Vom Immobiliencrash zur Factory – Udo Schloemer im Gespräch
Worum es geht
Udo Schloemer ist einer der Unternehmer, die Deutschlands Startup-Landschaft physisch geformt haben: Die Factory Berlin — über 20.000 Quadratmeter, mehr als 4.000 Mitglieder, 19 Prozent aller deutschen digitalen Startups wurden hier gegründet. Aber die Factory ist das zweite Leben eines Mannes, der zuvor einer der bedeutendsten Denkmal-Projektentwickler Deutschlands war und sein Portfolio 2006 an Lehman Brothers verkaufte.
Der Deal sollte 100 Millionen bringen. 12,5 flossen. 87 kamen nie — weil Lehman zwei Jahre später pleiteging. Und genau dieser Moment machte Udo reicher als der ursprüngliche Verkaufspreis: Ein Anwaltstrick, eine gespiegelte Vertragsklausel und eine Million Euro in London haben ihm das gesamte Immobilien-Portfolio von Lehman zurückgegeben — komplett steuerfrei, drei Monate vor einer kritischen Gesetzesänderung.
Im Gespräch mit Eric und Christian spricht Udo so offen wie nur wenige Unternehmer in Deutschland: über den Grenznutzen von Geld, warum seit Corona Gesetze schärfer angewandt werden, warum 40 Millionen Fördermittel an albanische Schul-Kopisten gehen während seine eigene Frau drei Jahre um die Zulassung einer Schule kämpft, warum er in 2 Jahren einen Welt-Umbruch durch KI erwartet — und warum Berlin das einzige reale Asset Nachtleben hat, von der Politik aber nicht verstanden wird.
Was du mitnehmen kannst.
Die Lehman-Story: Anfang, Deal, 100M auf dem Papier
- Nº 01·Udo
Seit 1998 Denkmal-Immobilien in Berlin — Family Offices als Kunden, hochspezialisierte Nische
Udo Schloemer hat vor Berlin in Leipzig und Hamburg Immobilien gemacht, seit Jahrzehnten. 1998 zog er nach Berlin und entwickelte Denkmal-Objekte für Family Offices — Einkauf, Sanierung, Verkauf. Die Rahmenbedingungen waren günstig: niedrige Zinsen, hohe Denkmal-Abschreibung, steuerliche Vorteile machten den Verkauf einfach. Der Einkauf und die Sanierung selbst waren der komplexe Teil. „Wir haben viel Lehrgeld bezahlt, sind aber gut über die Runden gekommen."
- Nº 02·Udo
Basel II 2002: Banken wollten das Eigenkapital von 10% auf 30% erhöhen — fast der Exitus
Udo bewegte damals mit 10 Prozent Eigenkapital 300–400 Millionen. Die Basel-II-Regulierung änderte den Bewertungsmaßstab: nicht mehr Verkaufswert, sondern Ertragswert. Das bedeutete effektiv weniger Kredit für denselben Wert. Eine Übergangsfrist rettete: Mehrfamilienhäuser im Bestand durften noch nach Sachwert bewertet werden. Also hielten sie einige Objekte selbst — nicht aus Strategie, sondern aus Notwendigkeit. Genau das machte sie für Lehman interessant.
- Nº 03·Udo
Lehman kaufte nicht die beste Firma — die mit der Marktlesefähigkeit
Nach dem Deal fragte Udo endlich, warum ausgerechnet seine Firma. Antwort: „Weil du die Märkte besser lesen kannst. Du hast vor vier Jahren schon Bestand aufgebaut — das haben die anderen Projektentwickler nicht gemacht. Du hast die Wertsteigerung zusätzlich zur Projektentwicklung in deinem Portfolio aufgenommen." Die Ironie: Diese „Weitsicht" war nicht Strategie, sondern Zwang durch die Bank. „Es passieren negative Dinge, die nachher zu deinem Vorteil passieren."
- Nº 04·Udo
Der Kaufpreis: 100 Millionen geplant, 12,5 geflossen, 87 Millionen nie
„Das wären 100 Millionen gewesen. Davon sind zwölfeinhalb geflossen — und 87 sind eben nie geflossen.”
Udo legt die Zahlen offen, die sonst nur spekuliert werden. Der Kaufpreis war „so abartig hoch", dass er verkaufte — obwohl es seinem Unternehmen 2006 gut ging. Die Dealstruktur: Das Großprojekt Monroe-Park musste fertiggestellt werden, das war die aufschiebende Bedingung für die restlichen 87 Millionen. Als Lehman 2008 pleiteging, waren die 87 Millionen weg. Aus Udos Sicht paradox: Der scheinbare Verlust war der Anfang seines größten Vorteils.
- Nº 05·Udo
2006 hätte niemand auf Lehmans Pleite gewettet — heute keine Bürgschaft mehr glauben
Udo: „Hätte dir einer 2006 gesagt, Lehman geht vielleicht pleite — jeder einzelne Mensch, der was von Wirtschaft versteht, hätte sein komplettes Vermögen dagegen gewettet." Die Lehre: Wenn dir jemand eine Bürgschaft gibt und sagt „uns gibt es seit 100 Jahren" — das ist heute kein Argument mehr. „Jeder kann pleitegehen." Diese Demut ist die Voraussetzung für langfristige Risiko-Einschätzung.
- Nº 06·Udo
Projektentwickler hängen zu 100% an einer Person — deshalb würde Udo nie einen kaufen
Udo's 30-Jahre-Erfahrung: „Selbst ein Konzern wie Signa hängt halt an Benko. Es ist immer einer, der den Wahnsinn in sich trägt und sagt: Das funktioniert." Das macht Projektentwickler zu hochriskanten Akquisitions-Zielen: Fällt die eine Person aus, fällt das Geschäftsmodell. Die Due Diligence bei Lehman konzentrierte sich auch deshalb hauptsächlich auf Udo als Person.
- Nº 07·Udo
Overleverage ist strukturell, nicht Gier — wer weniger Leverage nimmt, wächst nicht mehr mit
Udo bricht eine Lanze: „Du wärst doof. Wenn du 100 Millionen einkaufst und die Bank dir 80 Millionen zu 1% gibt — was macht es dann, wenn du nur 60 nimmst?" Wenn das Team 600 Mitarbeiter hat, muss man jedes Jahr Objekte machen, sonst Entlassungen. Die Branche zwingt in die Leverage-Spirale, das ist kein individuelles Fehlverhalten. Anders handeln heißt aussteigen, nicht vorsichtiger sein.
- Nº 08·Udo
Die Immobilien-Branche ist Napoleon-Revier — „vor Testosteron nicht auszuhalten"
Udo über die Expo Real: „Ich würde jeder Frau sagen: Geh da nicht hin. Die Branche zieht Riesentypen an, die irgendwann das Napoleon-Syndrom entwickeln und glauben, sie stehen über der Bank." Was noch keinem gelungen ist. „Wenn die Bank Elon Musk das Vertrauen entzieht, geht morgen das Licht aus." Die Bank gewinnt immer, das vergessen viele — „das ist wie im Casino".
Der Genie-Anwalt: Der Euro-zu-Million-Trick
- Nº 09·Udo
Andre Eggert — seit 25 Jahren Udos Anwalt, versteht kaufmännisch, nicht nur juristisch
„Andre Eggert hat extremes kaufmännisches Verständnis. Er versteht Verträge bis ins Detail — aber weiß auch, an welchem Punkt man Zugeständnisse machen muss, weil man ein anderes kaufmännisches Ziel hat." Die meisten Anwaltskanzleien fehlen genau dieses Verständnis — sie diskutieren monatelang, schreiben Stunden, ohne dass beide Seiten profitieren.
- Nº 10·Udo
„Wenn zwei Kaufleute sich einigen, schaffen es Anwälte oft, den Vertrag kaputt zu machen"
Udo's Kernprinzip: Der Job des Anwalts ist nicht, alle Details durchzusetzen — es ist, den Deal zu retten. Langfristige Partnerschaften mit demselben Juristen sind eines der unterschätzten Erfolgsgeheimnisse. „Wenn du Leute um dich hast, die dich 25 Jahre kennen, wird Business immer einfacher." Industriellenfamilien haben das verstanden — die meisten haben Juristen als Vertrauenspersonen über Dekaden.
- Nº 11·Udo
Die Lehman-Klausel: Eggert bestand auf Gleichheit — 1 Euro bei Udo-Pleite, 1 Euro bei Lehman-Pleite
Lehman wollte eine einseitige Klausel: Wenn Udo insolvent ist, kriegen sie die Anteile für 1 Euro. Eggert antwortete: „Nice try, aber gleiches Recht für alle." Die symmetrische Klausel wurde akzeptiert, weil niemand eine Lehman-Pleite antizipierte. Christian's Kommentar: „Das ist ultra-geil. Gefühlt keine Downside für ihre Seite, sie gehen davon aus, dass es eh nicht passiert." Dann passierte es.
- Nº 12·Udo
Linklaters versuchte den Vertrag zu blockieren — Eggert „kaufte" sie für eine Million Honorar zurück
„Ich habe ihnen klargemacht, dass wer das Honorar heute schon zahlt, dass sie zur gleichen Rechtsauffassung kommen wie wir.”
In London sagte die Linklaters-Anwältin: „Wir halten den Vertrag für ungültig." Eggert verhandelte allein eine Stunde mit ihnen und kam zurück: „Der Euro ist jetzt eine Million, und alles gehört dir." Die Erklärung im Flieger: „Ich habe berechnet, wie lange so ein Prozess in England dauern würde und wie viele Linklaters daran verdienen kann. Ich habe ihnen klargemacht, dass wer das Honorar heute schon zahlt, dass sie zur gleichen Rechtsauffassung kommen wie wir."
- Nº 13·Udo
Das kritische Datum: 31.12.2008 — vor der Steuerfreiheits-Gesetzesänderung
Das deutsche Gesetz änderte sich zum 31.12.2008: Gewinne aus übernommenen Forderungen waren nur bis zu diesem Datum steuerfrei. Lehman war am 15.9.2008 pleite — Udo hatte 3 Monate. Linklaters wollte Monate verzögern. Eggerts Million rettete nicht nur den Deal, sondern den entscheidenden Steuervorteil. Der Gewinn lag nicht in den Immobilien (die wertmäßig am Boden waren), sondern in den Darlehen, die Udo nun an sich selbst zurückzahlte — komplett steuerfrei.
- Nº 14·Udo
Nach dem Deal kamen die Banken: „Wir wollen keine Geschäftsbeziehung mehr"
Udo lief breiter Brust in die Banken: „Wir waren finanziell noch nie so gesund." Antwort: „Aber jetzt bist du Lehman. Und Lehman ist pleite. Du hast die Companies übernommen." Das war ein richtiger Fight für 2 Jahre. Einige Banken haben danach weiter gearbeitet — aber Faktor-5-Finanzierung (das Fünffache der Jahresmiete) war vorbei. „Man muss kein Mitleid haben, wir haben es hinbekommen."
Immobilien-Realität und Grenznutzen des Geldes
- Nº 15·Udo
Der Grenznutzen des Geldes — irgendwann lohnt sich mehr Risiko nicht mehr
Udo's Reflexion: „Es gibt einen Grenznutzen von Geld. Es macht Spaß, Geld zu haben. Aber es lohnt sich irgendwann nicht mehr, das Risiko zugunsten von mehr Geld zu erhöhen — wenn man dadurch seinen Lebensstandard nicht mehr verbessern kann." Jede Person muss diese Formel für sich finden. Nach dem Lehman-Deal fuhr Udo das Engagement für Drittprojekte bewusst runter.
- Nº 16·Udo
Projektentwickler sind immer reich und illiquid — Paper Money
Udo: „Der Projektentwickler an sich ist immer reich und immer illiquid. Es ist immer Paper Money." Es gibt genug Beispiele am Markt, wo Leute vor kurzem noch in der Forbes-Liste waren und jetzt Insolvenz beantragen. Der Immobilien-Reichtum ist strukturell scheinreich — das Geld steckt in den Objekten, nicht auf dem Konto.
- Nº 17·Udo
Der 12-Jahres-Zyklus hat den 7-Jahres-Zyklus überschrieben — das verführte viele
Udo's strukturelle Diagnose: „Früher sagte man, Immobilien haben einen 7-Jahres-Zyklus. In der Niedrigzinsphase nach Lehman dauerte er 12–13 Jahre." Wer so lange mit konstanten Rahmenbedingungen gewohnt war, konnte sich eine andere Welt nicht mehr vorstellen. Wer zum Beispiel Benko zu schnell abqualifiziert, übersieht: „Ich verstehe, warum manche geglaubt haben, der Zyklus ist gebrochen."
- Nº 18·Udo
Der Handwerker-Sohn-Kompass: 200 Käufer kriegen ihre Wohnung
Udo: „Ich bin Kind eines Heizungsmonteurmeisters. Mein Vater war Handschlag-Typ, und so bin ich aufgewachsen." Bei der Lehman-Krise war ihm klar: „Diese 200 Käufer Monroe-Park kriegen ihre Wohnung — und wenn es das Letzte ist, was ich im Leben mache. Da hängen Familien dran, Einzelne, denen du nicht erklären willst: 'Ihr wohnt jetzt auf der Straße, Kohle ist weg.'" Die ethische Grundhaltung kommt aus dem Elternhaus, nicht aus der Business School.
- Nº 19·Udo
Der erste Porsche mit 40 — weil Geld immer in die Firma ging
„Wenn Leute über meinen Lebensstandard reden, sage ich: Der erste Porsche kam mit 40. So lange Immobilien machen wir, und ich hab das Geld immer in die Firma gesteckt. Wir waren nie liquide." Der Reichtum auf dem Papier stand nie für verfügbares Geld. Das Bewusstsein darüber schützt vor Selbstüberschätzung — und ist ein Grund, warum Udo die Grenznutzen-Frage ernst nimmt.
- Nº 20·Udo
Der Milliardär mit dem Ehrentitel — 50 Millionen pro Jahr verbrannt, damit die Stadt ihn ehrt
Udo kannte Milliardäre, die Unternehmen aufrechterhielten, die jedes Jahr 50 Millionen verbrannten. Warum? Antwort eines: „Wenn ich das Unternehmen zumache, verliere ich den Ehrentitel meiner Stadt." Eitelkeit als existenzielle Verhandlungsposition. „Armer Mann. Armer alter Mann." Je mehr Reiche Udo kennenlernte, umso mehr dachte er: arme Würste. Innenarchitektur-Häuser ohne Seele.
Deutscher Standortschmerz: Finanzamt, Bürokratie, Auswanderung
- Nº 21·Christian
Die Finanzamt-Story — „Wenn wir nichts finden, müssen wir einen Prozess eröffnen, oder ihr zahlt"
Christian erzählt: Ein Unternehmer wurde ein halbes Jahr wegen Steuerhinterziehung geprüft. Staatsanwaltschaft fand nichts. Dann kamen sie offen: „Wenn wir ein halbes Jahr gemacht haben und nichts finden, ist das doof. Wir müssen einen Prozess eröffnen. Außer — wir einigen uns, dass ihr in den ersten Tagen vielleicht noch kein richtiges Office hattet. Das kostet 100.000, und das Thema ist durch." Rechtlich sauber, aber strukturell erpresserisch.
- Nº 22·Udo
Udo hat heute fast Sympathie für die Finanzamt-Strategie — „Leute müssen ein Ergebnis erzielen"
Mit den Jahren ist Udo's Haltung zu Finanzämtern differenzierter: „Die kommen mit Argumenten, wo du wirklich lange drüber nachdenken musst. Und sie müssen irgendein Ergebnis erzielen — sonst wirst du nie wieder in Ruhe leben mit denen. Dann musst du sagen: 'Okay, dann ist es halt so, dass sie die 1%-Regelung beim Auto nicht berücksichtigen.'" Wer die Dynamik versteht, wird pragmatischer — nicht moralisch entrüstet.
- Nº 23·Udo
Umsatzsteuerprüfung in Berlin: Sachbearbeiter monatelang krank, zu 100% läuft sie raus
Udo: „Hast du ein Umsatzsteuer-Guthaben, ist monatelang ein Sachbearbeiter krank. Das kann man statistisch beweisen — die Prüfung läuft zu 100% raus." Beispiel Soundcloud mit 20–30 Millionen Umsatzsteuerguthaben muss monatelang warten. Wie erklärst du das einem Investor? Strukturelle Standortnachteile, die niemand öffentlich beziffert. Aber sie kosten täglich.
- Nº 24·Udo
Freund baut in Dubai für 300M — Finanzamt schätzt 500M und schickt Steuerbescheid
Udo: „Ein Freund baut für 300 Millionen in Abu Dhabi. Kommt das deutsche Finanzamt: 'Wir schätzen den Bau auf 500. Wir denken, du hast 200 Millionen mehr bekommen' — und schickt Steuerbescheid." Generalverdacht bei Auslandsprojekten. „Wie willst du das beweisen?" Das ist kein Einzelfall, das ist Systematik.
- Nº 25·Udo
„Es gibt kein Steuerrecht — nur Auslegungen und einen Generalverdacht"
Udo: „Es gibt ein Steuerrecht. Und es gibt unfassbar viele Auslegungen und viele Steuerprüfer, die der Meinung sind, der Unternehmer arbeitet generell nicht sauber." Die 40-Euro-Gewerbeanmeldung beginnt mit einem Generalverdacht. Das ist nicht Einzelmeinung, das ist strukturelle Verwaltungskultur.
- Nº 26·Eric
Eric: „Ich würde heute kein Tech-Unternehmen mehr in Europa gründen"
Eric's klare Positionierung: „Für einen globalen Tech-Wettbewerb habe ich in Europa massive Wettbewerbsnachteile. Gewicht am Bein durch Bürokratie. Für ein lokales Service-Unternehmen mache ich das gerne in Deutschland. Aber für eine App im globalen Markt — das kriege ich so lange nicht gebacken, bis wir wirklich richtige Reformen anstoßen." Als Gründer von Bitpanda hat er die Realität der Regulierung am eigenen Leib.
- Nº 27·Udo
Udo: Viele Factory-Unternehmer gründen mittlerweile direkt in den USA
„Ich sehe schon in der Factory, wie viele Unternehmer ihre Firma von vornherein in den USA gründen. Ist doch total verständlich." Die Abstimmung mit den Füßen ist sichtbar, Udo spricht es nur offen aus, was andere privat denken. Der Exodus ist kein Phänomen Einzelner, es ist ein Muster.
- Nº 28·Udo
Seit Corona werden Gesetze schärfer angewandt — die Flexibilität ist weg
Udo: „Ich habe den Satz 'das sind unsere Regeln' in den letzten 3 Jahren häufiger gehört als in den 52 Jahren davor. Die Flexibilität ist total weggegangen." Corona und Impfdiskussionen haben Menschen dazu erzogen, Regeln als nicht-verhandelbar zu akzeptieren. Das ist kultureller, nicht rechtlicher Wandel — aber mit massiven Folgen für Unternehmertum.
- Nº 29·Udo
Udo's Regel: „Rule number one is — don't follow stupid rules"
Die konkrete Haltung, die Udo aus der Corona-Erfahrung zog: Stumpfes Regel-Folgen ist nicht Tugend, es ist kognitive Kapitulation. Wer unternehmerisch handeln will, muss zwischen sinnvollen und absurden Regeln unterscheiden können. „Ich bin stolz auf mich, dass ich jetzt schon mal irgendeinem dafür in die Fresse gehauen habe."
Politik, Föderalismus und Reform-Blockade
- Nº 30·Udo
Polen zeigte: einer der besten Politik-Jobs der Welt — und wurde trotzdem abgewählt
Udo: „Der polnische Präsident hat in 4 Jahren einen der besten Politik-Jobs weltweit gemacht — Land vorangebracht, Wirtschaft hochgefahren, Einwanderung geregelt. Schwupps abgewählt, weil egal was du den Leuten gibst, sie sind immer zufrieden." Die Lehre: Selbst objektiv guter Politik wird nicht mit Wiederwahl belohnt. Das bricht die Lern-Schleife guter Politik.
- Nº 31·Udo
Keine Fehlerkultur, absolute Reagier-Politik statt Agier-Politik
Udo: „Du darfst gar keine Fehler mehr machen. Also handeln die Leute nicht mehr. Wir sind vom Agieren ins absolute Reagieren gekommen — deswegen passiert hier nichts mehr." Fehlerkultur ist die Voraussetzung für mutiges Handeln. Ohne sie entsteht Politik als permanente Defensive-Übung.
- Nº 32·Eric
Eric: Die deutsche Struktur produziert 20 Jahre Blockade-Koalitionen
Eric's Analyse der letzten 20 Jahre: „Immer Mitte-rechts plus Mitte-links, die sich gegenseitig aufheben. Du trittst immer auf der Stelle, machst ein paar Millimeter dahin. Aber heutzutage musst du massiv in die Zukunft investieren." Die Struktur ist nicht dysfunktional per Zufall — sie produziert mechanisch Stillstand.
- Nº 33·Eric
Alle 2 Jahre Wahlkampf in einem Bundesland — es gibt nie Raum für Reform
Eric: „Im ersten Jahr stoßen sie Reformen an, im zweiten zerstreiten sie sich, im dritten auch, im vierten sind sie im Wahlkampf. Da kannst du nichts für die Zukunft machen." Ferdinand von Schirachs Vorschlag: Kanzler auf 6–7 Jahre, alle Landtagswahlen gleichzeitig in der Mitte. Grundgesetz-Reform nötig — aber strukturell sinnvoll.
- Nº 34·Eric
Sunset Clause als Default: Gesetze laufen automatisch aus, außer aktiv verlängert
Eric's konkreter Vorschlag: „Gesetze werden nicht schlecht, weil sie schlecht entworfen wurden — sondern weil sie aus der Zeit gefallen sind. Sunset Clause wäre die Lösung: Ablaufdatum. Nach X Jahren wird automatisch geprüft, verlängert oder gestrichen. Das Buch der Gesetze bläht sich sonst immer weiter auf. Agilität muss ins System."
- Nº 35·Eric
Eric's Diagnose: In Brüssel sitzt die Ersatzbank der jeweiligen Nationalpolitik
„Wer sitzt in Brüssel? Die Leute, die es in ihrem jeweiligen Land als Politiker nicht geschafft haben. Die werden dahin abgeschoben — 'na ja, der muss auch noch einen Job bekommen'. Und die machen die Politik für Europa. Holy fucking Shit." Die Top-Ebene des Regulierungs-Apparats ist personell die schwächste.
- Nº 36·Udo
Udo: „Wir brauchen wahrscheinlich einen König, der entscheiden kann"
Udo's ehrlich zugespitzte These: „Ich bewundere jeden, der Politiker wird. Du kannst selbst als Bundeskanzler zu wenig bewegen. Wir bräuchten mal wieder so einen König." Das ist nicht als Plädoyer fürs Königtum gemeint, sondern als Diagnose der Macht-Zerfaserung in der aktuellen Struktur. Handlungsfähigkeit ist das eigentlich knappe Gut.
- Nº 37·Udo
Bundestags-Anekdote: ein handschriftlicher Zettel wird in 3 Schritte durch das Gebäude getragen
Udo aus erster Hand: „Du kommst als Bundestagsmitarbeiter an. Gibst unten beim Empfang an. Der trägt das auf einem Zettel ein. Er bringt den Zettel 3 Stockwerke weiter hoch, dort wird bestätigt, dass du angekommen bist. Wenn du rausgehst, dasselbe. Abends um 17 Uhr trägt jemand alles in eine Excel-Tabelle ein." Datum: November 2025. Und mit diesen Strukturen soll man KI regulieren.
- Nº 38·Udo
Udo's Unternehmer-Strategie: Politik ausblenden, als gäbe es sie nicht
„Ich versuche Politik auszublenden. Ich tu so, als gäbe es sie nicht mehr — das macht mich so viel freier. Als Unternehmer kannst du immer noch was bewegen auf der Welt. Als Politiker nicht mehr." Diese Haltung ist nicht Apolitik, sondern pragmatische Fokus-Entscheidung. Wer Energie in nicht beeinflussbare Dinge steckt, verliert.
KI in 2 Jahren und die Manager-Blindheit
- Nº 39·Udo
Udo: „In 2 Jahren kriegen wir eine Welt, die ich mich nicht persönlich traue vorherzusagen"
Udo ist kein generischer Tech-Enthusiast. Er beschäftigt sich mit hunderten Mitarbeitenden an KI und sagt dennoch: „Ich traue mich nicht, die nächsten 2 Jahre vorherzusagen." Das ist keine Marketing-Floskel — das ist eine Demut vor der Beschleunigung. Wer jetzt nicht handelt, kann in 2 Jahren nicht mehr aufholen.
- Nº 40·Eric
Eric: Industrien können in 2–3 Jahren verschwinden — absolute Konstanten gibt es nicht mehr
„Es ist extrem wichtig, dass Leute verstehen — unsere Welt verändert sich gerade so dermaßen technologisch, dass manche Industrien einfach verschwinden werden. Die Möglichkeit ist einfach da. Es gibt nicht mehr diese absoluten Konstanten." Wer sein Geschäftsmodell auf Annahmen von 2015 baut, hat möglicherweise ein Asset, das in 3 Jahren nicht mehr existiert.
- Nº 41·Udo
Udo's Diagnose: Alle Manager kommen aus den gleichen schlecht ausgebildeten Unis
„Sie sind keine Unternehmer, sie sind Manager. Wir haben gute Manager um uns, sie sind unverzichtbar. Aber wenn kein Unternehmer mehr dahinter steht, haben wir keine Chancenabwägung mehr — nur eine Risikoabwägung." Der Unterschied zu Amerika: dort inhabergeführte Unternehmen, hier nur managergeführte. Das wird in den nächsten Jahren katastrophal.
- Nº 42·Eric
Eric: Viele deutsche Vorstände sind feige — beschweren sich hinter verschlossenen Türen
„Das habe ich auch öffentlich kritisiert. Viele Vorstände sind einfach feige — sie beschweren sich hinter verschlossenen Türen, aber öffentlich sagen sie nicht mehr ihre Meinung." Udo's Erklärung: „Weil es Politiker sind. Keine Unternehmer. Sie versuchen zu viele Interessen unter einen Hut zu bringen und sind zu wenig fokussiert."
- Nº 43·Udo
Udo traf 4 Top-Politiker zum Thema KI — erster Folgetermin im Juni 2026
„Alle 4 haben gesagt: 'Müssen jetzt ran, diesmal versäumen wir es nicht.' Mein erster Folge-Termin ist im Juni 26. Ich will nicht wissen, was bis dahin im Bereich KI passiert. Wenn sie uns das erste Mal anhören, erzählen wir eine ganz andere Geschichte als heute — und sie werden wieder hinterherlaufen. Die Chancen waren noch nie so hoch, ein Dritte-Welt-Land zu werden."
- Nº 44·Udo
Der Industrie-Reflex: „Wenn du Arbeitsplätze abschaffst, brauchst du gar nicht antreten"
Was Udo aus der Politik hörte: „Komm nicht mit Effizienz-Arguments, wenn dabei Arbeitsplätze verloren gehen." Der Erhalt bestehender Strukturen steht über allem — auch wenn die Welt draußen längst weitergeht. „Das Erste, was ich gesagt habe: 'Das braucht keiner mehr so zu machen.' Alle 4 haben gesagt: 'Komm mit Arbeitsplätze abschaffen brauchst du nicht antreten.'"
Krypto als Unabhängigkeit, nicht als Spekulation
- Nº 45·Udo
Udo: „Die einzige langfristige Möglichkeit unabhängig zu sein, ist Krypto"
„Alles andere ist 'ach'. Jederzeit kann dein Bankkonto gesperrt werden. Dein Banker würde dich jahrelang daran erinnern, dass dein Konto schon mal am 6. November 1804 gesperrt war — ob sie recht hatten oder nicht." Krypto ist für Udo keine Spekulation, sondern ein Geldaufbewahrungsmittel, das sich von Institutionen unabhängig macht.
- Nº 46·Udo
„Krypto hängt jetzt am Aktienmarkt — weil die Masse nie verstanden hat, was es ist"
Udo: „Es ist unerträglich, weil die Leute Krypto bis heute nicht verstanden haben. Warum hängt Krypto jetzt am Aktienmarkt? Weil die Masse es wie ein Risiko-Asset behandelt." Eric ergänzt: „Sobald etwas groß wird und Geld reinfließt, ist der Finanzmarkt automatisch da." Aber die Koppelung verrät, dass die Grundlogik von Krypto (Unabhängigkeit) nicht verstanden wurde.
- Nº 47·Udo
Langfristig heißt 10–20 Jahre, nicht 6 Monate — das unterscheidet Verstehen von Lemmingen
Udo's Investment-Haltung: „Ich bin 2016 in Krypto. Ich wüsste nicht, wo er hinstürzen soll, dass ich ins Minus komme. Und ich werde weiterhin 10 Jahre nicht hingucken. Der größte Fehler: Leute verkaufen ohne Not, weil der Kurs fällt — ohne dass sie das Geld brauchen." Das gilt für Aktien, Immobilien, Krypto gleichermaßen.
- Nº 48·Eric
Eric's Anti-Recency-Humor: „Dann hättest du spätestens bei 1.000 verkauft"
„Die Leute, die sagen: 'Hätte ich damals Bitcoin gekauft.' Ja, dann hättest du 2 Jahre später verkauft — spätestens bei 1.000. Willst du mir sagen, du hättest gewartet bis 100.000? Niemals." Eric's Rettung-Szenario: „Für die besten Leute wäre es gewesen, für 10 Jahre ins Koma zu fallen. Aufmachen, Gewinn." Die imaginierte Handlung ist fast immer besser als die reale.
- Nº 49·Udo
Udo hatte 2016 den ersten in Europa zugelassenen Krypto-Fonds — als Handelsregister belegbar
„Wer das nachgucken will — der erste in Europa zugelassene Krypto-Fonds waren wir." Lang bevor Krypto mainstream wurde, war Udo strukturell dabei. Das ist nicht Angeberei — es ist Beleg, dass seine Position zu Krypto kein 2020-er-Hype-Effekt ist, sondern eine seit einem Jahrzehnt gewachsene Überzeugung.
Die Factory Berlin — Idealismus wurde Wirtschaftsmotor
- Nº 50·Udo
Die Factory startete mit 5 Millionen für StudiVZ — und Null Digital-Know-how
„Dario Suter kam zu mir: Willst du investieren? 5 Millionen für ein Unternehmen, das einen Monat alt ist. Ich dachte: Wie? Und dann: 'Boah geil, digital ist ja voll der geile Scheiß' — weil ich von Digitalisierung so viel Ahnung hatte wie vom Synchronschwimmen. Die Gründergeneration Y damals war gut im Sales. Ich war in einer Euphorieblase." So begann Udos Start-up-Karriere — Begeisterungsfähigkeit als Schwäche und Stärke.
- Nº 51·Udo
Zwischen 2007 und 2011 investierte Udo privat knapp 20 Millionen — bewusst ohne Fonds
„Wir haben nie Geld von anderen genommen. Das habe ich bei Lehman gelernt — mir liegt nicht, mich jeden Freitag zu rechtfertigen." Die Entscheidung gegen Fremdkapital ist nicht finanzielle Notwendigkeit, sondern Persönlichkeits-Match. Die Freiheit der eigenen Zeitachse ist mehr wert als das verdoppelte Portfolio.
- Nº 52·Udo
Die Factory hatte zwei Gründungsgeschichten — eine offizielle und eine private
Die offizielle Geschichte: „Wir brauchen ein besseres Image für Startups, wir bauen ein Valley." Die inoffizielle: „Es ging meiner Frau und mir tierisch auf den Sack, zu 200 Firmen durch die Stadt zu fahren — packen wir die alle in ein Gebäude." Beide waren wahr. Die erste wurde kommuniziert, die zweite getrieben. „Man kann nicht alles planen im Leben."
- Nº 53·Udo
19% aller deutschen digitalen Startups wurden in der Factory gegründet
„Wir haben uns das letztes Jahr mal ausgerechnet. 19 Prozent aller Startups, die in Deutschland gegründet wurden, wurden in der Factory gegründet." Wichtige Abgrenzung: definiert als digital-zentriertes Geschäftsmodell (nicht Höhle-der-Löwen-Pizza-Restaurants, aber Plattformen für Dachdecker zum Beispiel zählten). Die Konzentrationswirkung ist historisch einmalig — aus einem Gebäude heraus.
- Nº 54·Udo
Jack Ma, Eric Schmidt, Travis Kalanick waren Speaker — 26.000 Arbeitsplätze geschaffen
„Jeder kennt uns. Wir hatten die besten Gäste, die man sich vorstellen kann — Jack Ma, Eric Schmidt, die Gründer von Airbnb, Travis Kalanick. Wir waren First Mover, wir waren die Einzigen." Die Factory hat in 11 Jahren rund 26.000 Arbeitsplätze in Berlin geschaffen. Das ist die Größenordnung, in der sie wirkt — jenseits des Vertrags-Equity-Einzelfalls.
- Nº 55·Udo
Der Relayer-Exit: 300 Millionen nach 2 Jahren — Sensoren für Maschinenermüdung
„Relayer hat Sensoren entwickelt, die feststellen konnten, wann Maschinenarme ermüden — bevor es zum Produktionsstopp kommt. Faktor X: wir waren erster und fast einziger Investor." Die Versicherung zahlte 300 Millionen, das Unternehmen war 2 Jahre alt. Aus 60.000 Investment wurden zweistellige Millionen. Einer der wenigen großen Exits, von denen selten gesprochen wird.
- Nº 56·Udo
Seit 5–6 Jahren trifft Udos Tochter digitale Investment-Entscheidungen
„Meine Tochter wird jetzt 23. Wenn es um hoch digitale Themen geht, die im Zusammenhang mit Influencer-Marketing stehen, frage ich sie. Weil ich mir davor wie ein Idiot vorkomme." Die ehrliche Zugabe: Die Zielgruppen, für die investiert wird, sind heute anders als vor 20 Jahren. Wer nicht delegiert, investiert schlecht.
Was die Factory falsch gemacht hat
- Nº 57·Udo
Der Fehler: 50 Euro Mitgliedschaft statt 1,5% Equity pro Startup
„Wir haben gesagt: Membership Club, 50 Euro im Monat. Hätten wir stattdessen 1,5 Prozent Equity gefordert, würde ich heute von jedem Unternehmen bei uns Anteile halten — ich müsste jeden Tag die Bank leer räumen." Die offizielle Begründung damals: „Wir wollen unabhängig bleiben." Die ehrliche heutige Bewertung: „Weil wir sackdoof waren." Der Idealismus kostete Milliardenwerte.
- Nº 58·Udo
Die Factory war 5-Sterne-Puff — zu bequem für echte Gründerkultur
Udo's Selbstkritik: „Wir haben den besten Startup-Hub Europas gebaut — aber wir haben einen 5-Sterne-Puff gebaut. Dürfen wir euch noch den Hintern abwischen?" Die Bequemlichkeit hat die Gründer-Kultur verwässert. Luxus zieht andere Gründer an als Härte — und das ist nicht automatisch gut.
- Nº 59·Udo
Undankbarkeit: Fintech-Gründer tritt nach dem Erfolg nicht mehr als Speaker auf
Udo's konkretes Beispiel: „Ein großer Fintech-Gründer, bei uns groß geworden. Nach dem Erfolg nie wieder bereit, für unsere Community als Speaker aufzutreten. Das ist asozial. Wenn Menschen vergessen, wo sie herkommen — da drehe ich durch. Bin auch extrem nachtragend, wie ein Elefant."
- Nº 60·Eric
Die Agent-Principal-Psychologie: Der Gefallen wird in deiner Erinnerung kleiner, in der anderen größer
Eric's Erklärung des Phänomens: „In dem Moment, wo du den Gefallen tust, kommt er dir klein vor, der Person groß. Wenn daraus was Großes entsteht, switcht sich das — die Person sieht diesen Moment als immer kleiner, du rational klar die Substanz der Entstehung. Das ist psychologisch total normal."
- Nº 61·Udo
Der Gorillas-Gründer kam arbeitslos zur Factory — und verlangte später billiger Miete
„Der Gorillas-Gründer kam als Arbeitsloser zu uns. Wir haben ihn supportet, wir haben ihm Geld gegeben. Später hatte er 1.000 Mitarbeiter und sagte: 'Ich kriege das woanders billiger.' Das sind Dinge, die haben mir die Factory die letzten Jahre verdorben." Wer in der Not geholfen wurde und im Erfolg das Preisniveau verhandelt, zerstört die Kultur, die ihn erst groß gemacht hat.
- Nº 62·Udo
„Geben macht mir nichts aus — ausgenutzt zu werden fühlt sich scheiße an"
Udo's Kern-Einsicht nach Jahren: Großzügigkeit ist eine Kultur-Entscheidung, aber nie Opferbereitschaft. Der Unterschied zwischen Mentoring und Ausbeutung liegt in der Haltung der Empfangenden — und wenn die fehlt, muss man aussteigen, nicht nachgiebiger werden.
- Nº 63·Udo
Soundcloud-Entlassungen: 199 von 200 Mitarbeitern fanden am nächsten Tag Jobs in der Factory
Positives Gegenbeispiel, wann Community funktioniert: Als Soundcloud nachts 200 Leute entließ, postete Udo das im internen Factory-Chat. „Am nächsten Tag hatten 199 von 200 einen anderen Job innerhalb der Factory." Das ist echte Community-Funktion — und der Grund, warum die Factory trotz aller Kritik ein realer Wert war.
Stefan Krause und die Factory 2.0
- Nº 64·Udo
Stefan Krause: 24 Jahre Manager, 10 Jahre Valley — die seltene Mischung
„Stefan war 12 Jahre CFO BMW, 12 Jahre CFO Deutsche Bank — das hätte mich tot abgeschreckt. Aber dann ist er 10 Jahre ins Valley gegangen und hat Milliarden-Unternehmen gebaut. Er kommt aus einer kolumbianischen Unternehmerfamilie — auch in Kolumbien aufgewachsen. Der Typ hat Energie, mit der du ein Elektrizitätswerk betreiben kannst." Die Mischung aus Konzern-Erfahrung plus Unternehmer-Bewusstsein ist selten, wertvoll.
- Nº 65·Udo
Krauses erste Diagnose: „Gute Kultur, beschissene BWA"
Krauses Satz am ersten Tag: „Udo, ich habe noch nie eine Firma gesehen, die so eine gute Unternehmenskultur und so eine beschissene betriebswirtschaftliche Auswertung hat." Kultur war nie das Problem der Factory. Die ökonomische Architektur war es. Dafür braucht es jemanden, der beide Seiten kennt — nicht einen der dem Idealismus nachgibt, nicht einen der die Kultur kaputt macht.
- Nº 66·Udo
Factory 2.0: Gründer kriegen alles — 10% Equity im Gegenzug, wie Y Combinator mit KI
„Wir sind jetzt Y Combinator, nur gestützt durch KI. Marketing, Geld, Infrastruktur, Reichweite — wir bauen es so weit aus, dass Gründer sich nur auf ihr Produkt fokussieren müssen. Steuer, Juristerei — alles übernehmen wir. Die geben uns 10%." Das Modell, das 2011 gefehlt hat. Die Lernkurve des Gründers wird zum Equity-Wert.
- Nº 67·Udo
Factory baut auf bestehende KI — nicht auf „neues ChatGPT"
„Ich gehe nicht davon aus, dass wir ein neues ChatGPT bauen. Wir bauen auf bestehende KI-Software — die für die Industrie unabdingbar werden. Die Industrie wird wieder versäumen, rechtzeitig zu reagieren." Die Wettbewerbs-Nische ist nicht die Grundlagen-Entwicklung, sondern die Anwendungs-Schicht, in der deutsche Industrie strukturell hinterherhinkt.
- Nº 68·Udo
Factory-Zugang zu 1,5 Millionen Talenten über Teach (größte Bildungsplattform Europas)
„Wir sind Hauptinvestor bei Teach — die größte Bildungsplattform Europas. Zugriff auf 1,5 Millionen Talente. Wir bauen Firmen im Fließband, wie Henry Ford mit T-Mobil — nur nehmen wir ausschließlich KI-Talente." Das Vertriebs- und Rekrutierungs-Netzwerk ist bereits skaliert, das macht 800 Companies in 2 Jahren operativ plausibel.
Die Bildungs-Ohrfeige aus Berlin
- Nº 69·Udo
Udos Frau gründete eine projektbasierte Schule — 3 Jahre für die Zulassung, Null Fördermittel
„Meine Frau ist der Meinung, unser Bildungssystem ist eine Katastrophe. Sie hat eine projektbasierte Schule gegründet — mit EU-Unterstützung, sonst hätte sie keine Zulassung bekommen. 3 Jahre um die Zulassung gekämpft. Null Fördermittel aus Berlin." Die reine Anerkennung als alternative Bildungsform ist in Deutschland ein Marathon.
- Nº 70·Udo
Projektbasiertes Lernen: 5 Kinder bauen ein Fahrrad — Mathe, Chemie, Logik aus der Sache
Das Konzept: Fünf Kinder mit verschiedenen Stärken bauen gemeinsam ein Fahrrad. Der Speichenberechner, der Mathematiker, der Logik-Kopf. Die Frage „woher kommen die Reifen?" führt zu Fahrradladen, Fabrik, chemischen Prozessen. „Eine der besten Schulen, die ich in meinem Leben gesehen habe — und das sage ich nicht, weil meine Frau sie gegründet hat."
- Nº 71·Udo
Ein albanisches Unternehmen kam mit demselben Konzept — und bekam 40 Millionen Fördermittel
Udo's Frust, offen: „Das gleiche Konzept, ausländisches Unternehmen, 40 Millionen Fördermittel. Meine Frau hat 3 Jahre um die Zulassung gekämpft, keine Fördermittel. Das ist Berlin." Dieselbe Idee, dieselbe Qualität — aber der Herkunfts-Stempel entscheidet über 40 Millionen.
- Nº 72·Udo
Der Lieblingswitz: „Es gibt keine Außerirdischen — sonst hätten wir da schon längst Geld hingeschickt"
Udo's Satire über Deutschlands Förder-Logik: Heimische Ideen werden nicht gefördert, ausländische großzügig finanziert. Der Witz funktioniert, weil er ein reales Muster erkennt — und die Politik lacht nicht, weil sie sich wiedererkennt, sondern weil sie es nicht wahrhaben will.
Why Berlin — Das Five-to-Nine-Argument
- Nº 73·Udo
Airbnb-Gründer: „It's not important what happens 9-to-5 — it's 5-to-9 that counts"
„It's not important what happens between 9 and 5 — it's only important what happens between 5 and 9.”
Die Szene, die Udos Factory-Blick veränderte: Die Kölner Bürgermeisterin fragte Nathan Blecharczyk: „Würdest du empfehlen, dass Udo eine Factory in Köln aufmacht?" Blecharczyk: „Niemals." Warum? „Es ist nicht wichtig, was zwischen 9 und 5 passiert — es ist nur wichtig, was zwischen 5 und 9 passiert." Die Stunden außerhalb der Büro-Zeit machen die Gründerkultur. Und das ist der Grund, warum München mit seinem „um 11 ist hochgeklappt" raus ist.
- Nº 74·Udo
München für Hardware, Berlin für KI — aber München hat ein Startup-Problem
Udo: „Im hochtechnologischen Hardware-Bereich würde ich nach München gehen. Aber ich sehe ein großes Risiko: Startups werden dort zu früh von der Industrie übernommen — und zu wenig Disruption entsteht." Die Industrienähe ist Segen und Fluch. Sie bietet Cashflow, nimmt aber Freiheit. In Berlin fehlt die Industrie — genau das macht mehr Selbstständigkeit.
- Nº 75·Udo
Berlin vs. New York vs. London — die Stadt, die nie schläft, ist nicht New York
„New York ist um 11 Schicht im Schacht. London um 1. Wenn du ein Life willst — komm nach Berlin. Wenn du eine Company gründen willst — komm nach Berlin." Der einzige Konkurrent weltweit für Berlin-Nachtkultur sei Warschau. „Die drehen gerade richtig auf." Der 24/7-Rhythmus ist das tatsächliche Asset, nicht die Wirtschaftsstruktur.
- Nº 76·Udo
Berlin's einziges echtes Asset ist das Nachtleben — von der Politik nicht verstanden
Udo's harte Diagnose: „Wirtschaftlich kriegen die hier gar nichts hin. Das einzige Asset Berlins ist das Nachtleben. Die Politiker haben das nicht verstanden." Wer Berlin verkauft wie jede andere deutsche Großstadt, verkauft Berlin falsch. Die Stadt lebt von Menschen, die um 3 Uhr noch arbeiten oder feiern — und die Politik nimmt ihnen die Bedingungen dafür weg.
- Nº 77·Udo
Berliner Anonymität als eigentlicher USP
Udo: „Ich liebe diese Stadt aus einem Grund — sie ist anonym. Wenn ich tot in meiner Wohnung liege, interessiert das frühestens 6 Wochen später den Nachbarn — und nur deswegen, weil die Wohnung frei werden könnte." Anonymität als Produktivitätsmerkmal: Nicht sich rechtfertigen müssen, nicht eingeordnet werden, nicht permanent unter sozialer Beobachtung stehen.
- Nº 78·Eric
Eric: In Wien fehlt die Five-to-Nine-Kultur — deshalb wenig Startup-Szene
Eric: „Wir haben in Wien gegründet — hatten gar keine andere Wahl, kein Geld. Aber diese Kultur, die Udo beschreibt, gibt es in Wien nicht. Wenn du der einzige bist, der nachts im Büro schläft — die Motivation ist nicht so da, als wenn du dich gegenseitig pushst." Das erklärt, warum trotz Bitpanda kein dichtes Startup-Ökosystem in Wien entstanden ist.
- Nº 79·Udo
Work-Life-Balance ist keine Gründer-Haltung — die ersten 5 Jahre müssen wehtun
Udo's harte These: „Wenn du Work-Life-Balance willst, gründe kein Unternehmen — die ersten 5 Jahre, wenn es nicht wehtut, wird es nichts." Das ist nicht Glorifizierung von Burnout. Es ist die nüchterne Erkenntnis, dass Hochleistungsphasen unvereinbar sind mit Work-Life-Balance-Rhetorik, und dass Gründer, die beides versuchen, beides verlieren.
Factory Neo: Kunst, Musik und die Rettung vor Verblödung
- Nº 80·Udo
Die neue Factory ist mehr als Startups: Ateliers, Musiker, Drummer, DJs, Musikstudios
Udo's Vision für die Factory Neo: „Kunst und Kultur und Musik haben einen viel höheren Einfluss auf Entrepreneurship als viele glauben. Ateliers, geile Künstler, Musiker, musikstudios, DJs — die disruptiv die ganzen Entrepreneurs in Frage stellen. Daraus entstehen die besten Produkte." Die Mischung ist nicht Dekoration — sie ist Produktionsbedingung.
- Nº 81·Udo
„Die Menschheit verblödet durch KI — wir geben die Kreativität ab"
Udo: „Mein sechsjähriger Sohn erklärt dir in 7 Jahren, dass du unrecht hast, weil ChatGPT etwas anderes behauptet. Das wird ein totaler Kulturverlust. Wenn wir die Kreativität an KI abgeben, haben wir verloren. Deshalb brauchen wir Künstler um uns — die die Welt in Frage stellen, mit anderen Augen sehen." Die Robotik-Ausbildung wird die Bedeutung der Kunst eher erhöhen als verringern.
- Nº 82·Udo
Matratze statt Sterne-Restaurant — die Gründer-Kultur zurück
„Jetzt kommen die Gründer wieder mit der Matratze. Die knallen sich ins Eck und sagen: 'Alter, warum hast du dein Restaurant umgebaut? Das sieht aus wie ein Sternenladen — ist ja widerlich.'" Die harte Gründer-Mentalität, die schon Deutschland hatte und fast verlor, kehrt zurück — über Gast-Beratung und Selbst-Gerechtigkeit.
- Nº 83·Udo
Launch: 4.–5. Dezember mit Forbes 30 Under 30, danach 100 neue Mitglieder
„Am 4. und 5. Dezember machen wir gemeinsam mit Forbes '30 Under 30' die Neueröffnung der Factory. Dann werden die ersten 100 Mitglieder ausgewählt. Wir haben unendlich Bewerbungen — viele aus Amerika, auch viele, die im Moment keine Trump-Fans sind und nach Deutschland wollen."
- Nº 84·Udo
Ziel: 800 Companies in 2 Jahren — 500 werden verrecken, aber ein Exit ist Pflicht
„Stefan und ich — wir werden 800 Unternehmen gründen. Davon werden vielleicht 500 auch verrecken." Udo's Ergebnis-Druck: „Wenn wir uns in einem Jahr sehen und keinen Exit hingelegt haben — dann haben wir uns ein Loch ins Knie gebohrt." Die Selbst-Auflage ist extrem sportlich, aber realistisch.
- Nº 85·Udo
Berlin ist der Standort, weil die Freaks auf der Matratze schlafen — nicht weil Fördermittel fließen
Udo's Schluss-Positionierung: „Die Freaks gehen nicht nach Heilbronn, die Freaks gehen vielleicht auch nicht nach München. Aber die Freaks, die auf der Matratze schlafen — die sind in Berlin." Das ist das eigentliche Argument für Berlin. Nicht Wirtschaftskraft, nicht Politik, nicht Förderung. Sondern die Subkultur, die Obsession möglich macht.
Wenn es nicht wehtut, wird es nichts. Wer Work-Life-Balance will, sollte kein Unternehmen gründen.
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