Andreas W. Herb: Vom eigenen Club zum Millionen Imperium mit Getränken!
Worum es geht
Andreas W. Herb ist der unbekannte Riese der deutschen Getränke-Industrie. Salitos, effect Energy, 9 MILE Vodka, DOS MAS — über 30 Marken im Portfolio, dreistellige Millionen-Umsätze, alles eigenfinanziert, ohne einen einzigen Investor in 30 Jahren. Über die Klage zwischen MBG und More Nutrition haben sich Christian Wolf und Andreas vor Jahren das erste Mal kennengelernt — heute sitzen sie auf Andreas' Finca in der Nähe von Cala Ratjada und sprechen über fast drei Jahrzehnte Markenaufbau, von der 180-Quadratmeter-Diskothek „Die Fabrik" mit Bundeswehr-Panzerrädern bis zum globalen Bier-Imperium.
Das Spannende an Andreas' Geschichte ist nicht, was er gemacht hat — sondern was er bewusst nicht gemacht hat. Keine Investoren. Kein Schnellverkauf. Kein Hype-Skalieren. Während andere als „Ferraris auf der Autobahn" an ihm vorbeigerast und heute in der Schrottpresse gelandet sind, ist er mit seinem Diesel 30 Jahre durchgefahren — und steht heute besser da als die meisten von ihnen. Diese Anti-Skalierungsphilosophie ist sein Beitrag für eine Generation, die durch Pitch-Deck-Investorenrunden konditioniert wird, sich am eigenen Wachstum zu Tode zu optimieren.
Dazwischen erzählt er die Geschichten, die kein PR-Team aufschreiben würde: 1998 unterschreibt er mit Partner in der Sauna eine 5-Mio-DM-Bürgschaft („endlich Millionäre, nur das Vorzeichen ist falsch"), kauft 111.000 Lufthansa-Tickets für eine Miller-Promotion und steht morgens mit dem Gerichtsvollzieher und 3,8 Millionen DM Schulden in einem einzigen Tag. Er fährt nach Calaratjada, entdeckt als Boxen-Tänzer das Sol-Bier und bringt es nach Deutschland. Er bekommt mit Mitte 50 einen Anruf aus New York („You may want to consider your own brewery") — und gründet daraus, was heute Salitos heißt.
Und am Ende reden alle drei über genau dasselbe Thema: KI. Andreas, 54 und selbsterklärter Baby Boomer, sagt einen Satz, den die Junioren nicht ernst genug nehmen: „Wenn du mir morgen ChatGPT wegnehmen würdest, wäre das das erste Mal in meinem Leben, dass ich wirklich seriös Angst hätte, ein Depri zu kriegen." Die Lehre: Wer in den 90ern die Mexikan-Bier-Welle nicht spürte, verkaufte Brinkost. Wer heute KI nicht spürt, sitzt im Zug nach Nirgendwo. Andreas spürt es.
Was du mitnehmen kannst.
Die Klage, die zur Freundschaft wurde
- Nº 01·Christian & Andreas
MBG mahnte More Nutrition wegen eines Energy Drinks ab — und heute sitzen sie zusammen
„Ich will den Krieg, das Geschäft beim Kunden gewinnen — diese Klage-Spielchen, Abmahn-Spielchen sind nicht mein Game.”
Christian Wolf hatte vor ein paar Jahren einen Energy Drink mit Koffein UND Theanin auf den Markt gebracht — Theanin ist eine Aminosäure, die in Energy Drinks juristisch nicht erlaubt ist. „Wir haben es trotzdem gemacht, ist halt geil." MBG mahnte ab. More Nutrition reichte über Nico Gegenklage ein, um Andreas zum Knautschen zu bringen. Beide einigten sich später: „Komm, lass uns einfach in Ruhe." Beim ersten persönlichen Treffen in Paderborn verstanden sie sich sofort gut — Beleg dafür, dass man sich im Unternehmertum kabbeln kann und trotzdem Respekt füreinander haben darf.
- Nº 02·Andreas
Effect war der einzige Energy Drink, den MBG je rechtlich angegangen ist
Andreas bestätigt offen: Christian Wolfs Energy Drink war der einzige in der ganzen MBG-Geschichte, gegen den sie vorgegangen sind. Die Philosophie: Konkurrenz im Markt, beim Kunden gewinnen — nicht beim Anwalt. Die Bemerkung „Sie ist doch mal so, wenn Budweiser kommt, sagt er super für den Markt — aber vor Wolf hat er Angst gehabt" zeigt, dass auch der direkte Wettbewerb in einer Branche letztlich gut für alle Beteiligten ist.
Vom Feinkostladen zur Dorf-Diskothek
- Nº 03·Andreas
Die Tante in München mit Feinkostläden hat den Lebensmittel-Kern gepflanzt
Andreas hat erst vor kurzem im Rückblick erkannt, dass seine Lebensmittel-Liebe in den Feinkostläden seiner Tante in München angefangen hat — als Jugendlicher war er da oft. Diese frühe sensorische Prägung ist nicht zu überschätzen: Erfolgreiche Markenaufbauer bringen oft eine Kindheits-Wurzel mit, die sich später als „Ich verstehe diese Branche im Bauch" zeigt. Reine Markt-Analyse ohne diese Bauch-Verankerung produziert mittelmäßige Produkte.
- Nº 04·Andreas
Banklehre als Skill-Schule — der bestrafte Spitzen-Verkäufer
Andreas war einer von 30 Azubis bei der Volksbank und hat jeden Verkaufswettbewerb gewonnen. Belohnung: weil er die meisten Mastercards verkaufte und einen Riesen-Provisionscheck bekam, wurde er in die zentrale Belegverarbeitung versetzt — Mikrofiche-Archiv, weit weg von der Front, damit keine Provisionen mehr fließen. „So wird man auch mal belohnt im Leben." Die Lektion: In großen Organisationen wird hohe Performance oft als Bedrohung wahrgenommen, nicht als Asset.
- Nº 05·Andreas
Eltern + Ferienjobs als Härte-Training
Nachkriegsgeneration-Eltern, „immer Druck auf der Kanüle, keine rosa Wolke." Daraus entstand der Drang, sich aus eigener Kraft hochzuarbeiten. Andreas musste viele Ferienjobs machen: Maurer, Elektriker, Heizungsinstallateur, am Hochofen bei Wendler. „Bloody hell, Respekt an die Jungs, die das machen — das willst du nicht im Leben." Diese frühen Realitäts-Begegnungen sind die beste Motivation, sich später unternehmerisch durchzubeißen.
Der eigene Club mit 19 — für 1 Mark gekauft
- Nº 06·Andreas
Liebes-Kummer als Auslöser — Freunde suchten eine Aufgabe für ihn
Mit 19 hatte Andreas' damalige Freundin ihm in der Provinzstadt Paderborn so öffentlich die Hörner aufgesetzt, dass es jeder mitbekam. Er war tief unten. Sechs gute Freunde dachten sich: „Lass uns ihm eine Aufgabe geben." Sie hatten gehört, dass eine lokale Diskothek finanzielle Probleme hatte. Daraus wurde die Geschichte, die alles auslöste. Manche Karrieren beginnen nicht mit einer Vision, sondern weil Freunde dich aus einem Loch rausholen wollen.
- Nº 07·Andreas
Den Club für 1 Mark gekauft — „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende"
Andreas und sein Freund Pino Bee haben den scheiternden Club-Besitzer überzeugt, ihnen die Diskothek für 1 Mark zu verkaufen. Argument: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Sieben Freunde steuerten je 400 Mark (200 €) zur Renovierung bei. Lichtanlage: 4 rotierende Strahler, eine Discokugel, Nebel und Stroboskop. „Mehr konnte man für 200 Mark auch nicht kaufen."
- Nº 08·Andreas
Die Fabrik — 180 m² mit Panzerrädern und Schaufensterpuppen
Der Club hieß „die Fabrik" — 180 Quadratmeter, 7 Boys, die Spaß haben wollten. Einer der Kollegen war Bundeswehr-Offizier und brachte Panzerräder mit, ein anderer war Mode-Dekorateur und brachte Puppen mit. Das war die Deko. Der Club hatte mit jedem dieser Elemente einen visuellen Charakter, den größere Konkurrenten nie kopieren konnten — Authentizität entsteht aus Beschränkungen, nicht aus Budget.
- Nº 09·Andreas
Die Fabrik war der erste Techno-Club in NRW (jeden 1. Donnerstag)
1993/94 war die erste Phase von Techno — Loveparade, Mayday (1994 erstmals), Nature One, Unity Rave. Die Fabrik war der erste Club in NRW, der jeden ersten Donnerstag im Monat Techno anbot. Andreas war der einzige Techno-Freak unter den 7 Freunden — die anderen waren Hip-Hop-Boys, für die war Techno ein Graus. „Diesen ersten Donnerstag im Monat musste ich auch immer alleine machen." Das ist die Stärke kleiner Founder-Teams: ein Geschmack pro Person bringt Innovation, gemeinsame Konsens-Geschmäcker bringen Mittelmaß.
Sol Bier aus Mallorca — der Boxen-Tänzer-Sommer
- Nº 10·Andreas
Vor der Banklehre als Boxen-Tänzer in Calaratjada
„Das wird man jetzt bei meinem Körper nicht mehr glauben — aber damals war ich noch Boxen-Tänzer." In der Diskothek Physical (in Calaratjada, Mallorca) hat Andreas einen Sommer gelebt und dort Sol-Bier entdeckt. Die spätere Marken-Liebe entstand nicht in einem Strategiezirkel, sondern in einem Sommer als Tänzer. Der Punkt: Wer früh internationale Markt-Realität fühlt (nicht liest), entwickelt Marken-Instinkt fürs Ausland.
- Nº 11·Andreas
Sol-Bier in den Club gebracht — Bier statt Brinkost
Im neuen Club hatten sie Brinkost Nummer 1 Bier — Andreas fand es „grottenlangweilig". Er suchte etwas mit „anderem Sex-Appeal" und brachte Sol-Bier rein. Damals trank man Bier aus dem Glas — Flaschenbier war verpönt. Sol war Mexikan, Latin-Vibe, Flasche. Das war die erste produkt-strategische Differenzierungs-Entscheidung in seinem Leben. „Sip-Beer oder Hip-Beer haben wir es gemacht."
- Nº 12·Christian
Geniale Ideen sind oft Skill-Transfer-Arbitrage zwischen Märkten
Christian Wolfs Resümee: Viele Leute denken, man brauche eine geniale neue Idee (Höhle der Löwen suggeriert das). Aber oft findet man einfach in einem anderen Land oder einer anderen Region ein Produkt — oder Wissen. Christian selbst hat US-Fitness-Wissen vor 8 Jahren nach Deutschland geholt, Andreas hat Sol aus Mallorca nach Deutschland gebracht. Geniale Innovation ist häufig Skill-Transfer + Timing, nicht reine Erfindung.
Vom Sol-Vertrieb zum Miller-Boy
- Nº 13·Andreas
Sol-Lizenz für NRW/Hessen/Rheinland-Pfalz — Andreas wollte aber Deutschland-Exklusiv
Sol ging in der Region gut — aber Andreas hatte nur Lizenz für NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen. Er wollte ein deutschlandweit-exklusives Produkt. So bekam er Miller Beer für ganz Deutschland (er, „Lucky", wie er selbst sagt). Aus „Miller Brands Germany" wurde später MBG. Daraus die heute-noch-gültige Lehre: Lokale Lizenzen sind ein Anfang, aber der wirkliche Hebel kommt mit nationaler oder internationaler Exklusivität.
- Nº 14·Andreas
MBG = Miller Brands Germany — die einzige Firma weltweit mit Philip-Morris-Lizenz im Logo
MBG war das einzige Unternehmen weltweit, das Miller und den Adler von Miller-Philip-Morris im Logo tragen durfte. Lange hieß die Firma „Miller Brands Germany". Das war einerseits ein Asset (Marken-Trust), andererseits ein Verwirrungsproblem (manche dachten, MBG wäre Tochter des Konzerns). Erst später wurde aus „Miller Brands Germany" das verkürzte „MBG International Premium Brands". Der Ursprung ist also wörtlich Miller.
- Nº 15·Andreas
75% Marktdurchdringung in deutschen Clubs — 95% in NRW
In der deutschen Club- und Diskothekenlandschaft hatte MBG zur Hochzeit 75% Durchdringung — in NRW sogar 95%. Hamburg und München waren die einzigen Schwächen. Diese Tiefe entstand nicht durch Marketing-Spend, sondern durch radikale Vor-Ort-Präsenz: Andreas und sein Team waren bei nahezu jedem relevanten Rave dabei.
Direktvertrieb 7 Tage die Woche
- Nº 16·Andreas
Fun & Lollipop — eine Kette mit 72 Diskotheken als Day-One-Anchor
Es gab damals eine Kette namens Fun & Lollipop / Fun & Fido mit 72 Diskotheken in Deutschland. Plus eine zweite Kette (A5/A10/A6 — wie die Autobahn). Beide waren MBG-Anchor-Kunden — am Day-One-Launch waren sofort 100 Diskotheken aktiv, jede mit 2.000-3.000 Gästen pro Wochenende. Markenbekanntheit in der Kernzielgruppe ist nicht primär eine Marketing-Übung — sie ist eine Vertriebs-Kanal-Übung.
- Nº 17·Andreas
900 Promotions pro Jahr — Bulli selbst gefahren, Bier selbst verkauft
MBG machte ungefähr 900 Promotions pro Jahr. Bulli selbst gefahren, Kistentitel selbst aufgebaut, Bier selbst verkauft. „Hardcore. Seven Days Week. Freizeit Fremdwort." Die Lektion für jüngere Founder: Viele beauftragen heute eine Agentur, die schickt ein Team. Andreas und sein Team sahen Kunden persönlich — daraus entstand das Vertrauen, das später Multi-Millionen-Marken trug.
- Nº 18·Andreas
Carmcenter Bochum: 5x reingegangen, bis er 20 Kisten kaufte
„Damit du jetzt verpisst, kaufe ich 20 Kisten und jetzt hau ab.”
Andreas erzählt eine Lehrbuch-Geschichte: Im Carmcenter Bochum (Nummer 1 in NRW) ging er rein, sagte „Hier ist Sol-Bier" — der Schaschführer war nicht freundlich. Andreas ging raus, kam 5 Minuten später wieder rein. „Hey, ich bin Andreas und Sol." Er machte das fünfmal. Beim fünften Mal sagte der Mann: „Du bist doch nicht einer, der alle Tüten im Regal hat. Damit du jetzt verpisst, kaufe ich 20 Kisten." 30 Jahre später ruft der Mann ihn an. „Das ist die Verrücktheit eines 21-Jährigen — Scham hatte ich da glaube ich nicht."
- Nº 19·Andreas
Geschlossene Frage-Technik bei Aushilfs-Verkäufern
Andreas schickte zwei Aushilfs-Kollegen (Ben und Sean) mit dem Cherokee voll Bier nach Dortmund: „Geht in jede Kneipe, Sixpack auf den Tresen, schöne Grüße." Abends rief er die Gastronomen an, manchmal um 23 Uhr. Verkaufstaktik: nicht „Willst du eine Kiste?", sondern „Komm, probieren wir es mal mit 5 oder mit 10 Kisten." Geschlossene Frage-Technik. Diese Mikro-Skills lernt man nicht in Theorie-Büchern, sondern beim Verkaufen. Andreas hat das in der Banklehre gelernt — bester Verkäufer von 30 Azubis.
Verpasste Chancen — „Wenn du es nicht fühlst, begreifst du es nicht"
- Nº 20·Andreas
Just Spices auf dem Tisch zu Early Days — abgelehnt
Andreas gibt Fehler offen zu: Er hatte Just Spices in Early Days auf dem Tisch, lange bevor Pitch-Decks Standard waren. Er las das Konzept und dachte: „Würze-Markt, Ostmann/Fuchs sind Marktführer, dünne Marge." Was er übersehen hat: Hätte er sich ins Auto gesetzt, hätte er das Packaging gesehen — „tausendmal hübscher als Ostmann/Fuchs". Just Spices wurde später für Multi-Millionen verkauft. Lehre: Pitch-Decks lesen ersetzt nicht das physische Sehen-Fühlen-Anfassen des Produkts.
- Nº 21·Andreas
Waterdrop ebenfalls verpasst — Brausetabletten-Vorurteil
Sein enger Freund von der Firma Hedenkamp (Brausetabletten-Hersteller, ~150 Mio Umsatz) hatte ihm eingebläut: „Brausetablette = Lo Margin, Röhrchen, kein Geld zu verdienen." Als Waterdrop sich pitchte, las Andreas das Pitch-Deck mit dieser Vor-Brille. Was er übersah: Waterdrop war keine Brausetabletten-Firma — es war eine Flaschen-Firma. Die Tabletten waren das Mittel zum Zweck, mit der Flasche herumzulaufen. Brillen aus dem eigenen Netzwerk verzerren oft den Blick auf neue Geschäftsmodelle.
- Nº 22·Andreas
AirUp ebenfalls nicht ernst genommen — und wenn man es einmal probiert hat, ist es echt cool
Auch AirUp lag auf Andreas' Tisch — er las es, dachte „was ist das?" und legte es weg. Sein heutiger Kommentar: „Wenn man es einmal probiert hat, ist es echt cool." Lehre: Der Test mit dem eigenen Körper, dem eigenen Geschmack, dem eigenen Gefühl ist die einzig zuverlässige Innovations-Diagnostik. Pitch-Decks sind oft falsch — Erlebnisse sind selten falsch.
- Nº 23·Christian
Just-Spices-Lehre für Christian Wolf: Team-Qualität schlägt Konzept-Schwäche
Christian Wolf ergänzt: Just Spices stand in der Geschichte mehrfach kurz vor der Insolvenz — die Sachen, die Andreas richtig sah (hohe Konkurrenz, schwache Differenzierung), waren faktisch zutreffend. Aber das Team hat einen so guten Job geleistet, dass es für den strategischen Käufer (Kraft Heinz Foods) trotzdem hohen Wert hatte. Ein guter Founder kann ein mittleres Geschäftsmodell zu einem Exit führen — ein schwacher Founder zerstört auch ein gutes.
Diesel statt Lambo — die Anti-Skalierungsphilosophie
- Nº 24·Andreas
Mit dem Diesel über 30 Jahre Richtung Hamburg — die Ferraris stehen heute in der Schrottpresse
Andreas' Bild für seine Anti-Skalierungsphilosophie: „Ich bin der Diesel-Hubert, der seit 30 Jahren mit seinem Diesel auf der Autobahn Richtung Hamburg fährt. Ich habe so viele Ferraris an mir vorbeifahren sehen — Mitbewerber. Und irgendwann bei Hannover standen sie qualm mit ihrem Lambo am Straßenrand. Heute sind sie schon in der Schrottpresse." Langsamere, eigenkapitalfinanzierte Skalierung schlägt hyper-skalierte VC-Pyrotechnik fast immer auf 20-Jahres-Sicht.
- Nº 25·Andreas
„Zwanghafte Skalierung" durch Investoren-Druck tötet Ideen
Andreas: Investoren rufen das Spiel „skaliere fast schnell, Millionen-Bewertung, Fundraising 1, 2, 3, 4" auf — daraus entsteht zwanghafte Skalierung. „Wir bauen noch mehr Kohle rein, wir werden noch mal die Million, um auf 100 Millionen zu kommen." Das ist die Mechanik, die laut Andreas „leider tolle Ideen kaputt skaliert". Just Spices wäre vielleicht heute eine größere Marke ohne diesen Druck.
- Nº 26·Andreas
Familienholdings aus 1800 schaffen Werte für Generationen, nicht für übermorgen
Andreas hat einen Aufsichtsratsvorsitzenden einer alten Familienholding aus dem Jahr 1800 kennengelernt. Deren Approach: „Sie schaffen Werte für Generationen, jagen nicht dem Mammon von übermorgen Vormittag nach, sondern dem, wovon die Enkel partizipieren." Das ist eine andere Geistes-Einstellung als die Venture-Capital-Welt — und sie ist langfristig oft erfolgreicher.
Investoren-Wahrheiten
- Nº 27·Christian
„Das Boot, in dem du ruderst, ist wichtiger als wie hart du ruderst"
Christian Wolf zitiert Charlie Munger: Das Boot ist wichtiger als die Ruder-Kraft. Andreas startete in einem schwer skalierbaren Bereich (Club mit 180 m²) — aber die Lebensmittel-/Getränke-Branche, in die er sich später bewegte, hat enormes Skalierungspotenzial. Die Kombination aus richtiger Branche + 30 Jahren Disziplin produziert dreistellige Millionen-Umsätze. Reine Disziplin im falschen Boot würde dieselben 30 Jahre verbrennen.
- Nº 28·Andreas
Gier frisst Gehirn — VC-Manager optimieren auf Bewertung, nicht auf Wertschöpfung
Andreas: „Es geht den VC-Managern nur um Bewertung. ‚Die werden jetzt mit so viel bewertet in der neuen Fundraising-Phase.'" Bewertung ist für Fonds-Investoren ein Performance-Indikator, nicht für die Unternehmen ein Existenz-Maßstab. Andreas: „Ich glaube, ich könnte ein Konzeptpapier schreiben, wie man bei jedem Hype-Markt einen Competitor aufbauen könnte, der die ganze Bewertung ‚in schön große Reibungswärme' bringt — und dann ist die Bewertung weg." Hype-Bewertungen sind angreifbarer, als sie aussehen.
- Nº 29·Eric
Founder werden zu „Geld ausgeben Managern" ausgebildet
Eric: Wenn die Series A kommt, lernen Founder „Wachstum, Wachstum, Marktanteile" — nicht harte Entscheidungen. Sobald die ersten schwierigen Zeiten kommen, sind sie nur „Schönwetter-CEOs". Bootstrapping (oder Founder-Friendly-Funding) härtet ab — Hyperscaling härtet nicht, es konditioniert.
- Nº 30·Eric
Investoren mit tiefen Taschen wählen — sonst musst du jedes Quartal Fundraising machen
Eric (aus Bitpanda-Praxis): Bitpanda hat Seed/A/B/C immer mit den gleichen Investoren gemacht — „weil wir Fundraising hassen". Fundraising kostet ein Quartal Vollzeit-Arbeit für den CEO — Produkt steht still. Wer Investoren mit tiefen Taschen für Folgerunden wählt, optimiert nicht auf 10% mehr Bewertung in der aktuellen Runde — sondern auf das „Winning Team" für 5+ Jahre Reise.
Schuldenmillionär in der Sauna — die ersten 10 Jahre
- Nº 31·Andreas
Die ersten 2 Jahre: 500 Mark Aushilfsgehalt
In den ersten 2 Jahren zahlte Andreas sich selbst 500 Mark Aushilfe. Alles, was rein kam, ging zurück in die Firma. Davon kann man keine Millionen am Sparbuch ansammeln. Bootstrapping bedeutet meistens: Founder lebt minimalistisch, alles Geld arbeitet im Geschäft — auch in der Wachstumsphase.
- Nº 32·Andreas
1998 in der Sauna: 5 Mio DM Bürgschaft — „endlich Millionäre, nur Vorzeichen falsch"
1998 saß Andreas mit seinem Partner in der Sauna — beide hatten gerade eine Bank-Bürgschaft über 5 Millionen DM unterschrieben. Sein Kommentar: „Endlich haben wir es geschafft, nur das Vorzeichen ist falsch." Bilder wie dieses zeigen, wie weit der Bootstrapper-Weg von der typischen Erfolgs-PR entfernt ist. „Schulden-Millionär werden" ist die häufigere Phase als „Vermögens-Millionär werden".
- Nº 33·Andreas
Letzte Kapitalerhöhung 1999: 1,25 Mio € aus eigenem versteuertem Geld
MBG hat keine externen Investoren — die letzte Kapitalerhöhung war 1999 mit 1,25 Mio € Stammkapital, alles aus eigenem versteuertem, generiertem Geld. „Das musst du erstmal schaffen." In der ersten Phase: „Erstmal froh, wenn wir schwarz schreiben." Das war Andreas' Stolz: Immer schwarz, auch wenn das Gehalt klein war. Banken verlangten Eigenkapitalquote — heute kommt dieser konservative Ansatz wieder als Trend.
- Nº 34·Andreas
10 Jahre Liquidität immer am Limit — 2 Mio Banklinie, am 10. bei 1,98 Mio
Die ersten 10 Jahre war MBG immer am Liquiditätslimit. „Immer wenn ich es geschafft hatte, 2 Millionen Banklinie zu erarbeiten, war ich auch bei 1,98. Am 10. war ich bei 1,98 — und dann kamen Gehälter." Die Lehre: Wachstum frisst Cash. Wer mit Eigenkapital wächst, kann nie ausruhen — aber er bleibt unabhängig.
Salitos — die Mexikan-Liebe und das Weltpatent
- Nº 35·Andreas
8 Jahre nach der Club-Gründung kam die erste Eigenmarke
Salitos kam etwa 8 Jahre nach der Club-Gründung — also Ende der 90er. Bis dahin: Sol-Importeur, Miller-Importeur, kleines Team von 8 Leuten (1995). Der Schritt von Distributor zur Eigenmarke ist der entscheidende Schritt zur echten Markenführung — aber er kommt selten am Anfang. Erst die Distributor-Phase baut das Branchen-Verständnis und die Vertriebs-Tiefe auf, die eine Eigenmarke trägt.
- Nº 36·Andreas
Das Weltpatent: Flaschenöffner im Flaschenboden + Keramik-Bedruckung
Salitos brachte ein Weltpatent — Flaschenöffner integriert im Flaschenboden, plus keramik-bedruckte Flasche statt Etikett. „Wir wollten bei allem einen draufsetzen." Diese Detail-Differenzierung ist der Kern echter Markenarbeit — viele Elemente sind heute durch deutsche Regularien nicht mehr möglich (in Spanien hat man trotzdem den Flaschenöffner, deutsches Pfand-/Verbraucherschutzrecht hat das verhindert).
- Nº 37·Andreas
2 Mio DM Marketing-Investment für den Salitos-Launch — „Failure is no Option"
Salitos einzuführen bedeutete für MBG das erste Mal einen 2-Mio-DM-Schluck-aus-der-Pulle für ein Markeneinführungsbudget. „Failure is no Option, das durfte nicht schief gehen." Andreas' Kultur: Entweder go-for-it oder lass-es-bleiben. Keine halben Sachen. „Wir setzen jetzt mal 5, schauen wir mal" ist nicht sein Stil — diese Kultur des Halb-Engagements zerstört Marken bevor sie eine Chance haben.
Die Miller-Coaching-Years — Vegas, Atlanta, Chicago Hoods
- Nº 38·Andreas
In den Hoods of Chicago — als einziger Weißer Budweiser-Kühlschränke umkleben
Miller schickte Andreas nach Atlanta, Las Vegas, Chicago. In Chicago war er als einziger Weißer Außendienstler in den Hoods — Budweiser-Kühlschränke abdekorieren, Miller-Aufkleber draufmachen. „Hardcore Streetfight." Echte Markenarbeit ist physische Arbeit am Point of Sale, nicht Strategie-Folien. Wer das einmal selbst gemacht hat, versteht für immer, was zwischen Konzept und Marktrealität liegt.
- Nº 39·Andreas
Las Vegas Bellagio: 24h-Betreuung, 25 Lkw Bier pro Tag, Pager mit 17-Min-Frist
In Las Vegas betreute Andreas einen Monat lang das Bellagio — 7 Days Week, 24 Hours. Pager mit 17-Minuten-Frist, sonst Penalty. 25 Lkw Bier pro Tag — nur für dieses eine Hotel. „Crazy Shit." Skala in den USA spielt in einer anderen Liga — diese Erfahrung formt das Verständnis dafür, was groß bedeutet (und warum deutscher Mittelstand auch in Skala denken kann, wenn er die Distributor-Mechaniken versteht).
- Nº 40·Andreas
1996 Las Vegas Hilton: Vor 6.000-8.000 Vertrieblern mit 3 Overhead-Folien
1996 wurde Andreas zur Miller International Sales Conference im Vegas Hilton eingeladen — als „kleiner deutscher Vogel". Erst beim Voice-Check vor Ort merkte er: Er steht auf einer Riesenbühne vor 6.000-8.000 Leuten. Er hatte 3 Overhead-Folien dabei. „Da habe ich Rumgestammelt in meinem Kack-Englisch — die fanden das aber alle cool." Die Lehre: Man muss nicht der polierte Speaker sein — Authentizität ist oft das, was internationale Audiences faszinierend finden.
„You may want to consider your own brewery"
- Nº 41·Andreas
Der entscheidende Anruf aus New York
Senior Vice President aus New York rief Andreas an: „You may want to consider your own brewery." Andreas: „Ich bin der treueste Partner, den du haben kannst." VP wiederholte mehrmals — bis Andreas verstand: Philip Morris trennte sich gerade von Miller und fusionierte mit South African Breweries. Die familiäre Kultur würde sterben. Andreas würde auf die Abschussrampe kommen — was auch passierte. Dieser Tipp gab ihm die Zeit, Salitos vorzubereiten. „Dem Mann bin ich heute noch sehr dankbar — und mein Sohn heißt zu seinen Ehren so."
- Nº 42·Andreas
2 Jahre vor 2 Jahren rief Miller wieder an: zurückkommen?
Vor 2 Jahren kam ein Anruf, ob Andreas wieder Interesse an Miller hätte. Seine Antwort intern: „Ein zweites Mal mit der Ex zusammenkommen?" Wenn die zentrale Beziehungs-Liebe einmal mit Schmerz endete, ist die Wiederholung selten klug — auch wenn man weiß, was man bekommt. Manche Türen sind besser geschlossen, auch wenn sie wieder offen stünden.
Light Beer — warum es in Deutschland nicht geht
- Nº 43·Andreas
„Light" ist in Deutschland mit Anti-Alkoholiker-Bier verwechselt
In den USA bedeutet „Light Beer" kalorienreduziert (Miller Light, Coors Light) — toll, lecker, full-tasted, low-calorie. In Deutschland war „Leitbier" jahrzehntelang der alkoholreduzierte Anti-Alkoholiker-Kategorie zugeordnet — negativ besetzt. Daher hat sich Light-Beer in Deutschland nie etabliert, obwohl der Trend zum kalorienbewussten Trinken da wäre. Katharina Kramer (Warsteiner) schrieb 1999/2000 ihre Diplomarbeit dazu — Markt da, aber „mit Ausdauer und Budget" — und Branding.
- Nº 44·Andreas
Bud kann in Deutschland nicht verkauft werden — Bitburger blockiert
Budweiser hat in Deutschland Markenrechtsprobleme: 2 Marken weltweit (tschechisch Budvar + amerikanisch Bud). „Bud" ist nach deutscher Rechtsprechung verwechslungsfähig mit „Bit" (bitte ein Bit). Bitburger hat das juristisch verhindert — höchstrichterlich. Solange Bitburger „Bit" benutzt und nicht will, gibt es kein Bud in Deutschland. Markenrechte sind unsichtbare Regulierungs-Mauern, die Wettbewerbsdynamik komplett strukturieren.
- Nº 45·Andreas
2-3-4 Player im Markt sind besser als „Lonely Donger"
Andreas' kontraintuitive Einsicht: Wenn 2-3-4 Player an einem Thema arbeiten, ist das besser als Alleinkämpfer. Wettbewerb baut Markt auf, validiert Kategorien, macht Kommunikation glaubwürdiger. „Eigentlich haben wir damals gesagt, super, dass Budweiser nicht kommen kann — aber im Nachhinein hätte ich es gut gefunden." Diese Reife-Einschätzung kommt aus 30 Jahren Markterfahrung.
Wann war Andreas „durch"?
- Nº 46·Andreas
Etwa 2010-2012: Innerer Frieden nach dem Krombacher-Buyback
Andreas hatte mal kurz Krombacher als Partner — viel gelernt, dann Put-Call-Ratio, Anteile zurückgekauft. Ab dem Punkt war MBG wieder frei. Diese „Geist frei"-Phase kam etwa 2010-2012 — etwa 18-20 Jahre nach dem Anfang. Wer denkt, dass Bootstrapping schnell zu finanzieller Freiheit führt, irrt sich — aber wer durchhält, hat irgendwann eine andere Art von Freiheit, die VC-finanzierte Founder selten erreichen.
- Nº 47·Andreas
Heute keine Verkaufsbereitschaft für eine Milliarde — „was mache ich dann?"
„Ich muss doch nicht der Reichste auf dem Friedhof sein.”
Andreas würde MBG heute auch für eine Milliarde nicht verkaufen. Sein Argument: „Was mache ich dann denn? Das, was ich liebe, habe ich gefunden. Warum soll ich verzweifelt auf die Suche nach einer neuen Liebe gehen?" Das ist die Anti-Exit-Philosophie, die in der VC-Welt unverständlich klingt — aber ergibt für jemanden Sinn, der seine Lebensaufgabe gefunden hat.
- Nº 48·Andreas
Größer-Weiter-Treiben fehlt — Käse, Wurst, Eier reichen
Andreas: „Ich habe nicht die größte Finca von Mallorca, ich habe auch nicht den Boeing — aber mein Kühlschrank hat Käse, Wurst und Eier." Diese Reife-Aussage trifft den Kern dessen, was Bootstrapper-Founder und VC-Founder unterscheidet: Wenn die persönlichen Bedürfnisse niedrig bleiben, gewinnt man die Freiheit, das Unternehmen nach eigenen Werten zu führen — statt nach den Erwartungen externer Kapitalgeber.
Social Media als Trotzreaktion
- Nº 49·Andreas
„Wisst ihr was, ich mache die Scheiße selber"
Andreas startete Social Media nicht aus Strategie, sondern aus Frust — er war unzufrieden mit Marketing-Plänen und Influencer-Verhandlungen. In einer Marketing-Runde sagte er: „Wisst ihr was, ich mache die Scheiße selber." Damals: 1.000 Follower oder weniger, keine Ahnung wie. 12 Monate Pause, dann Silvester in Dubai mit Freund Leon Jakobs, der sagte „komm jetzt mach mal." Die Lehre: Manchmal ist Trotz der bessere Startpunkt als Strategie.
- Nº 50·Andreas
Babo-Content war ein Fehler — die Findung der eigenen Stimme
Andreas' erste Phase war „Babo-Content": Maybach, Partys, Damen — der Versuch, das Show-Off-Zeitalter mitzumachen. Heute peinlich. Folger reagieren auf Party-Content mit 1/3 Views. Erst die Findung der Echtheit (Real-Andreas, Day-to-Day-Business, ungeschminkt) brachte den Durchbruch. Lehre für jeden, der Personal Brand startet: Das, was du für „cool" hältst (weil andere es machen), ist selten das, was deine Audience wirklich sehen will.
- Nº 51·Andreas
Recruiting + Direktkunden über DM — Mega-Verbesserung
Social-Media-Effekte für MBG: Recruiting hat sich „mega dramatisch verbessert", direkte Kunden-DMs (Kioskbetreiber, Hoteliers, Supermarkt-Inhaber) kommen daily. Die Sicht der Ist-Kunden auf MBG ist viel realistischer geworden. Personal Brand des CEO ist heute oft der größte Vertriebs- und Recruiting-Hebel — Andreas demonstriert das in einer Branche, in der das untypisch ist.
Reaktion auf Medien
- Nº 52·Andreas
Erst Zeit vergehen lassen — niemals am gleichen Tag emotional antworten
Andreas' Reaktionsregel: Wenn Kritik oder Provokation kommt — erst Zeit vergehen lassen. „Wenn man am gleichen Tag emotional reagiert, kommt da nur Scheiße bei raus." Etwa 50/50 reagiert er überhaupt — manche Kritik nimmt er humoristisch (Böhmermann, Olli Schulz hat ihn mehrfach im Podcast aufgegriffen, mittlerweile nennt der Schulz Andreas „warm obsession" und sagt, er sei „eigentlich ein stabiler Typ").
- Nº 53·Andreas
Das Märchen vom Berlin-Rapper — Kreativität schlägt Konfrontation
Auf einen Berliner Rapper antwortete Andreas mit einem Märchen-Format: roter Ohrensessel am Kamin, großes Märchenbuch — die Geschichte zwischen 2 Menschen wurde als Märchen erzählt, ohne Beleidigung, ohne Verletzung. „Thema erledigt." Die Lehre: Kreativität in der Antwort entwaffnet Provokation viel besser als Konfrontation. Die Audience erkennt Klasse, nicht Schmerz.
- Nº 54·Andreas & Christian
Öffentlich-Rechtliche reproduzieren oft Meinung statt Information
Andreas zitiert Helmut Schmidt sinngemäß: „Der Job der öffentlich-rechtlichen ist zu informieren, nicht Meinung zu transportieren." Sein Bayern-3-Beispiel: Er wurde in Verbindung mit der Werteunion in eine rechte Ecke gerückt — sein Sohn ist Russe, Ausländer; er sagt offen, dass er CDU wählt. Aber die Öffentlich-Rechtlichen reproduzieren oft Frames statt Fakten. Christian Wolf ergänzt: Traditionelle Medien spielen gegen die Zeit — Redakteure brauchen Skandal-Geschichten, um sich Profil zu geben.
Verantwortung: Hersteller vs. Eltern
- Nº 55·Andreas
Die Alkopop-Steuer 2003: warum gut gemeint nicht gut gemacht ist
2003 brachte Deutschland eine Alkopop-Steuer (0,84 €/Flasche). Begründung: 14-Jährige sollten in Diskotheken keine süßen 4%-Mixgetränke mehr trinken. Aber: 14-Jährige kommen nicht in Discos (illegal), Supermärkte scannen am Alter. Folge: Kids stiegen auf 1L-Wodka + 1,5L-Energy-Drink-Eigenmix um — schlechtere Mix-Verhältnisse. Folge: erste „Ausfall-Leichen" junger Trinker in Krankenhäusern. Gut-gemeinte Regulierung produziert oft schlimmere Realität.
- Nº 56·Eric & Andreas
EU-Regulierungs-Fetischismus erstickt Innovation
Eric: „In der EU ist es ein Regulierungs-Fetischismus — alles muss kontrolliert werden, jede neue Regulierung macht eine neue Tür woanders auf." Andreas' aktuelles Beispiel: Eine Duftkerze für seine Hörparfum-Kette in die EU zu bringen ist „ein Studium wert" (CLP-Verordnung, ECHA-Verordnung). Selbst harmlose Konsumgüter werden zu regulatorischen Hürden — was großen Konzernen mit Compliance-Teams hilft, aber kleine Innovatoren ausschließt.
Hobby als Innovations-Booster
- Nº 57·Andreas
Uhren, Sonnenbrillen, Parfüm — als Hobby-Projekte parallel zum Hauptbusiness
Andreas baut neben MBG mehrere Hobby-Projekte: Uhren (2 Jahre Entwicklung in der Freizeit), Sonnenbrillen (18-19 Brillen auf seinem Schreibtisch — „peinliche Züge"), Parfüm (Hörparfum), Elektrokoffer. Diese Projekte verargumentiert er nicht finanziell — sie sind sein Ausgleich. Das Hobby-Hirn-Lockern bringt Kreativität für das Hauptbusiness zurück. Unternehmer brauchen Spielzeug — nicht zum Geldverdienen, sondern zum Geistig-Wachhalten.
- Nº 58·Andreas
„Inside Wohnen" + „Sendung mit der Maus" als Branchen-Übergreifendes Lernen
Andreas liest „Inside Wohnen" (Möbelindustrie-Magazin) seit Jahren. „Ich könnte morgen in der Möbelindustrie anfangen — ich verstehe sie komplett." Er guckt „Sachgeschichten" aus der Sendung mit der Maus — wie kommt das Fischstäbchen in die Schachtel? Er kalkuliert mit seiner Ex-Freundin Petzi-Bälle (Therapieball) auf Margen. Branchen-Übergreifende Neugier ist eine Quelle, die Konzept-Spezialisten verschlossen ist — Polymath-Wissen ist ein Wettbewerbsvorteil.
KI als Industrielle Revolution
- Nº 59·Eric
KI ist die Industrielle Revolution für White-Color-Worker
„Was Maschinen für den Blue-Color-Worker waren, ist KI jetzt für den White-Color-Worker.”
Eric: „Was Maschinen für Blue-Color-Worker waren, ist KI jetzt für White-Color-Worker. Der Wert von Wissen geht gegen Null." Andreas adoptiert das Bild ab sofort. KI verändert nicht nur Arbeit — sie verändert das Konzept, was Arbeit ist. Wissensvorsprünge, auf denen ganze Karrieren basierten, sind kommodifiziert. Das ist nicht graduell — es ist strukturell.
- Nº 60·Andreas
„Ihr sitzt im Zug nach Nirgendwo"
„Ihr sitzt im Zug nach Nirgendwo.”
Andreas auf der MBG-Jahrestagung: Er bat 300 Mitarbeiter aufzustehen, dann hinzusetzen, wer in den letzten 2 Tagen NICHT mit ChatGPT gearbeitet hatte. 85% saßen. Sein Satz danach: „Ihr sitzt im Zug nach Nirgendwo." Hart, aber gemeint — nicht beleidigend. Wer sich KI-Implementierung nicht stellt, wird in den nächsten Jahren überholt von Mitbewerbern, die es tun. Innerhalb des Unternehmens wird der Gap zwischen KI-Anwendern und Nicht-Anwendern exponentiell größer.
- Nº 61·Andreas
KI-Implementierungs-Enforcer als Vollzeit-Stelle
Andreas hat letzte Woche entschieden, jemanden einzustellen, der nichts anderes macht als von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz zu gehen und KI-Anwendung zu fördern. „KI-Empower" oder „Enforcer" — er versteht, dass die Mitarbeiter im eigenen Hamsterrad gefangen sind und es nicht von alleine schaffen. Top-Down-Push allein reicht nicht — Bottom-Up-Begleitung am Schreibtisch ist nötig. Best-Practice-Beispiele in einem Sharepoint sammeln.
- Nº 62·Andreas
Voice Clone von Andreas live in 10 Tagen
Im Marketing-Bereich entwickelt MBG einen Voice Clone — in 10 Tagen kann jeder mit der „Real-Voice" von Andreas Herb 7 Days/Week über Probleme und Produkte sprechen. Das ist die nächste Stufe von Customer Service: KI-Avatar mit der echten Persönlichkeit des Founders. Andreas plant Avatare auch für Marketing — die ganze Industrie verändert sich gerade.
- Nº 63·Andreas
„Wenn du mir morgen ChatGPT wegnimmst, hätte ich Angst vor Depri"
„Wenn du mir morgen ChatGPT wegnehmen würdest, wäre das das erste Mal in meinem Leben, dass ich wirklich seriös Angst hätte, dass ich hier ein Depri kriege.”
Andreas, 54, Baby Boomer: „Wenn du mir morgen ChatGPT wegnehmen würdest, wäre das das erste Mal in meinem Leben, dass ich wirklich seriös Angst hätte, dass ich hier ein Depri kriege — weil ich nicht mehr wüsste, wie ich meinen Arbeitsalltag ohne ChatGPT seriös leisten kann. Es ist so geil." Ein 54-jähriger CEO hat KI tiefer integriert als die meisten Junioren. Das ist der Maßstab.
Reisen + Bilder im Kopf für gute Prompts
- Nº 64·Andreas
„Wer nicht gereist ist, hat keine Bilder im Kopf"
Andreas' nächste KI-These: „Shit in, shit out." Wer keine guten Prompts schreiben kann, kann KI nicht effektiv nutzen. Beispiel-Prompt für eine neue Tequila-Flasche: „Lass dich beeinflussen von Maya- und Aztec-Kultur. Verbinde mit balinesischer Bau-Kultur. Bring Ruhrpott rein." Wer noch nie auf Bali war, in Mexiko, im Pott — hat diese Bilder nicht im Kopf. Reisen wird zum Wettbewerbsvorteil, weil KI nur so gut ist wie deine Vorstellungswelt.
- Nº 65·Andreas
MBG finanziert Mitarbeiter-Reisen mit — Tomorrowland auf Firmenkarte
Andreas geht so weit, Mitarbeitern Reisen zum sinnhaften Erleben mit zu finanzieren. Beispiel: Tomorrowland — Karten auf MBG-Karte, Partner mitnehmen auf MBG, MBG-Alkohol trinken, im VIP-Bereich umsonst weil von MBG. „Mehr geht doch nicht in meiner Denkweise." Adaptierbar: Musicals, Festivals, Beach-Partys — wer beliefert, soll auch erleben. Erlebnis-Marketing intern hat höhere ROI als Konsens-Werbeagentur-Sprüche extern.
Leitsätze
- Nº 66·Andreas
„Wenn du es nicht fühlst, begreifst du es nicht" — der Satz, der durch alles zieht
„Wenn du es nicht fühlst, begreifst du es nicht.”
Andreas wiederholt diesen Satz im Marketing, im Vertrieb, in der KI-Diskussion, in der Twitch-Anekdote: „Wenn du es nicht fühlst, begreifst du es nicht." Wer für eine Zielgruppe Produkte entwickeln will, muss sie sehen. Wer Gastronomie verstehen will, muss am Bartresen stehen. Wer Twitch verstehen will, muss Bits werfen. Wer KI verstehen will, muss prompten. Mit 54 will er nicht der „Old School war 1995"-Typ werden.
- Nº 67·Andreas
„Self-League-Wide-Dating" — Begriff aus den 90ern, der zurückkommen sollte
Andreas erinnert an einen 90er-Jahre-Begriff, den er „Self-League-Wide-Dating" nennt — die Idee, dass man im eigenen Bereich, an der eigenen Liga arbeitet, statt sich mit größeren Mitbewerbern in einer Liga zu vergleichen, in der man nicht spielen sollte. „Irgendwie ist das abhandengekommen — vielleicht kommt das ja zurück." Die Genügsamkeits-Disziplin der 90er als Gegen-Gift zum heutigen Vergleichs-Fetischismus auf Social Media.
- Nº 68·Andreas & Eric
Work-Life-Blending statt Work-Life-Balance
Andreas hasst „Work-Life-Balance" als Konzept — er ist „Work-Life-Blender". Wenn ein Abendessen mit einem Gastronom Spaß macht, ist es Arbeit und Leben zugleich. Wenn der Job Sinn ergibt, ist die Trennung künstlich. Eric pflichtet bei: 1:1 das, was er auch sagt. Diese Haltung erzeugt mehr Erfolg als die strikte Acht-Stunden-Trennung — vorausgesetzt, der Job hat Sinn-Struktur.
- Nº 69·Andreas & Christian
Kontrahenten respektieren — gemeinsam in die Sauna nach der Schlacht
Andreas' Schluss-Lehre aus der More-Nutrition-Klage: „Man schlägt eine Schlacht, danach geht man zusammen in die Sauna." Im Unternehmertum gibt es viele Konflikte — die Reife liegt darin, sie als Sache und nicht als Person zu führen. Wer das nicht trennen kann, sammelt Feinde — wer es kann, sammelt Verbündete. Christian Wolf ist heute Andreas' Verbündeter, nicht sein Gegner.
Wenn du es nicht fühlst, begreifst du es nicht. Wer in den 90ern Mexikan-Bier nicht spürte, verkaufte Brinkost. Wer heute KI nicht spürt, sitzt im Zug nach Nirgendwo.
Weiter zuhören
Über 1 Milliarde Umsatz mit Creatorn: Laura von MORE & ESN gibt Insights
mitLaura Koch
Glauben wir noch an Deutschland und wer sollte abhauen?
Wie wird man auf Social Media erfolgreich: OACE & More Gründer geben exakten Plan
mitJan Kraume


