About You Gründer über frühen Erfolg, Schulden und den Weg zur Milliardenbewertung! #9
Worum es geht
Tarek Müller — Mitgründer von About You — in Hamburg bei Christian und Eric. Eine Folge über die ungewöhnlichste deutsche Gründerbiografie der letzten 20 Jahre: Ein Junge bekommt mit 13 seinen ersten Computer, hackt mit 14 das Google-AdSense-System mit gekauften Foren, baut mit 16 seinen ersten Onlineshop, hat mit 17 Millionenumsätze und 54% Marge — und sitzt mit 18 vor dem Gerichtsvollzieher, weil ein chinesischer Heiratsschwindler ihm seine Wasserpfeifen-Produktion abgeschwindelt hat. Dann der Wiederaufstieg über eine Agentur (heute eine der großen deutschen Digital-Beratungen), der Silicon-Valley-Eye-Opener mit 22, About You als 250-Mio-Investment der Otto Group, Unicorn-Status 2018, IPO 2021 — und der lange Sturzflug danach, weil die Mode-Industrie 90% an Wert verloren hat.
Das eigentliche Thema dieser Folge ist die Anatomie eines unfairen Hebels. Tarek beschreibt es selbst sehr klar: Wer als Unternehmer anfängt, hat die Odds gegen sich. Andere haben mehr Ressourcen, mehr Erfahrung, mehr Geld. Der einzige Weg ist, einen Vorteil zu finden, den die anderen nicht sehen — die Matrix zu hacken. Tarek hat genau das mehrfach gemacht: Mit 13 hat er das Google-AdSense-Ökosystem gehackt (Foren mit existierender Community + Inhalte für SEO öffnen + Werbe-Klicks abgreifen). Später Facebook (StudiVZ-Gruppen kopiert), dann About You als Instagram-Influencer-Marketing-Hack. Und der Common Thread durch alle Phasen: Tarek war nie wirklich an der Kategorie interessiert. Er hat nie eine Wasserpfeife geraucht, nie Pokerregeln gelernt, nie ein Teleskop aufgebaut. Was ihn fasziniert, sind die Mechanismen — Conversion Rate, Customer Acquisition Cost, Search Volume. Diese Trennung zwischen Produkt und Mechanismus ist ein eigener Lebensentwurf, der dem Christian-Wolf-Modell (Passion + Produkt + Marke) diametral gegenübersteht — und genauso funktionieren kann.
Dazwischen die Klartext-Lehrstunde zum Börsengang, die in dieser Tiefe selten öffentlich wird: Warum 15% Free-Float zum Verhängnis wurden. Warum Hedge-Fonds Long-Short-Strategien innerhalb einer Industrie fahren. Wie Liquidations-Preferences in privaten Bewertungen den ganzen Mitarbeiter-Equity auf Null stellen können. Und warum Tarek heute — trotz 60% unter Börsengangs-Preis — sagt, er hat mehr Bock auf Börse als vorher. Plus: Die scharfe Demontage des deutschen Schulsystems, der Höhle-der-Löwen-Jury, und der „Es-wird-schon-alles-noch-irgendwie-gut"-Erzählung der Berliner Startup-Bubble.
Was du mitnehmen kannst.
Vom 13-Jährigen mit ersten Online-Einnahmen
- Nº 01·Tarek
Erster Computer mit 13 — Ballerspiele als Einstieg ins Unternehmertum
Tarek: „Ich bin 36, ich habe meinen ersten Computer mit 13 bekommen. Das kann die junge Generation gar nicht mehr nachvollziehen. Bis dahin dachte ich, Internet-Surfen ist wie ein Videospiel. Dann habe ich das gemacht, was die meisten kleinen Jungs zu der Zeit gemacht haben: Ballerspiele gezockt, Counter-Strike, Soldier of Fortune. Da hatte ich einen Clan und dann ging es darum, dass wir eine Website brauchten." Der Einstieg in die Tech-Welt vieler heute erfolgreicher Gründer war nicht ein Coding-Bootcamp — es war ein Multiplayer-Game und der Bedarf an einer Clan-Website. Diese rückblickend banale Tür ist die wichtigste der modernen deutschen Tech-Wirtschaft.
- Nº 02·Tarek
Der erste „Evil Plan" — Werbebanner auf der Clan-Website
Tarek: „Wir wollten einen Server für 5€ pro Monat mieten. Ich hatte beim Webseiten-Bauen gelesen, dass man Werbung einbauen kann und pro Klick irgendwie 5 Cent bekommt. Mein Evil Plan war: Ich baue Werbung ein, und dann klickt jeder im Clan jeden Morgen und Abend einmal drauf — wir kommen auf 3-5 € raus." Die Plan-Idee ist nicht das Bemerkenswerte — die ist heute Allgemeinwissen. Bemerkenswert ist der frühe Moment, in dem ein 13-Jähriger Geld als Mechanismus begreift, der manipulierbar ist. Das mentale Modell, das hier entsteht, prägt die nächsten 20 Jahre Unternehmertum.
- Nº 03·Tarek
Erster Aha-Moment: 1€ am ersten Tag — ohne dass der Plan umgesetzt war
„Da war 1€ Umsatz, obwohl ich meinen Evil Plan noch gar nicht umgesetzt hatte.”
Tarek: „Bin schlafen gegangen, habe meinen kleinen Cliquen darüber informiert, kam am nächsten Tag von der Schule, habe auf den Account geguckt — und da war 1€ Umsatz. Obwohl ich meinen Evil Plan noch gar nicht umgesetzt hatte, dass unsere Mitglieder draufdrücken." Die Wahrheit dahinter war noch wertvoller: Es kamen organische Google-Besucher, die den Content auf der Website gelesen und auf Werbung geklickt hatten. Diese Erkenntnis wird zum eigentlichen Geschäftsmodell — nicht der Klick-Hack, sondern das Erkennen, dass organischer Traffic über Suchmaschinen ein eigener Monetarisierungs-Vektor ist. Die Lehre für jeden Gründer: Der erste Cent kommt oft aus einem Mechanismus, den du nicht geplant hast — und genau dort liegt das skalierbare Geschäftsmodell.
Foren als Skalierungsmodell mit 13/14
- Nº 04·Tarek
Internetforen für 200-300€ kaufen, klonen, monetarisieren — das frühe Reddit-Hack
Tarek: „Mit 13 habe ich angefangen, Internetforen zu kaufen — die Pre-Reddits, die early Reddits, themenspezifisch, oft hinter dem Bekanntenkreis versteckt. Mein Konzept war: Diese Foren, die oft gar nicht monetarisiert waren, kaufe ich für ein paar hundert Euro. Per E-Mail-Verhandlung übers Impressum — meistens 200-300€. Dann klone ich den ganzen Inhalt, spiele den in den Google-Index, und das Forum bleibt für die Community werbefrei. Aber die kompletten Google-Besucher werden ins Suchmaschinen-Archiv geleitet, was voller Werbung ist." Das ist 2003 ein Skalierungs-Playbook gewesen, das heute mit AI in jeder Nische neu gespielt wird. Der Mechanismus — bestehende Community-Inhalte für SEO öffnen und parallel monetarisieren — ist universell.
- Nº 05·Tarek
1.000€ pro Forum pro Monat — bei Großhandelseinkauf 2-3 Foren = 6-9k MRR
Tarek: „Pro Monat habe ich mit jedem Forum so 1.000€ verdient. Das mit 13 — beziehungsweise 14, als das richtig lief. Das war alles das beste Leben eines 14-Jährigen — also für alle Jungs ausgeben." Witzig: Tarek lacht und korrigiert sofort: „Nee, ich habe das gar nicht angefasst. Das Geld war für mich wie in Sims. Wenn du in Sims 1.000€ auf dem Konto hast, fühlt sich das nicht an wie deine 1.000€." Wer früh viel verdient, ohne emotionale Verbindung zum Geld zu entwickeln, hat einen unsichtbaren Vorteil — er reinvestiert automatisch, statt zu konsumieren. Diese kindliche Distanz zum Geld als Spielwährung ist nicht Naivität, sondern eine Form von kapitalistischer Kompetenz, die viele Erwachsene erst Jahre später lernen.
- Nº 06·Tarek
Hamburger Sparkasse: „Digger, wer bist du eigentlich?" — der Bank-Berater entdeckt einen 15-Jährigen
„Digger, wer bist du eigentlich?”
Tarek: „Ich bin immer zur Hamburger Sparkasse gelaufen — anfangs mit 100$ Schecks aus Dublin, dann irgendwann mit mehreren tausend Dollar. Mit 15 meinte der Bankberater: ‚Digger, wer bist du eigentlich? Du hast irgendein Jugendkonto, dein Sparbuch — und jetzt diese anderen Schecks?' Ich sagte: ‚Ja, hier — Internet, Google.' Er sagte: ‚Klingt maximal gewerblich. Hast du einen Gewerbeschein?' Habe ich nicht. Mit 15 habe ich erkannt: Wenn ich nicht mit 16 wegen Steuerbetrug im Gefängnis landen will, sollte ich vielleicht mal ein Gewerbe anmelden." Die Lehre: Das Bestehende lernt deine Realität nur durch Friktion. Der Bankberater zwingt Tarek in die formale Welt. Solche Friktions-Momente sind oft die wertvollsten Lehrer — viel wertvoller als jeder Karriere-Coach.
Vom Forum zum eigenen Onlineshop
- Nº 07·Tarek
Der Pokerkoffer-Anruf — der erste E-Commerce-Aha-Moment
Tarek: „Mit 16 habe ich angefangen, die Anbieter abzutelefonieren, die auf meinen Foren werben. Der erste Call: Ich rufe einen Pokerkoffer-Shop an, im Stimmbruch. ‚Warum zahlen Sie 10 Cent für einen Besucher von mir?' Er erklärt mir: ‚Jeder zehnte, der von dir kommt, der konvertiert. Wir machen 20-30€ pro Bestellung.' Faktisch 2€ Kundenakquise-Kosten — und er verdient 10-20€ pro Besucher. Habe ich aufgelegt und dachte: Fuck. Ich kriege 10 Cent, und der macht 2€ Marge mit meinem Traffic." Die Erkenntnis verschiebt das ganze Geschäftsmodell. Wer auf der Werbe-Auszahlungsseite sitzt, lässt 95% des Wertes liegen. Wer auf der Verkaufsseite sitzt, fängt ihn ein. Diese eine Telefonkette ist die Geburt seines E-Commerce-Geschäfts.
- Nº 08·Tarek
Das systematische Onlineshop-Playbook: ebay × Google Trends × AdWords-Klickpreis
Tarek: „Irgendwann habe ich das strukturiert. Ich habe den ebay-Kategorie-Baum gezogen und gegen Google Trends geknallt — wo wachsen die Suchvolumen. Dann gegen AdWords gefiltert, wo der Klick-Preis am niedrigsten ist (Proxy für niedrige Konkurrenz). Und dort Onlineshops gestartet — Teleskope, Modellbau, Softairs, Shishas." Das ist die systematische Anwendung der Skill-Gap-Logik aus EP_012, aber auf einer Daten-Ebene. Statt zu raten, wo Gelegenheiten sind, baut Tarek einen quantitativen Filter: Wachstum × Niedrige-Konkurrenz × Eigenes Traffic-Potenzial. Wer ein Geschäftsmodell braucht, muss kein Genie sein — er braucht nur eine Datenpipeline und die Disziplin, sie regelmäßig zu durchsuchen.
- Nº 09·Tarek
Mit 17 — paar Millionen Umsatz, 54% Marge, paar hunderttausend € Gewinn
Tarek: „Mit 17 hatte ich noch ein paar Millionen Umsatz und immer 54% Marge — also paar hunderttausend Euro Gewinn im Jahr. Mein größtes Geschäft waren orientalische Wasserpfeifen, die ich in Ägypten produzieren ließ. Da hatte ich schon ein, zwei Millionen Umsatz mit den Wasserpfeifen." Die Zahlen sind nicht der Punkt — der Punkt ist, dass diese Geschwindigkeit existiert, wenn alle Hebel zusammenkommen: Eigene Distribution, eigene Marge, eigene Produktion. Die meisten 17-Jährigen wissen nicht, dass das überhaupt möglich ist. Wer es einmal erlebt hat, weiß für den Rest des Lebens, was machbar ist — und das verschiebt das innere Limit dauerhaft.
Der große Crash mit 18
- Nº 10·Tarek
Der Heiratsschwindler aus China — die Wasserpfeifen-Fabrik, die nie kam
Tarek: „Mit 18 wollte ich meine Produktion von Ägypten nach China verlagern. Eine chinesische Mitschülerin hat Leute abtelefoniert, wir fanden jemanden, der total seriös und bullisch aussah. Er sagte: ‚Pass auf, ich baue dir eine Fabrik in China für orientalische Wasserpfeifen.' Ich sah schon die Weltherrschaft vor meinen Augen. Habe relativ viel Geld hinüberwiesen, immer Fotos von Progress-Samples bekommen — sah mega aus. Dann war eine Maschine kaputt, noch ein bisschen Geld musste hin. Im Endeffekt bin ich auf den Scam reingefallen. Den Heiratsschwindler für Unternehmen — echt bitter." Die Lehre: Skalierung in unbekannte Geografien ist ein eigenes Spielfeld mit eigenen Räubern. Wer nicht physisch vor Ort ist, hat strukturell keine Kontrolle. Diese Lehre kostet Tarek faktisch sein gesamtes damaliges Vermögen.
- Nº 11·Tarek
Mit 18 vor dem Gerichtsvollzieher — von Millionär zu Pleite in einem Jahr
Tarek: „Da war ich in einer Mega-Krise und musste Onlineshop nach Onlineshop verkaufen, um die Löcher zu stopfen. Am Ende war ich kurz vor der privaten Insolvenz. Ich saß mit 18 vor dem Gerichtsvollzieher, weil er sagte: ‚Kollege, der Hahn ist abgedreht.' Mit 17 hatte ich noch paar Millionen Umsatz und 54% Marge — paar hunderttausend Euro Gewinn. Und mit 18 war ich plötzlich pleite. Ein gutes Learning, wie schnell das alles gehen kann." Wer einmal von ganz oben nach ganz unten gefallen ist, hat ein Asset, das man nicht kaufen kann — eine kalibrierte Vorstellung davon, wie schnell sich alles drehen kann. Diese Kalibrierung schützt für den Rest des Lebens vor zu großer Selbstgewissheit.
- Nº 12·Tarek
Agentur-Gründung als Rettungsmodell — Stunden × Stundensatz für die Schulden-Tilgung
Tarek: „Bin relativ schnell wieder rausgekommen, indem ich eine Agentur gegründet habe — weil ich schnell Geld brauchte. Festgestellt: Ich kann Online-Marketing, ich kann ein bisschen programmieren, oder ich hatte Leute, die Onlineshops bauen können. Habe ich nicht im pakt gegründet — daraus ist später auch noch eine Beratung iDrive entstanden. Bis heute eine der großen Digital-Beratungen, die sehr gut läuft." Die Notlage erzwingt das robusteste Geschäftsmodell. Eine Agentur ist Stunden × Stundensatz — kein Skalierungs-Hebel, aber sofortiger Cashflow. Wer pleite ist, braucht keine Skalierungs-Story; wer pleite ist, braucht Liquidität. Diese Klarheit über die Phase, in der man steht, ist eine Führungsentscheidung.
Macht das Schulsystem überhaupt Sinn?
- Nº 13·Tarek
Tarek: Schule zweimal abgebrochen — Kinder werden nicht in die Schule gehen
Tarek: „Ich habe zweimal die Schule abgebrochen, ich bin nicht stolz drauf. Einmal in der 12. Klasse rausgedroppt, dann 12 nochmal angefangen, dann nach der 12. Klasse — also zweimal die Schule abgebrochen. Großes Thema für mich: Ich werde meine Kinder nicht auf die Schule geben." Was an dieser Aussage radikal ist, ist nicht die Schul-Kritik — die ist alt. Radikal ist die Bereitschaft, die eigene Kindererziehung an die Konsequenz dieser Erkenntnis zu knüpfen. Die meisten kritisieren das System, schicken ihre Kinder aber trotzdem hin. Tarek nicht.
- Nº 14·Tarek
Opportunitätskosten: Was kannst du in 12 Jahren mit Kindern erreichen?
Tarek: „Für mich sind die Opportunitätskosten zu hoch. Wenn ich überlege, was du in 12 Jahren machen kannst — in Kombination aus Homeschooling, aber auch Sportgruppen für die sozialen Aspekte. Wir haben natürlich auch andere Chancen als die meisten — wir können Leute in ein Umfeld schicken." Die Opportunitätskosten-Logik ist die schärfste Schul-Kritik überhaupt. Wenn ein Kind in 12 Jahren mit gezieltem Homeschooling + Mentoring + reisen + Tools wie ChatGPT/Khanmigo/Robot-Tutoren signifikant weiter ist als das Schulsystem es bringen würde — dann ist die Schule nicht neutral, sondern aktive Wertvernichtung. Diese Logik gilt aber nur für Familien, die alternative Strukturen aufbauen können.
- Nº 15·Christian
Christians Modell: Mehrere Familien zusammen wohnen — wie früher in Stammorganisationen
Christian: „Ich finde absurd, dass du Kinder plötzlich nur unter Gleichaltrigen hast, mit 30 Stück aus unterschiedlichen Familien. Das ist prädestiniert für negative Erfahrungen. Wie hätte das früher funktioniert? Du hattest 6-10 Familien, die in einer Stammorganisation zusammen waren, alle befreundet, dann gucken automatisch die Kinder, dass sie sich nicht umbringen. Plus dreijährige mit zweijährigen, sechsjährige mit vierjährigen. Ich versuche das mit meinem Haus in Kapstadt — ich baue es immer größer und hole Freunde dazu, dass das soziale Umfeld stimmt." Die Anti-Schule-Lösung ist nicht Isolation — sie ist die bewusste Konstruktion einer alternativen Sozialstruktur. Das ist arbeitsintensiv und teuer, aber es ist konsistent mit der Kritik. Wer nur abmeldet, ohne die Sozialstruktur zu ersetzen, schadet seinem Kind.
- Nº 16·Tarek
Größte Herausforderung: Soziales Lernen, Frustration aushalten, Konstanz im Umfeld
Tarek: „Die größte Challenge wird sein: soziales Lernen, miteinander Probleme lösen, Frustration aushalten, Freundschaften aufbauen — Entwicklung über eine gewisse Konstanz, wenn du an einem Ort bist mit denselben Menschen. Das andere kriegst du als Content gerade in Naturwissenschaften viel viel besser, als es Schule heute jemals hinbekommen wird. Und dann ist die Frage: Was lernst du in der Schule — sind es Inhalte, oder ist es auch das Sich-Durchschlagen, ihre Serien, auch mal kassieren und austeilen auf dem Schulhof?" Die ehrliche Anerkennung, dass die Schule nicht nur Inhalte vermittelt, sondern auch eine Härte trainiert. Wer Kinder davon abschirmt, muss diese Härte alternativ herstellen — das ist nicht trivial.
Wie viel Leid ist nötig für Erfolg?
- Nº 17·Tarek
Tarek: Mobbing-Erfahrungen haben die Beweis-Fixierung entzündet
Tarek: „Ich hatte viel Mobbing-Erfahrung in der Schule. Aus heutiger Perspektive hat mich das stärker gemacht und auch das Ding in mir entzündet, dass ich mich immer beweisen will — was offensichtlich zu Erfolg führt. Aber wenn ich mir die Frage stelle: Möchte ich das für mein Kind? Wie viel Adversity ist die richtige Dosis für ein Kind, damit es gut funktioniert?" Die Frage ist nicht beantwortbar, aber sie muss gestellt werden. Die meisten Eltern wollen Leiden minimieren — aber wenn das Leiden eine Funktion hat (Beweis-Drang, Resilienz, Kalibrierung), dann ist die radikale Vermeidung selbst eine Form von Schaden. Diese Spannung ist die Eltern-Frage des 21. Jahrhunderts — und es gibt keine eindeutige Antwort.
- Nº 18·Christian
Migrantenkinder als Tech-Gründer-Cluster — der durchschlagende Faktor
Christian: „Viele der erfolgreichsten Tech-Unternehmen in den USA sind Migrantenkinder. Die sind angekommen, haben sich durchgeschlagen, viel Scheiße gefressen auf dem Weg dahin." Der empirische Befund ist eindeutig — Sergey Brin (Google), Elon Musk (Tesla/SpaceX), Jensen Huang (Nvidia), Satya Nadella (Microsoft), Sundar Pichai (Google), Eric Yuan (Zoom), die Stripe-Brüder. Das gemeinsame Muster ist nicht Talent (das gibt es überall) — es ist die Kombination aus „nicht zu Hause sein" + „etwas beweisen müssen" + „kein Sicherheitsnetz". Diese drei Faktoren produzieren systematisch eine Gründer-Persönlichkeit, die in einem behüteten Umfeld viel seltener entsteht.
Unfaire Hebel finden — die Anti-Hartarbeit-Lehre
- Nº 19·Christian & Tarek
„Unternehmer wollen so faul wie möglich arbeiten" — und so viel rausholen wie möglich
„Du willst eigentlich so faul wie möglich arbeiten und mit so wenig wie möglich den größten Output holen.”
Christian: „Man muss wissen: Unternehmer sind nicht die, die sagen ‚Ich will unbedingt hart arbeiten'. Nein — du willst eigentlich so faul wie möglich arbeiten und mit so wenig wie möglich den größten Output holen. Weil nur von hart arbeiten kommt halt nichts. Es muss diese unfairen Hebel geben." Tarek bestätigt es sofort: „Im Abi-Jahrgangsbuch — in der Kategorie ‚der Faulste' hätte ich gewonnen, ohne Witz." Die kulturelle Erzählung „erfolgreiche Unternehmer arbeiten 80 Stunden pro Woche" verfehlt die Pointe. Erfolgreiche Unternehmer suchen nach Hebeln, die ein zusätzliche Stunde Arbeit überflüssig machen — weil eine Stunde mit Hebel mehr produziert als 100 Stunden ohne.
- Nº 20·Tarek
Tareks Hack-Kette: Google → Facebook → Instagram (About You) → was kommt als nächstes?
Tarek: „Ich habe relativ schnell das Google-Ökosystem gehackt. Dann bin ich auf Facebook gesprungen — habe eine Facebook-Marketing-Agentur gegründet, die StudiVZ-Gruppen in Facebook kopiert. Und About You kann man in gewisser Weise sagen ist auch ein Instagram-Hack gewesen — mit Influencer-Marketing." Jede Plattform hat ein zeitliches Fenster, in dem ihre Mechanismen noch nicht von allen verstanden sind. Wer dieses Fenster konsequent identifiziert und durchstößt, baut einen Vorsprung auf, der danach nicht mehr aufzuholen ist. Heute ist die Frage: Was ist das nächste Ökosystem? AI-Agents, TikTok-Shop, vertical AI für klassische Branchen — die Logik ist immer dieselbe.
- Nº 21·Christian
Lektionen aus anderen Märkten übertragen — USA→Deutschland, Bodybuilding→Mainstream
Christian: „Eine der wichtigsten Lektionen — das gilt für Content wie für alles. Ich habe sehr früh Kontakt gehabt mit Leuten, die YouTube-Kanäle in Deutschland aufgebaut haben. Die haben gesagt: ‚Wir gucken, was in den USA funktioniert, suchen jemanden, der das in Deutschland macht.' Bei More: Du nimmst die Lektionen aus dem Hardcore-Bodybuilding — Kalorien-Defizit, Proteine — und überträgst es auf den Mainstream. Plötzlich hast du ein Game, das vorher nur von Almased dominiert wurde." Cross-Market-Arbitrage ist der zuverlässigste unfaire Hebel. Wer gleichzeitig in zwei Märkten lebt (geografisch oder thematisch), hat einen Informationsvorsprung, der schwer zu kopieren ist — weil die meisten Leute nur in einem Markt zu Hause sind.
Die Höhle-der-Löwen-Diskussion
- Nº 22·Tarek & Christian
Tarek hat Höhle der Löwen abgelehnt — kein Bullshit-Detector in der Jury
Tarek: „Ich habe abgelehnt. Was fehlt, ist jemand in der Jury, der Bullshit-Produkte detected. Klartext. In der US-Jury hat Mark Cuban bei einigen Produkten die Pitches basic-research-mäßig gegrillt — einfach Statistik gefragt: ‚Über ihre Kunden, ihre Produkte, was ist gemessen, welcher Zeitraum?' Irgendwie scheint das in der deutschen Jury keinen zu interessieren. Hey, ist das eigentlich ein gutes Produkt? Es weiß keiner, was geile Produkte können." Christian ergänzt: „Viele Produkte sind ein offensichtlicher Cash-Grab — Hello Body als Beispiel: Show wird abgefilmt, Sachen werden investiert, dann gibt's den Draht in den DH rein, fertig." Die Lehre für Pitcher: Wer auf Basic-Research-Fragen keine Antworten hat, hat kein Geschäft, das Investment verdient.
- Nº 23·Tarek & Christian
These: Die deutsche Jury ist nicht kompetent genug
Tarek: „Auf die Gefahr, dass ich mich darüber unbeliebt mache — ich würde die These aufstellen, dass viele Leute in der deutschen Jury auch nicht kompetent genug sind, das beurteilen zu können. Die US-Sendung besteht aus wirklich Reichen, wirklich Erfolgreichen — das würde ich bei der deutschen Jury ein bisschen in Frage stellen." Plus Christian: „Bei den ersten Jurys war es so ein bisschen adverse Selektion." Wer keine Skin in the Game hat, hat selten kalibrierte Urteile. Wer in der Jury sitzt, ohne selbst je einen 9-stelligen Exit gemacht zu haben, kann den Pitch eines Skalierungs-Geschäfts nicht ernsthaft beurteilen — weil er den Maßstab nicht hat. Das schadet der Sendung als Marktsignal.
Aus den Schulden raus — Agentur als Rettung
- Nº 24·Tarek
20 Stunden am Tag — Stunden × Stundensatz als einziger Weg raus
Tarek: „Da habe ich gefühlt 20 Stunden am Tag gearbeitet, weil das war ja Stunden-Game — Stunden mal Stundensatz gleich Geld. Das skaliert mit Stunden, und ich musste schnell aus meinen Schulden raus. Riesen Miete, Flyer-Rechnungen, alles musste bezahlt werden. Wenn da eine gute Fee gekommen wäre und gesagt hätte ‚Ich entbinde dich von deinen Problemen, dafür darfst du nie wieder ein Unternehmen gründen' — hätte ich vielleicht sogar ja gesagt." Die ehrliche Beschreibung dessen, was wirkliche Existenzangst macht — sie zerstört temporär den Gründer-Drang. Wer das einmal überstanden hat, hat eine andere Resilienz für den Rest des Lebens.
- Nº 25·Tarek & Christian
Verdrängung wie bei Peter Zwegat — Briefe nicht mehr aufmachen
Tarek: „Es war ein Mittelding aus: Ich habe selbst nicht realisiert, in wie großem Scheiß ich sitze. Plus genau das, was Peter-Zwegat-Schuldner machen — fangen an, Briefe nicht mehr aufzumachen. So eine Verdrängung. Plus dafür sorgen, dass niemand mitbekommt — meine Eltern wussten nichts. Heißt: Du bist alleine mit dem Problem." Christian zur Methode: „Ich finde es total sinnvoll. In so einer Situation weißt du, dass das Problem existiert. Du musst nicht jeden Tag nachschauen, wie groß es ist. Das einzige, was du wirklich tun musst, ist an der Lösung arbeiten." Aktive Selbst-Information über das Problem ist oft kontraproduktiv. Was hilft, ist Action — der nächste Schritt in Richtung Lösung, nicht der nächste Blick auf die Wunde.
Ups & Downs als Unternehmer meistern
- Nº 26·Tarek
Tareks Börsengang 2021: 23 Uhr im Bett, kein Feiern
Tarek: „Wenn Sachen total gut laufen — als wir unseren Börsengang 2021 gemacht haben, lag ich um 23 Uhr im Bett und bin schlafen gegangen. Es ist nicht das übertriebene Feiern von Erfolgen, das versuche ich zu vermeiden. Aber auch nicht das übertriebene Niedergeschlagen-Sein. Ich versuche, meinen Gemütszustand auszubalancieren — wissen, dass es immer ein Rollercoaster ist." Wer Erfolg übertrieben feiert, verliert die Energie für die nächste Phase. Wer Misserfolg übertrieben tragisch nimmt, lähmt sich für den Wiederaufstieg. Die operationale Mitte ist nicht emotionale Kälte — sie ist eine bewusste Energie-Allokation.
- Nº 27·Tarek
Marathon-Mentalität: 5 Min Sprint + 5 Min Gehen funktioniert nicht
„Man kann keine Pace halten, wenn man permanent in den Extremen ist.”
Tarek: „Du kannst einen Marathon nicht gewinnen, indem du 5 Minuten sprintest und 5 Minuten gehst. Du musst dein Pace halten. Man kann keine Pace halten, wenn man permanent in den Extremen ist — emotional oder anders. Das ist ja auch nicht gesund." Die Marathon-Analogie ist fundamental. Wer im Sprint-Modus arbeitet, brennt aus. Wer in den emotionalen Höhen und Tiefen lebt, verbraucht Energie, die für die langen Strecken fehlt. Konsistenz ist nicht das Gegenteil von Intensität — sie ist die Bedingung dafür, dass Intensität über Jahre tragbar bleibt.
- Nº 28·Christian & Tarek
Christians zwei Methoden: Vorwärtsbewegung vs. Worst-Case-Durchspielen
Christian erklärt zwei Methoden, mit Stress umzugehen. Methode 1 (von seinem Vater): „Wenn wir ein großes Problem haben, was du nicht abschichten kannst — was könnte der erste Schritt in die richtige Richtung sein? Etwas, das uns nicht näher zum Problem bringt, sondern weiter weg davon." Tarek macht Methode 2: „Worst-Case-Szenario-Thinking. Ich gehe einmal so durch — was ist das Schlimmste, was passieren kann, und spiele das Szenario komplett durch. Meistens ist es dann nicht so schlimm. Wenn es richtig schlimm ist, vielleicht 80% von Worst Case — und dann bist du schon vorbereitet." Beide Methoden produktivieren Angst. Welche besser passt, hängt vom Charakter ab — aber den Stress nur passiv aushalten ist die schlechteste aller Optionen.
- Nº 29·Christian
Biologie: Forward Movement reduziert Stress
Christian: „Aus der Biologie kannst du eine interessante Lektion ziehen — was kannst du tun, um Stress zu reduzieren? Tatsächlich Forward Movement. Wirklich nach vorne laufen, Bewegung. Stumpf, wie das auch klingen mag." Diese Erkenntnis ist evolutionär — der Stress-Response des Körpers ist auf Flucht oder Angriff gepolt, also auf Bewegung. Wer in Stress sitzt und nichts tut, hält die physiologische Anspannung aufrecht. Wer geht/läuft/handelt, verbrennt das Stresshormon. „Vor mehr Bewegung — und sei es nur ein Spaziergang" ist nicht Lifestyle-Advice, es ist physiologisch begründet.
Partys im Lager mit 17
- Nº 30·Tarek
150-200qm zweite Etage gratis dazu — die Werkstatt-Kommune
Tarek: „Ich hatte eine alte Werkstatt als Lager gemietet. Das haben wir bei der Besichtigung gar nicht gecheckt — es gab noch eine Etage darüber, völlig unnutzbar, deswegen umsonst dazu. 150-200 Quadratmeter. Da haben dann 10-15 Leute jeden Tag geschlafen. Der Deal war: Wenn du da geschlafen hast, musstest du dafür Pakete packen — das war die Miete. Faktisch zwei, drei, vier Jahre habe ich in einer Art Kommune gelebt, mit 10-15 Jungs." Wer in jungen Jahren so lebt, hat einen Kosten-Vorteil, der Skalierung zulässt. Plus eine Loyalitäts-Bindung im Team, die in keinem Corporate-Setup reproduzierbar ist. Plus eine Belastbarkeit gegen Geräusche und Chaos, die für den Rest des Lebens hält.
- Nº 31·Tarek
Sprinter ausräumen, Matratzen rein, nach Amsterdam — die wilde Zeit
Tarek: „Wir hatten nur eine Toilette, sind ins Freibad. Aber dann hatten wir auch jeden Freitag und Samstag ordentliche Partys. Ich hatte Sprinter — die haben wir am Wochenende ausgeräumt, Matratzen rein und sind nach Amsterdam gefahren." Tarek über die paradoxe Wahrheit der Phase: „Es war eine extrem geile Zeit, trotz aller Probleme. Sehr wild und sehr geil — auch da hatte das schon Höhen und Tiefen." Wer früh extrem lebt, baut emotionale Bandbreite auf, die in normalen Lebensläufen fehlt. Das ist kein Argument für Selbstzerstörung — aber ein Argument dafür, in jungen Jahren intensiv zu leben, wenn die körperliche und mentale Robustheit es noch trägt.
Wie About You wirklich entstand
- Nº 32·Tarek
Mit 22 in den USA: Couchsurfing, New York, Miami, San Francisco
Tarek: „Mit 22 hatte ich meine Online-Shops und Beratung — alles lief sehr gut. Aber ich war so ‚Okay, und jetzt so?' Bin nach Amerika gereist, eigentlich für eine Konferenz, aber vier Wochen früher eingereist. Couchsurfing — das gibt's heute kaum noch. Du konntest bei Leuten auf der Couch pennen. Habe mich von New York über Miami nach San Francisco bewegt." Wer im richtigen Lebensmoment in die richtige Stadt geht, beschleunigt sein Lebensskript um Jahre. Tarek geht 2012/2013 nach SF — am Höhepunkt des Web-2.0-Optimismus, als das Ökosystem noch klein genug war, dass man die Leute physisch traf.
- Nº 33·Tarek
„Sie haben auch nur mit Wasser gekocht" — die Demystifizierung des Silicon Valley
Tarek: „Es war für mich der größte Film. Pizzaladen, Jira-Typ neben mir, da reden welche über Millionen, Milliarden, Weltherrschaft. Habe ein paar von denen über Couchsurfing kennengelernt — Airbnb-Typen, Square-Typen. Und dann fand ich: Die haben auch nur mit Wasser gekocht. Beim Online-Marketing hatten sie teilweise weniger Plan als ich. Aber sie waren auf einem komplett anderen Film unterwegs — Expansion, Millionen, Millionen-Millionen." Diese Demystifizierung ist der eigentliche Wert eines Silicon-Valley-Aufenthalts. Nicht die Technologie, nicht die Investoren — die Erkenntnis, dass die Leute, die das alles bauen, Menschen sind. Das verschiebt das innere Limit dauerhaft.
- Nº 34·Tarek
Zurück mit klarer Vision: „Etwas bauen, was jeder in Deutschland benutzt"
Tarek: „Hat mich total abgeholt. Ich kam wieder und war so okay — ich muss viel größer denken, viel besser. Ich war 22. Mein Ziel war, etwas zu bauen, was jeder in Deutschland benutzt. Dann war für mich klar: Es gibt nur Mode und Food — die zwei Sachen, für die jeder Mensch Geld ausgibt. Und Mode war damals digitalisiert weiter als Food." Die Top-Down-Logik der Markt-Wahl ist viel rationaler als die Bottom-Up-Logik („Ich will Gründer werden, aber wofür?"). Wer mit der Frage anfängt „Was nutzt jeder?", landet automatisch bei großen Märkten. Was bleibt, ist die operationale Frage — wo ist das Ökosystem reif für eine neue Welle.
- Nº 35·Tarek
Otto Group hat seine Beratung mandatiert — daraus entstand About You
Tarek: „Die Otto Group hatte meine Beratungsfirma mandatiert, das ging ein, zwei Jahre hin und her. Daraus ist im Grunde About You entstanden — die Otto Group hat Bereitschaft signalisiert, in diesem Bereich zu investieren. Mir war klar: Wenn ich was Großes bauen will, brauche ich einen Investor. Ich hatte zu der Zeit nur mit eigenem Geld gearbeitet — aber für den Aufbau eines Online-Mode-Shops gibt es keine Möglichkeit zu bootstrappen." Die Lehre: Eine Beratung ist mehr als Cashflow — sie ist auch ein Vertrauens-Aufbau-Mechanismus für Investoren. Wer der Otto Group zwei Jahre lang Wert geliefert hat, hat eine Glaubwürdigkeits-Reserve, die ein normales Startup-Pitch nie hat. Beratung als Pre-Investment-Trust-Building ist eine unterschätzte Strategie.
Mode-Plattform vs. eigenes Markenmodell
- Nº 36·Tarek
About You: 800.000 Artikel, Vorfinanzierung, Logistik, Marketing — kapitalintensiv
Tarek: „About You ist quasi in deinem Geschäftsmodell ein bisschen schlauer gelöst — du hast nicht 800.000 verschiedene Artikel zu listen. Wir müssen Stückzahlen direkt allokieren, Ware vorfinanzieren, Logistik vorfinanzieren — nicht wie bei dir, dass die Leute bestellen und dann finanzieren. Das ging in der Mode nie. Plus: Du bekommst die großen Supplier nur mit Volumen, du kriegst das Volumen von Kunden nur mit Volumen — Henne-Ei-Probleme. Sehr viel Infrastruktur Logistik, Marketing, Kundenakquise. Deswegen war klar: Für dieses Geschäftsmodell braucht man Kapital." Das vorfinanzierte Plattform-Modell ist nicht besser oder schlechter als das eigene-Marken-Modell — es ist anders kapitalintensiv. Wer die Wahl hat, sollte das Modell mit der niedrigsten Kapitalbindung wählen, weil Kapital der teuerste Hebel ist.
- Nº 37·Tarek
Tareks Trend-Erkenner-Mentalität: Nie eine Wasserpfeife geraucht, nie Pokerregeln gelernt
Tarek: „Mode habe ich nicht aus einer Passion gewählt. Wenn überhaupt, eine Passion für Online-Marketing und E-Commerce. Die Kategorie war mir egal. Ich habe noch nie eine orientalische Wasserpfeife geraucht, hatte nicht mal die Pokerregeln, bevor ich Pokerkoffer verkauft habe — ich weiß bis heute nicht, wie man ein Teleskop aufbaut. Ich habe Millionen mit Teleskopen gemacht. Mich faszinieren die Mechanismen — Conversion Rate, Akquisition. Was am Ende für ein Produkt da steht, ist relativ egal." Diese Trennung von Produkt und Mechanismus ist ein eigenständiger Lebensentwurf — viel mehr Freiheit, viel mehr Skalierbarkeit, weniger emotionale Bindung. Christians Modell (Passion + Marke + Produkt) ist nicht überlegen — es ist eine andere Wahl. Beide funktionieren.
Warum About You an die Börse ging
- Nº 38·Tarek
2018 zum ersten Hamburger Unicorn — dann musste Liquidität her
Tarek: „2018 haben wir die zweite Finanzierungsrunde gedreht, da wurden wir zum ersten Hamburger Unicorn. Es war klar — wir müssen für unsere Investoren diese Anteile liquide machen. Wir hätten auch Private Equity machen können — meine Tendenz war, noch eine PE-Runde zu drehen. Damit hättest du auch dafür gesorgt, dass Mitarbeiter-Anteile durch Secondaries liquide werden. Lass es noch deutlich größer werden — meine Überzeugung damals war, dass wir noch zu klein sind." Die Entscheidung Börse vs. PE ist keine Routinefrage. Wer zu klein an die Börse geht, wird zur Geisel der Free-Float-Mechanik. Das hat About You später hart getroffen — Tareks ursprüngliche Intuition war richtig.
- Nº 39·Tarek
Der Fehler: Nur 15% Free-Float — die Negativspirale beginnt
Tarek: „Den Fehler, den wir gemacht haben: Wir haben zu wenig Anteile an die Börse gebracht. 15% — minimal mehr als du musst (10% ist das Muss). Über die Zeit haben wir noch ein bisschen geflutet, aber unser echter Free Float blieb bei 15%. Und wenn deine Bewertung dann runtergeht (und unsere Industrie hat 90% an Wert verloren), dann wird der Wert des Free Floats so gering, dass die Aktie nicht mehr wirklich gehandelt wird. Du fliegst aus den Indizes — wir sind aus dem MDAX geflogen." Die Lehre für jeden zukünftigen IPO: Free Float ist nicht ein nettes Detail — er ist die strukturelle Voraussetzung dafür, dass die Aktie überhaupt funktioniert. Wer zu wenig Free Float hat, fliegt aus den Indizes raus → weniger Fonds dürfen kaufen → weniger Liquidität → noch weniger Fonds → Spirale nach unten.
- Nº 40·Tarek
DAX/MDAX-Mechanik: Indizes hängen am Free Float, nicht am Unternehmenswert
Tarek: „Was bist du in DAX 40, MDAX oder SDAX? Das hängt nicht am Unternehmenswert, sondern am Wert des gehandelten Free Floats. Public Market Fonds haben mit ihren Investoren die Absprache, in liquide Assets zu investieren. Eine Firma an der Börse ist nicht per se ein liquides Asset — sie ist nur eines, wenn genug Drehung erfolgt. Wenn nicht, können viele Fonds nicht reinkommen, weil sie nicht schnell genug rauskommen würden." Diese Mechanik ist für die meisten Privatanleger unsichtbar, aber sie steuert wesentlich den Aktienkurs. Wer in Small-Caps investiert, sollte verstehen, dass technische Faktoren wie Free Float und Index-Zugehörigkeit kursbestimmender sein können als Unternehmens-Performance.
Long/Short-Strategien der Hedgefonds
- Nº 41·Tarek
US-Hedgefonds happy obwohl Kurs fällt — die Long/Short-Mechanik
Tarek: „Ich habe irgendwann angefangen, die Camera so mega happy reinkommen zu sehen — und dabei ist unser Kurs die ganze Zeit runtergegangen. Sie waren mega happy, mega zufrieden mit uns. Ich war: Warum seid ihr so zufrieden? Sie haben mir erklärt: In Amerika hat sich das Bewusstsein durchgesetzt, dass der Mensch nicht gut darin ist, makroökonomische Trends vorherzusagen. Ob die Industrie in Summe gut läuft. Aber der Mensch ist viel besser darin zu sagen: Ist Unternehmen A besser als B?" Diese Erkenntnis hat das Investment-Game in den USA strukturell verändert — und ist einer der wichtigsten finanzwissenschaftlichen Befunde der letzten 20 Jahre.
- Nº 42·Tarek
Die Hedgefonds-Logik: 5 Long, 5 Short — Industrie-Risiko rausgenommen
Tarek: „Sie schicken ihre Portfolio-Manager los: ‚Es gibt 15 Unternehmen, die weltweit Online-Mode verkaufen — guck einfach, wer sind die 5 besten und wer sind die 5 schlechtesten? Dann gehst du auf die 5 Long, auf die 5 Short. Es ist egal, was mit der Industrie passiert — sie kann sich verdoppeln oder halbieren. Solange du richtig lagst, dass A sich besser entwickelt als B, verdienst du Geld.' In jeglicher Volatilität verdienst du Geld — und du nimmst die Makro-Risiken einmal raus." Diese Strategie produziert relativ stabile Rendite — auch in fallenden Märkten. Sie ist der Grund, warum US-Hedgefonds-Performance über lange Zeit stabiler ist als reine Long-Only-Fonds. Für Privatanleger nicht direkt umsetzbar, aber konzeptuell: Vergleiche immer relativ, nicht absolut.
Was Börse macht — Disziplin & harte Wahrheiten
- Nº 43·Tarek
Quartals-Rechenschaft tritt im Arsch — und das ist gut so
Tarek: „In der USA gibt's eine große Debatte — viele Menschen sagen, Unternehmen sollten irgendwann an die Börse, weil es dich diszipliniert. Dieses Rechenschaft-Ablegen einmal im Quartal kann man scheiße finden, aber es tritt dir in den Arsch. Und dieses Jeden-Tag-den-Kurs — das tritt dir in den Arsch." Wer privat ist, kann sich die Welt schönreden — Tarek beschreibt explizit das Phänomen vieler Berliner Startups, die sich an Bewertungen aus 2021 festklammern. An der Börse ist das nicht möglich — die Realität konfrontiert dich täglich. Diese Härte ist nicht angenehm, aber sie ist das genaueste Korrektiv für Selbstbetrug.
- Nº 44·Tarek & Christian
Die anonymen Mal-Reich-Gewesenen in Kapstadt — Liquidations-Preference-White-out
Tarek: „In Kapstadt — der Club der anonymen Mal-Reich-Gewesenen. Wie viele Founder rumlaufen, die 2020/2021 dachten, sie sind 100, 200, 300 Millionen schwer — und 2 Jahre später haben sie 0 Equity-Wert mehr, weil eine Liquidations-Preference-White-out gibt." Christian erklärt das Mechanismus-Detail: „Du bekommst eine 1-fache Liquidations-Preference. Investor gibt 100 Millionen zu 1-Mrd-Bewertung (10%). Wenn die Firma für 1 Mrd verkauft wird, bekommt der Investor zuerst 100 Millionen wieder. Bei Multiples (2x, 3x Liquidations-Preference) wird die Sache absurd: Bei 300 Millionen Liq-Pref und Verkauf für 100 Millionen — der Investor kriegt 100, der Gründer kriegt 0." Was an der Bewertung gehalten wird, ist das PR-Narrativ. Was den Gründer reich macht, ist die Cap-Table-Mechanik. Beides sind völlig verschiedene Welten.
- Nº 45·Tarek
Mitarbeiter sind in der Nahrungskette zuletzt — auch steuerlich benachteiligt
Tarek: „Die Mitarbeiter sind die Letzten in der Nahrungskette und steuerlich extrem benachteiligt. Im Berliner Startup-Milieu laufen viele Mitarbeiter rum, die noch glauben, ihre Anteile sind was wert — aber dieses Common-vs-Preferred-Shares-System nicht verstanden haben. In Deutschland ist es ein bisschen gefixt, aber in Österreich kompletter Mist." Mitarbeiter-Equity ist in Deutschland und Europa strukturell schlechter behandelt als in den USA — sowohl rechtlich (in der Liquidations-Hierarchie) als auch steuerlich (als Lohnsteuer statt Kapitalertragsteuer). Wer als Mitarbeiter Equity nimmt statt Cash, sollte diese Benachteiligungen verstehen, bevor er Anteile als Vermögensbildung einplant.
Modeindustrie-Crash und Konsolidierung
- Nº 46·Tarek
Mode-Industrie hat 90% an Wert verloren — der perfekte Sturm
Tarek: „Unsere Industrie hat 90% an Wert verloren von 2021 zu heute. Asos war mal 20 Milliarden wert, jetzt 0,8 Milliarden. Hat Group war 10 Milliarden, jetzt 200 Millionen. Unglaublich, wie viel Wert vernichtet wurde. Es war eine Kombination — Ukraine-Krieg → Energiepreise → disposable Income der Konsumenten extrem geschrumpft. Plus: Nach Corona haben Leute mehr offline eingekauft als vorher (psychische Gegenreaktion). Plus: Neue chinesische Konkurrenz mit Shein und Temu, die regulatorische Lupholes nutzen." Mode ist ein extremer Volatilitäts-Markt — gut wenn die Wirtschaft läuft, brutal wenn sie kippt. Wer in solchen Märkten investiert ist, sollte das auf der Rechnung haben.
- Nº 47·Tarek
Shein/Temu-Loophole: Pakete unter 150€ kommen zollfrei nach Europa
Tarek: „Es gibt eine sogenannte Grenze — unter 150€ kannst du Pakete einführen, ohne Zoll zu bezahlen. Das war früher egal, weil man dachte: Wenn Konsument an Konsument ein Paket schickt, machen wir keinen Zoll-Prozess. Mittlerweile kommen 4,7 Milliarden Pakete pro Jahr aus China nach Europa. Das ist Abuse des Systems. Sie subventionieren ihre Konkurrenz quasi mit 20-30%. Wenn wir 20-30% Rabatt geben, ist das 85% unseres Umsatzes." Diese regulatorische Asymmetrie ist ein politisches Versagen mit milliardenschweren wirtschaftlichen Folgen. Wer in einer Industrie tätig ist, die strukturell unter regulatorischen Asymmetrien leidet, sollte das aktiv kommunizieren — nicht als Selbstmitleid, sondern als Forderung an die Gesetzgeber.
- Nº 48·Tarek
Zalando-Merger: Logistik + Payment zusammenlegen → 100 Mio €/Jahr Synergien
Tarek: „Beim Merger bleiben About You und Zalando beide bestehen. Wir wollen wesentliche Synergien heben: Logistik zusammenlegen (4 unsere + 15 Zalando-Standorte = 19, mehr Verhandlungsmacht gegenüber DHL/Hermes), Payment-Lizenzen zusammenlegen, Operations bündeln. Allein darüber sparen wir über 100 Millionen pro Jahr." Plus: Die gemeinsame Gruppe macht über 500 Millionen EBIT — die zusätzlichen 100 Millionen sind 20% Steigerung. Konsolidierung ist nicht romantisch, aber in Industrien, die unter Skala leiden, ist sie oft die einzige rationale Antwort. Wer das früh erkennt und proaktiv handelt, verhandelt aus stärkerer Position.
Scayle als zweites Standbein
- Nº 49·Tarek
Scayle: Shopify für Erwachsene — der dritte Player neben SAP & Salesforce
Tarek: „Scayle ist unser Software-Offering. Shopify ist für die kleineren, simpleren Online-Shops — Beyond Cast wie ihr seid riesig, aber simpel. Sobald du komplexer wirst, kommt Shopify an Grenzen. Diese Unternehmen landen im Enterprise-Segment bei SAP oder Salesforce — die zwei Marktführer. Wir sind jetzt der dritte im Bunde, mit deutlich modernerem Software-Stack. Über 200 Online-Shops laufen auf uns: Snipes, Deichmann, Harrods, Babymarkt, Fielmann, ATU." Wer ein hochskaliertes operatives Geschäft betreibt, hat einen unterschätzten Asset — die Software dahinter. Wer das Asset extrahiert und als SaaS verkauft, baut ein zweites Geschäftsmodell mit fundamental anderen Margen. Diese Strategie hat bei AWS funktioniert (bei Amazon), bei OnePay (bei Walmart), und jetzt bei Scayle (bei About You).
- Nº 50·Tarek
40-50% EBIT-Marge — SaaS schlägt E-Commerce um Längen
Tarek: „Geschäftsmodell ist wie Shopify — wir bekommen einen prozentualen Anteil vom Umsatz. Das ist extrem profitabel — die Software ist entwickelt, die Hosting-Kosten sind gering. Wir haben da eine EBIT-Marge von 40-50%." Im Vergleich: E-Commerce-Margen liegen oft im einstelligen Bereich. Software-Margen liegen bei 40-50% (oder höher, bei reinen SaaS-Modellen ohne Implementierungs-Service). Wer den Übergang von operativem Geschäft zu Software-Geschäft schafft, verändert die fundamentale Ökonomie seines Unternehmens. Genau deshalb ist Scayle für die Bewertung der Gruppe wichtiger als der Mode-Umsatz.
Wann ist man als Gründer „fertig"?
- Nº 51·Tarek
Tarek: Erster, der rausgeht, wenn er nichts mehr beitragen kann
Tarek: „Ich bin der erste, der rausgeht, wenn ich oder jemand anders das Gefühl hat, du brauchst dich hier nicht mehr. Ich hänge gar nicht an meinem Stuhl — ich kann mir viele Sachen vorstellen, die ich machen würde, wenn ich mehr Zeit hätte. Ich habe immer noch das Gefühl, dass dieses Unternehmen ein bisschen zu fragil ist, um es jetzt in andere Hände zu geben. Aber wenn das nicht mehr der Fall ist, bin ich der erste, der den Schlüssel rausgibt." Die Bereitschaft, das eigene Unternehmen abzugeben, ist eine Form von Gesundheit. Gründer, die sich an ihrer Position festklammern, schaden ihrem Unternehmen — weil sie irgendwann nicht mehr der Beste für die Phase sind, in der das Unternehmen sich befindet. Self-Awareness über das eigene Auslaufdatum ist eine seltene und wertvolle Eigenschaft.
- Nº 52·Tarek
11 Jahre und das Unternehmen ist immer noch zu fragil — Gründer-Nimbus in Transition
Tarek: „Selbst nach 11 Jahren — das Gefühl, dass dieses Unternehmen immer noch zu fragil ist. Ich bin in jedem Scheiß drin, frontline obsessed. Aber ich freue mich auch auf mein After-Life. Gerade in dieser Transitions-Phase ist es nicht schlecht, wenn die Gründer noch an Bord sind — du kommst mit einem anderen Nimbus rein. In Umbruch-Phasen oder bei ganz neuen Dingen ist das hilfreich." Die psychologische Wahrheit, dass Gründer einen Status haben, den eingestellte CEOs nie haben — auch nicht erfolgreiche. In stabilen Zeiten ist das egal. In Krisen oder Transitionen ist es ein realer operativer Vorteil. Deshalb hängen erfolgreiche Gründer oft länger als rational, dabei aber nicht aus Eitelkeit, sondern aus operativem Wert.
Die Matrix hacken ist kein einmaliger Akt. Du hackst Google, dann Facebook, dann Instagram, dann den nächsten Kanal — und dazwischen scheiterst du, gehst pleite, baust wieder auf. Das ist nicht Karriere. Das ist Handwerk.
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