-Rates. Wer abgehärtet wird, verliert die Antenne — und die Community merkt das schneller als jede Analytics-Plattform.

  3. 13·Laura & Eric

    Wandelbarkeit — Plattformen kommen, Features ändern sich, du auch

    Instagram-Reels, TikTok-Trends, neue Features alle drei Wochen — wer nicht das Neue wagt, ist schnell weg. Lauras Beispiel Johannes Lukas: einer der ältesten aktiven Influencer, immer noch Hyped wenn etwas Neues kommt. Diese „let me try this"-Mentalität ist die mentale Voraussetzung dafür, in einer sich monatlich verändernden Branche relevant zu bleiben. Übertragbar auf jede AI-betroffene Branche.

  4. 14·Laura

    FOMO als produktiver Antrieb

    Lauras Team-Mantra: „Die nächste Aktion wird nicht gut genug, wir müssen mehr machen." Beispiel ESN Golden Scoop: goldene Mess-Löffel im Proteinpulver-Versand, Finder gewinnt Jahresvorrat. Vier Monate später machte Veltins die goldenen Kronkorken — die guten Mechaniken werden kopiert. Wer first-mover ist, baut die Brand-Assoziation auf. FOMO ohne Fokus brennt aus, FOMO mit Mechanik-Hebel skaliert.

Influencer als integriertes Feedback-System

  1. 15·Christian

    Kommunizierte Produkte MÜSSEN kommen — sonst bricht Trust auf zwei Ebenen

    Wenn Christian ein Produkt-Comeback ankündigt (z.B. Caramel Brownie Marshmallow Whey, Mickey Chino) und das Produktionsteam später sagt „schaffen wir nicht": dann haben Influencer das längst kommuniziert und kriegen die Community-Wut direkt ab. Dieser Druck wird nach innen weitergegeben — Laura, dann Christian, dann Produktion. Die Feedback-Schleife ist unangenehm, aber heilsam: in Konzern-Strukturen schwimmt diese Wut weg, hier landet sie auf der Person, die die Entscheidung getroffen hat.

  2. 16·Christian

    Preisanpassungen brauchen Vorlauf, nicht Mail

    Bei normalen Firmen erhöht das Marketing-Team Preise per Mail — fertig. Bei MORE: Diskussion mit Procurement, 6 Wochen rausschieben, vorproduzieren, Community vorwarnen, alten Preis noch ermöglichen. Weil sonst Influencer auf die Fresse kriegen — und das wird intern unangenehm. Dieser Schmerz erzwingt bessere Entscheidungen. Direkte Eigner-Verantwortung schlägt jeden Compliance-Prozess.

  3. 17·Laura

    D2C-First — auch wenn B2B wächst

    Lauras Maxime, die TQG intern gegen alle Skalierungs-Reflexe verteidigt: „Wir sind ein D2C-First-Modell, und so leben wir auch." B2B wächst, aber das ist nicht die Brand-DNA. Mitarbeiter, die aus klassischen B2B-Strukturen kommen, müssen das Verständnis erst entwickeln — wer diese Übersetzung nicht aktiv leistet, verliert die Brand-Spitze in der Mitte der Skalierungs-Phase.

Intrinsische Motivation schlägt jeden Lebenslauf

  1. 18·Eric

    Eric & Lukas: „Auf gar keinen Fall gibst du das HR"

    Bei Bitpanda kam mehrfach die Situation, dass für eine neue Rolle gesucht wurde. Lukas wollte HR einbinden — Eric blockte: „HR sucht nach einem Muster, du bekommst auf jeden Fall die falsche Person." LinkedIn-Profile sind oft Personal-Marketing — die größten Schwachmaten verkaufen sich am besten, hands-on bekommen sie nichts geschissen. Hire-Entscheidungen für Schlüsselpositionen darf der Founder nie delegieren — auch wenn das skalierbar wirkt.

  2. 19·Christian

    Brand-Verbundene aus der Community sind das beste Filter-Signal

    Lauras Lieblings-Hire heute: Mitarbeiter, die schon vor der Anstellung MORE-Stories konsumieren, Bienes Rezepte nachkochen, jede Aktion mitverfolgen. Diese Leute brauchen nicht stundenlang interne Kommunikation — sie verstehen alles aus dem Stand. Wer dagegen nur auf Briefings reagiert, kostet Bandbreite, die das Marketing-System nicht skalieren lässt. Brand-Native Hires sind 3x effizienter als Lebenslauf-Hires.

  3. 20·Christian & Laura

    Geschwister, Freunde, Bekannte: das beste Recruiting-Tool

    Christian: „Wenn ich eine Person habe, die schon gut ist, die mir sagt 'ich habe Geschwister' — geil, gib mir den gleichen genetischen Pool." Lauras Bruder kam genau so rein: war freiwillig auf jedem MORE-Event, hat geholfen, hat sich Videografie selbst beigebracht. Heute ist er als Videograf bei TQG. Wer das tabuisiert (Vetternwirtschaft-Stigma), verschenkt einen der zuverlässigsten Hire-Kanäle, die ein Founder-Unternehmen hat.

  4. 21·Laura

    Laura selbst: heute hätte sie ihren eigenen Job nicht bekommen

    Laura: BWL studiert, Master abgebrochen, früh Führungsverantwortung — solider Lebenslauf, aber keiner, der sie an die direkte Berichtslinie zum CEO der TQG gebracht hätte. Sie kam über Reference + Performance. Eine Lehre, die ehrlich macht: viele der besten Karrieren sind das Ergebnis eines Vorstellungsgesprächs, das nie stattgefunden hat. Recruiting-Prozesse, die das verhindern, schaden mehr als sie schützen.

Mitarbeiter, die kämpfen — und Strukturen, die ihnen Raum geben

  1. 22·Christian

    Krasses Verantwortungsbewusstsein erkennt man an Vor-Ort-Phänomenen

    Lauras Markenzeichen bei Events (FIBO, FitMA Days): zwei Stunden vor allen anderen da, sieht zehn Sachen, die anderen entgehen. Wenn 300 Pakete händisch angelegt werden müssen, jammert sie nicht — sie macht. Diese Eigenschaft sieht man im Lebenslauf nie, aber sofort vor Ort. Lehre: jedes Hiring-Verfahren sollte ein Vor-Ort-Element enthalten (Probetag, Event-Hilfe, Trial-Sprint), bevor ein Vertrag unterschrieben wird.

  2. 23·Laura

    „Ich mach es einfach nicht" — wenn nicht-Tun produktiver ist

    Laura: bei sinnlosen Reportings sagt sie offen „ich mach das nicht" — auch wenn das nicht jeder gut findet. Ihre Begründung: ihre Zeit ist gewinnbringender mit Influencer-Telefonat oder Aktionsplanung verbracht als mit einer Präsentation. Wer das im Konzern macht, fliegt; wer das im Founder-geführten Unternehmen macht, schützt das Unternehmen. Bedeutet: Strukturen müssen es ihren besten Mitarbeitern erlauben, nein zu sagen — sonst optimieren sie auf Compliance, nicht auf Output.

  3. 24·Laura

    Mandy ging und kam zurück — die wichtigsten Verluste sind temporär

    Mandy hatte gekündigt, weil die Strukturen nicht mehr passten. Laura räumte ein halbes Jahr lang die Prozesse auf. Mandy hörte davon, kam zurück. Lauras Fazit: ihre Kündigung war für die Firma am Ende gut, weil sie der Anreiz war, alles zu ändern. Wer einen guten Mitarbeiter verliert, kann den oft zurückgewinnen — wenn man zwischen Abgang und Rückkehr das eigentliche Problem löst, nicht nur den Frust besänftigt.

Founder Mode vs. Manager Mode

  1. 25·Eric

    Manager kalibriert auf 20% — Founder zielt auf 5x

    „Was vermittelst du denn den Leuten, die das ausüben, wenn du sagst „20% besser"?”

    Eric Demuth

    Erics Beobachtung: wenn ein erfahrener Manager kommt, ist die typische Ansage „ja, das können wir 20% steigern". Founder-Mentalität: „Was für 20%? Schau, dass das Ding 5x wächst — oder bauen wir was ganz Neues, das das alte überholt." Was du den Mitarbeitern als Anspruch kommunizierst, prägt deren Forecasts und Risiko-Verhalten. Wer 20% verlangt, bekommt vorsichtige Pläne; wer 5x verlangt, bekommt Mut zu Wetten.

  2. 26·Laura

    „Hauptsache wir erreichen das Ziel" ist die größte Performance-Falle

    Vorsichtige Forecasts entstehen aus Angst, das Ziel zu verfehlen — und keine Fehler machen zu wollen. Konsequenz: das Unternehmen verliert die ehrliche Selbsteinschätzung. Bei TQG sieht Laura das genauso: der Forecast wird konservativ, weil der Karriere-Anreiz „nicht negativ auffallen" lautet. Wer Founder Mode lebt, muss das aktiv brechen — durch Targets, die unbequem sind, und durch ein Klima, das Fehler als Lernen rahmt.

  3. 27·Eric

    Eric: „Seit wann bauen die Juristen unsere Produkte?"

    Erics aktuelle Re-Architektur-Phase bei Bitpanda: zu lange wurde in eine Compliance-getriebene Richtung optimiert (hochreguliertes Finanz-Unternehmen). Jedes Mal, wenn Juristen rein-redeten, wurde das Produkt schlechter — manchmal kam es gar nicht raus. Heute zieht Eric die Organisation wieder zurück in den Builder-Mode. Lehre: Founder-Aufgabe ist es, das Pendel zurückzuziehen, bevor das Unternehmen „im Nebel untergeht".

  4. 28·Laura

    Du bist forever das Gesicht — und das gibt dir Macht

    Lauras Beobachtung: Founder, die selbst im Unternehmen bleiben und mit ihrem Gesicht für die Brand stehen, können sich nie ganz rausziehen — egal welcher CEO drinsitzt. Christian würde selbst dann für jede Preisanpassung Hate bekommen, wenn er nichts dazu sagt. Genau diese Unentkommlichkeit gibt Founder-CEOs den moralischen Hebel, „auf die CI scheißen" zu können. Anders kann ein angeheuerter CEO das nicht.

Tonalität, Konflikt und das Geschwister-Prinzip

  1. 29·Christian & Laura

    „Wir können richtig zanken, weil wir wie Geschwister sind"

    Laura kann Christian Feedback geben — eine seltene Fähigkeit in seinem Umfeld. Sie diskutieren viel, manchmal hart, dabei entstehen die besten Ideen. Das funktioniert, weil die Beziehung als Geschwister-Verhältnis (mit gegenseitigem Respekt + Tanken) gerahmt wird, nicht als Hierarchie. Hierarchie verbietet Feedback nach oben; Geschwister-Beziehungen erzwingen es.

  2. 30·Eric

    Erics Schiffs-Schule: rough Ton, dann Bier trinken

    Eric lernte Kommunikation als Schiffsmechaniker — auf engem Raum 2,5 Jahre. „Da macht dich der Chief komplett runter wie den größten Vollidioten — fünf Minuten später kommt er und sagt 'hier, lass das fertig machen, dann gehen wir Bier trinken'." Diese vollständige Trennung von Sache und Person ist die härteste Kommunikations-Schule der Welt — und macht Eric heute manchmal direkter, als Mitarbeiter es gewohnt sind. Notiz an Self-Made-Manager: das ist eine Kompetenz, keine Charakter-Schwäche.

  3. 31·Laura

    Mit 1000 Mitarbeitern wird ungefilterter Ton zur Brand-Frage

    Lauras kritische Anmerkung: was zwischen ihr und Christian funktioniert (rough Feedback, später wieder gut), funktioniert bei 1000 Mitarbeitern nicht — sie sehen Christian nur über Social Media und ohne den Wieder-Gut-Mach-Moment. Das Fingerspitzengefühl fehlt. Founder müssen lernen: ab einer bestimmten Größe muss der eigene Stil ans Medium angepasst werden, oder die Brand wird beschädigt — auch wenn das anstrengend ist.

  4. 32·Christian

    Manche Eskalationen sind absichtlich — die rote-Linie-Funktion

    Christian: in bestimmten Fällen würde er die harte Kommunikation jedes Mal wieder so führen — weil er ein Beispiel statuieren will. Wenn vorher klar gesagt wurde „diese Linie wird nicht übergangen" und jemand übergeht sie trotzdem, muss die Reaktion so deutlich sein, dass „du nachts aufwachst und dran denkst". Founder können nicht überall sein, also brauchen sie diese seltenen, dafür unmissverständlichen Markierungen, die das System für sie pflegen.

Gehalt nach Leistung — gegen die Angleichung

  1. 33·Eric

    Gehaltsbänder sind das dümmste Prinzip im Skill-getriebenen Unternehmen

    Eric explizit: „Wenn ich noch mal von Gehaltsbändern höre — was ist das für ein dummes Prinzip?" Investmentbanker verdienen oft mehr als der Vorstand, weil sie an Deal-Closes incentiviert sind — und das ist richtig so. Wer Performance will, muss überproportional vergüten, wenn überproportionale Performance kommt. Bänder optimieren auf Vergleichbarkeit (HR-Komfort), nicht auf Output.

  2. 34·Christian

    Die Nico-Story — gegen alle internen Empfehlungen einstellen

    Nico kam aus dem Polizeipräsidium mit guter Pension — TQG hätte „ein Produktentwickler verdient eigentlich 30% von dem was du meinst" als Standard. Christian setzte sich durch, alle hielten ihn für bescheuert. Heute leitet Nico den gesamten Produktbereich. Lehre: Skill-Leute aus sicheren Strukturen bewegen sich nur, wenn die Vergütung das Risiko einpreist — und genau diese Hires sind die wertvollsten, weil sie nicht aus Karrieredruck wechseln.

  3. 35·Eric & Laura

    Tarif-Sozialismus treibt die Leistungsträger weg

    Erics Politik-Kritik: zunehmende Tarif-Angleichung zerstört Anreiz-Strukturen. Bei VW kann ein junger, motivierter Mitarbeiter, der das System verbessern will, nicht aufsteigen — er wird über Betriebszugehörigkeit befördert, nicht über Performance. Lauras Bestätigung: gleiches Muster im öffentlichen Dienst. Wer mit 25 alles geben will, hat keine Chance — er geht zu Unternehmen, die ihn ernst nehmen.

  4. 36·Eric

    Selbstwahrnehmung vs. Außenwahrnehmung — die tickende Bombe in jeder Org

    Erics zweite Beobachtung: das größte Problem in jeder Organisation ist die Lücke zwischen wie sich jemand selbst sieht und wie das Umfeld ihn sieht. Wenn die Lücke zu groß wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es eskaliert. Wer in einer Leistungskultur auffällt, wird gesehen — wer in VW-Strukturen auffällt, wird oft trotzdem nicht befördert. Beides erzeugt Frust, aber unterschiedlicher Art.

  5. 37·Laura

    Aber: Gegenleistung ist mehr als Anrufbarkeit beim Founder

    Lauras Korrektiv an Christian: nicht jeder Mitarbeiter hat ein persönliches Problem, das du nachts lösen kannst (siehe Jaschas Sohn-OP-Story). Du musst auch finanzielle und Karriere-Anreize schaffen, damit die System-Loyalität nicht auf Founder-Dependency reduziert wird. Der „ich kann den Gründer anrufen"-Vorteil reicht nicht — er ist nur eine zusätzliche Schicht über vernünftiger Comp + Career Path.

Mitarbeiter auf TikTok — die gläserne Brand

  1. 38·Laura

    Janneer's „gläserne Brand"-Konzept als Trigger

    Inspiriert von einer OACE-Story (Janneer Maelis als Gründer) entschied Laura, selbst zu posten — Idee: jeder Kunde soll wissen, wer für was verantwortlich ist, dann entwickelt er Empathie für die Personen hinter Entscheidungen. Statt „die Marke hat das gemacht" → „Beni hat das gemacht, sie wollte nichts Böses". Ent-Anonymisierung der Brand reduziert Hate, schafft Loyalität — und entlastet den Founder als alleinigen Blitzableiter.

  2. 39·Laura

    Die Hook macht den Account — „Fashion Lifestyle Inspo" ist der Tod

    Lauras Account-Strategie: in die Kamera sprechen (über den Cringe), klar sagen wer du bist, dann konsistent eine Hook bedienen. Bei ihr: „Wie wirst du Creator bei TQG?" Schlechte Beispiele: „Fashion Lifestyle Inspo", „Jim and Food" — austauschbar, kein Egoismus-Hebel für den Zuschauer. Eine Hook ist eine konkrete Frage, die die Zielgruppe selbst hat — kein Adjektiv-Stack über dich.

  3. 40·Christian

    Erstes Video mit Nico hatte sofort 1 Million Klicks

    Christian filmte ein Random-Video mit Nico in Kapstadt — Format: „Wir sagen dem Produktentwickler, welche MORE-Produkte wir kacke finden." Hypothesen-Format funktioniert, weil es Konflikt + Insider-Perspektive + Selbst-Ironie kombiniert. Nico und Letizia werden jetzt selbst Format-Stars. Lehre: das Team-Mitglied mit der konkretesten Spezialfunktion ist oft der bessere Creator als der Founder selbst — weil die Story-Tiefe da ist.

  4. 41·Laura

    Verantwortung übernehmen für sein Team — auch öffentlich

    „Wenn mein Team das gemacht hat, dann halt ich meinen Kopf dafür hin.”

    Laura Koch

    Lauras Maxime, wenn jemand aus ihrem Team eine Entscheidung trifft: „Das ist mein Team, ich habe sie ausgesucht, ich halte den Kopf hin." Sie hat keine Angst, ihren Job zu verlieren — diese Angst-Freiheit ist die Voraussetzung dafür, Verantwortung wirklich zu übernehmen statt zu deflektieren. Wer Angst hat, schiebt jeden Fehler auf den Mitarbeiter — und zerstört damit die psychologische Sicherheit des gesamten Teams.

Design vs. Daten — wann CI-Brüche sich lohnen

  1. 42·Eric

    Bitpanda-Grün war zu „Netto" — ein Premium-Brand-Killer

    Erics jahrelanger Ärger: das Bitpanda-Signal-Grün sah aus wie Discounter-Branding statt Premium-Brand. Vergleich Apple (Designfirma) vs. Android (mehr Funktion, weniger Ästhetik) — Premium-Brands müssen das ästhetische Detail ernst nehmen, weil Kunden es sehen, auch wenn sie es nicht artikulieren können. Erst nach langem Ringen wurde das Grün ersetzt.

  2. 43·Laura

    Lauras Pastell-Shaker-Beweis durch TikTok

    Laura wollte schon lange pastellfarbene Shaker — die ESN/MORE-Kundenstudien gaben das nicht her, also blieb es bei Signal-Farben. Über ihren TikTok-Account stellte sie eine Umfrage — 1000 Kommentare mit Shaker-Ideen, alle pastellfarben. Endlich der Datenpunkt, mit dem sie intern argumentieren konnte. Lehre: wenn das interne Insights-System eine Hypothese unterdrückt, kann ein parallel aufgebauter Direkt-Kanal die Beweisführung übernehmen.

  3. 44·Christian & Laura

    B2B-Regal vs. Küche — derselbe Kunde will unterschiedliche Ästhetik

    Differenzierte Erkenntnis aus dem Gespräch: Signal-Farben (z.B. ESN Lollipop Red) helfen im B2B-Regal — Sichtbarkeit, Wahrnehmungsvorteil. Aber: niemand stellt sich gern grell-rote Dosen in seine ästhetische Küche. Bei singulären Items (Shaker stehen einzeln, Dosen oft als Kollektion) gilt anders Optik-Logik. Wer die CI undifferenziert über alle Touchpoints zieht, verliert genau an dem Punkt, wo der Kunde das Produkt täglich sieht.

  4. 45·Christian & Eric

    „Auf die CI scheißen" — geht nur als Founder oder Top-Lead

    Christian: „Ich fick die CI, ist mir völlig bums — wenn das besser aussieht, machen wir das." Diese Freiheit hat ein normaler Mitarbeiter nicht — er bekommt CI vorgegeben und hält sich dran. Eric ergänzt: das musst du machen, sonst werden die Marken alle gleich. Lehre: regelbrechende Ästhetik-Entscheidungen müssen nach oben delegiert werden — Founder-Mode-Aufgabe, kein Marketing-Manager-Job. Sonst optimiert das Mittelfeld die Brand zu Tode.

Recruite die intrinsische Motivation, baue die Strukturen erst wenn der Schmerz kommt — und scheiß auf die CI, wenn die Brand etwas Besseres verdient.

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